Wirtschaft, Südtiroler Landwirt, Marketing | 30.09.2016

„Regio-Day“: Bauer trifft Konsument

Aufmerksamkeit für Wert und Vielfalt regionaler Lebensmittel schaffen und den Kontakt zwischen Produzenten und Konsumenten stärken, ist das Ziel des ersten „Regio-Day“ am 1. Oktober. Das Besondere daran: Der „Regio-Day“ findet in vier Ländern gleichzeitig statt und geht von der „Basis“ aus. von Michael Deltedesco

Wer verkosten und staunen will, wird beim 1. „Regio-Day“ auf seine Kosten kommen. Hier ein Beispiel aus der Gärtnerei Galanthus in Lana.

Wer verkosten und staunen will, wird beim 1. „Regio-Day“ auf seine Kosten kommen. Hier ein Beispiel aus der Gärtnerei Galanthus in Lana.

Regionale Lebensmittel sind bei den Konsumenten hoch im Kurs. Etwa 33 Prozent der heimischen Milchprodukte werden in der Region konsumiert. Bei Wein liegt der lokale Absatz sogar bei rund 40 Prozent. Lediglich der Apfel wird zu einem überwiegenden Teil exportiert.
Nischenprodukte wie Spargel, viele Gemüsesorten, Honig, Kräuter usw. hingegen werden fast ausschließlich im Land konsumiert. Trotz dieser erfreulichen Entwicklung sind sich viele Konsumenten nicht der ganzen Bedeutung regionaler Produkte bewusst oder zu wenig bewusst.

Auf Vorteile der Regionalität hinweisen
Da müssen wir etwas tun, haben sich Willi Schillings, Alois Wohlfarter und eine Gruppe deutscher Bauern gedacht. Schillings hat sich bereits mit seinem Blog „Bauer Willi“ einen Namen gemacht und greift regelmäßig, ohne sich dabei ein Blatt vor dem Mund zu nehmen, Themen des Anbaus und der Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte auf. Sie waren es, die den 1. „Tag der regionalen Produkte“ ins Leben riefen. Die einfache Botschaft, die mit dem 1. „Regio-Day“ verbunden werden soll, lautet: „Heimische Produkte sind gut für die Umwelt, die Region, für Erzeuger, Verarbeiter, den Handel und natürlich auch für die Konsumenten.“

30 Südtiroler Betriebe mit dabei
Etwa 300 Betriebe beteiligen sich mit ganz unterschiedlichen Aktionen an der Initiative. Der Großteil ist in Deutschland, etwa 20 in Österreich, einer in Liechtenstein. Vertreten ist die gesamte Produktionskette, angefangen bei bäuerlichen Betrieben und Handwerkern, bis hin zu Handel, Gastronomie und Tourismus.
Über 30 Bauernhöfe und sonstige Betriebe haben sich in Südtirol für den 1. „Regio-Day“ angemeldet. 24 Buschenschankbetriebe der Qualitätsmarke „Roter Hahn“ verbinden den Auftakt der Törggelesaison „Törggelen am Ursprung“ mit dem Regio-Day. Neben dem traditionellen Entzünden des „Keschtnfeuers“ gibt es auf allen Höfen besondere Events. So werden die Bäuerinnen und Bauern bei Hofführungen den Gästen einiges über den Hof, den Wein und die Kastanien erzählen. Auf einigen Höfen gibt es zusätzlich Verkostungen hofeigener Produkte, wie Wein, Schnaps oder dem „Neuen“, sowie Einblicke in die Imkerei, die Marmelade- oder die Speckherstellung.

Von Wipplamp bis Gourmetküche
Etwas Besonderes hat sich auch die Genossenschaft Wipplamp einfallen lassen. Sie lädt am 1. Oktober zu einem Tag der offenen Tür in ihre Metzgerei ein. Dabei zeigt sie, wie und wo die Schafe im Wipptal aufwachsen und wie das Fleisch zu Spezialitäten verarbeitet wird. Zudem können die Besucher die Produkte vom Wipplamp verkosten.
Seit langem schon setzt der Eppaner Spitzenkoch Herbert Hintner auf regionale bäuerliche Produkte. Auch er beteiligt sich am 1. Regio-Day und wird ein besonderes Menü aus heimischen Lebensmitteln in seinem Gourmetrestaurant „Zur Rose“ in Eppan anbieten. „Bis auf Salz und Pfeffer werden so gut wie alle Zutaten aus Südtirol kommen“, verriet Hintner. Damit will er die große Vielfalt heimischer Produkte aufzeigen.
Ebenfalls seit langem ein Verfechter bäuerlicher regionaler Qualitätsprodukte ist der Dorfmetzger von Lana, Alexander Holzner. Er lädt in der Gärtnerei im Konvent zur Verkostung von Wurstwaren ein. Ebenfalls verkostet werden kann Südtiroler Speck.

Bauernbund begrüßt „Regio-Day“
Der Südtiroler Bauernbund begrüßt den ersten grenzübergreifenden „Regio-Day“, der von den Bauern selbst ausgeht. Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler erklärt: „Es ist ungemein wichtig, immer wieder auf den Wert heimischer Lebensmittel hinzuweisen. Wir machen das mit verschiedenen Maßnahmen wie dem ‚Bauernhof-Sonntag‘ oder dem ‚Erntedank-Fest‘. Auch die Initiative ‚frischvomhof.it‘ soll die Vielfalt der heimischen Produktion verdeutlichen und den Absatz fördern.“ Der Südtiroler Bauernbund unterstütze den 1. „Regio-Day“ ideell, indem er ihn angekündigt und Betriebe zur Teilnahme aufgerufen hat. Besonders erfreut ist Tiefenthaler über die Zahl der Teilnehmer. „In Südtirol beteiligen sich mehr Interessierte an der Aktion als in ganz Österreich. Besonders erfreulich ist, dass auch Betriebe aus anderen Sparten, wie dem Handel oder der Gastronomie, teilnehmen.“ Nun seien die Konsumenten gefragt, das Angebot anzunehmen und auf den einen oder anderen Bauernhof zu kommen.
Wer Interesse hat, eine Veranstaltung zu besuchen oder mehr über den „Regio-Day“ zu erfahren, findet alle Informationen auf www.regioday.com.


Übersicht aller Südtiroler Teilnehmer am "Regio-Day"