Steuerberatung | 10.10.2016

Privatisierung bei Betriebsauflassung

Wenn Einzelunternehmer eine Auflassung ihrer gewerblichen Tätigkeit planen, sollten sie sich über die Möglichkeit der Privatisierung der Betriebsgebäude genauestens informieren.

Die zurzeit geltenden Bestimmungen sehen nämlich eine begünstigte Überführung der betrieblichen Immobilien in den Privatbereich vor. Die Begünstigung besteht in einer Ersatzbesteuerung in Höhe von acht Prozent. Interessant ist diese Regelung für alle Arten von betrieblich genutzten Gebäuden, die ausschließlich und direkt vom Unternehmer für seine Tätigkeit genutzt werden. Dazu zählen auch jene Gebäude, die nicht im Inventar oder Abschreibungsregister aufscheinen, aber bereits vor dem 31. Dezember 1991 für die gewerbliche Tätigkeit verwendet wurden, denn diese gelten automatisch als betrieblich.
Plant beispielsweise ein Unternehmer, seine seit dem Jahr 1990 ausgeübte Tätigkeit als Privatzimmervermieter einzustellen, da er die dafür genutzten Räume seinem Kind als Wohnung überlassen möchte, so kann eine Privatisierung mithilfe der Ersatzbesteuerung begünstigt erfolgen. Auch beim Auflassen der Tätigkeit, um ein Gebäude langfristig zu vermieten oder für andere betriebsfremde Zwecke zu verwenden, kann diese Steuererleichterung in Anspruch genommen werden.

Übergabe ist keine Auflassung
Ist hingegen eine Betriebsübergabe geplant und soll somit die Tätigkeit weitergeführt werden, so ist eine Privatisierung nicht interessant.
Gebäude, die nach dem 31. Dezember 1991 für eine Tätigkeit verwendet wurden, gelten nur dann als betrieblich, wenn sie im Abschreibungsregister eingetragen sind. Andernfalls befinden sie sich bereits im Privatbereich des Unternehmers. Somit braucht eine Immobilie, die zum Beispiel 1994 neu errichtet oder gekauft worden ist, um darin eine Privatzimmervermietung zu betreiben, nicht privatisiert werden. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass sie nicht im Abschreibungsregister eingetragen und somit nicht abgeschrieben wurde.

Wenig interessant für UaB
Zusammenfassend dürfte diese Regelung nur für wenige Betreiber von Zimmervermietung und Urlaub auf dem Bauernhof (UaB) interessant sein. Im Einzelfall könnte aber eine große Steuerersparnis erzielt werden. Auf alle Fälle sollten alle Gewerbetreibenden ihre Situation prüfen, wenn sie die Auflassung ihrer unternehmerischen Tätigkeit ins Auge fassen, weil sich beispielsweise kein Betriebsnachfolger findet.