Südtiroler Landwirt, Arbeitssicherheit | 04.08.2016

Damit die Ernte sicher ist

Um einen sicheren Ablauf der Ernte zu gewährleisten, empfiehlt die Stabstelle Arbeitssicherheit des Südtiroler Bauernbundes, besonders auf die Arbeitssicherheit zu achten. von Stephen Gallmetzer Kaufmann

Besonders im Bereich Arbeitssicherheit trägt der Bauer in der Erntezeit eine große Verantwortung.

Besonders im Bereich Arbeitssicherheit trägt der Bauer in der Erntezeit eine große Verantwortung.

Als Arbeitgeber trägt der Bauer Verantwortung seinen Mitarbeitern gegenüber und das trifft unter anderem zentral auf den Bereich Arbeitssicherheit zu. Besonders wichtig ist es, jetzt mit Beginn der Ernte auf die folgenden Punkte zu achten, um Arbeitsunfälle zu vermeiden.

Rückhaltesystem ist ein Muss
So müssen Traktoren gegen die Gefahr des Umkippens geschützt sein und ein Rückhaltesystem für den Fahrer aufweisen. Daher müssen alle Traktoren mit einem Überrollschutz oder einer genormten Fahrerkabine und einem Sicherheitsgurt ausgerüstet sein. Zum Lenken von landwirtschaftlichen Fahrzeugen benötigt man den Führerschein der Kategorie B oder jenen der Kategorie A1 mit Einschränkungen. Von dieser Regelung ausgenommen sind selbstfahrende, einachsige Arbeitsmaschinen.

Melden und überprüfen lassen
Für bestimmte Arbeitsgeräte wie Hebebühnen oder Obsterntemaschinen gilt bei der Inbetriebnahme, dass der Bauer diese beim nationalen Unfallinstitut INAIL, Landesdirektion Bozen, melden muss. Dies gilt auch für für Maschinen, die sich im Umlauf befinden und bisher noch nicht gemeldet sind. Auch muss der Arbeitgeber oder Benutzer zur Durchführung der ersten periodischen Überprüfung einen Antrag an das INAIL stellen. Das INAIL hat dann 45 Tage Zeit, um die erste periodische Überprüfung durchzuführen. Für die weiteren periodischen Überprüfungen muss man sich dann direkt an die befähigten Sachverständigen wenden. Bei Hebebühnen und Obsterntemaschinen, welche in der Landwirtschaft eingesetzt werden, gilt darauf zu achten, diese alle zwei Jahre überprüfen zu lassen. Auch dürfen Arbeitsmittel nicht verwendet werden, wenn sie nicht den Sicherheitsbestimmungen entsprechen: Insbesondere gilt dies für Maschinen, die von landwirtschaftlichen Arbeitnehmern benutzt werden.

Kurse für Arbeitgeber
Jeder landwirtschaftliche Arbeitgeber benötigt eine Dienststelle für Arbeitsschutz sowie einen Leiter dieser Dienststelle mit entsprechender Ausbildung. In Landwirtschaftsbetrieben mit bis zu 30 jährlichen Arbeitseinheiten (JAE) reicht es aus, wenn der Arbeitgeber selbst die Funktion des Leiters der Dienststelle für Arbeitsschutz ausübt. Zu diesem Zweck muss er einen 32-stündigen Kurs besuchen. Diese Ausbildung beinhaltet aber nicht die Ausbildung für Brandschutz und Notfallmanagement sowie Erste-Hilfe. Ebenso kann ein eigener Mitarbeiter oder ein externer Techniker, mit der notwendigen Ausbildung, zum Leiter der Dienststelle für Arbeitsschutz ernannt werden. Bei Beginn einer Tätigkeit (z.B. Hofübergabe) ist die Ausbildung innerhalb von 90 Tagen ab Tätigkeitsbeginn abzuschließen, sofern der Arbeitgeber die Funktion des Leiters der Dienststelle für Arbeitsschutz ausüben will.

Brandschutz- und Erste-Hilfe-Beauftragte
Grundsätzlich ist jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Arbeiter beschäftigt, verpflichtet, einen Brandschutz-Beauftragten zu ernennen sowie diesen ausbilden. Diese Pflicht gilt auch für Betriebe, die nur für einen kurzen Zeitraum Erntearbeiter beschäftigen, wobei Familienbetriebe von dieser Bestimmung ausgenommen sind.
Zudem muss jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Arbeiter beschäftigt, einen Erste-Hilfe-Beauftragten ernennen sowie diesen korrekt auszubilden. Diese Pflichten gelten auch für jene, die nur für einen kurzen Zeitraum Erntearbeiter beschäftigen. Zusätzlich sehen die Kontrollkriterien des Zertifizierers GlobalG.A.P. (z.B. im Obstbau) vor, dass mindestens eine Person mit einer Ersten-Hilfe-Schulung anwesend sein muss, wenn im Betrieb landwirtschaftliche Tätigkeiten ausgeübt werden. Die Folge ist, dass auch Familienbetriebe verpflichtet sind, einen Erste-Hilfe-Beauftragten zu ernennen und Aus- und Weiterbildungen zu besuchen. Die Funktion des Brandschutz- und Erste-Hilfe-Beauftragten kann dann vom Arbeitgeber selbst, von einem im Betrieb mitarbeitenden Familienmitglied oder von einem Arbeitnehmer ausgeübt werden. Der Bauernbund empfiehlt, die Vollständigkeit des Erste-Hilfe-Koffers bzw. Verbandskastens zu achten und das Verfallsdatum zu kontrollieren.

Ausbildung für Arbeitnehmer
Nicht nur Arbeitgeber müssen im Bereich Arbeitssicherheit eine Ausbildung absolvieren, sondern auch Arbeitnehmer. Diese beträgt zwölf Stunden, wobei davon Taglöhner, welche mehr als 50 Tagschichten pro Betrieb und Jahr leisten, Fixarbeiter, Lehrlinge und Angestellte betroffen sind. Wird also ein Arbeitnehmer eingestellt, so muss er die Ausbildung bei Beginn der Tätigkeit oder innerhalb von 60 Tagen absolvieren. Die Ausbildung der Arbeitnehmer hat dabei während der Arbeitszeit zu erfolgen und es dürfen keine Kosten für die Arbeitnehmer daraus entstehen.
 Für jene landwirtschaftlichen Arbeitnehmer, die beim einzelnen Arbeitgeber nicht mehr als 50 Tagschichten pro Jahr arbeiten, gilt: Sie brauchen nicht die zwölfstündige Arbeitssicherheitsausbildung zu absolvieren, sondern es reicht eine verkürzte Ausbildung, wobei diese mit einer Ausbildungsbroschüre erfolgt. Mit dieser sollen die Arbeiter auf die einzelnen Erntetätigkeiten vorbereitet werden. Dasselbe gilt auch für Beschäftigte, welche mit Wertgutscheinen bezahlt werden. Die genannte Ausbildungsbroschüre ist in den jeweiligen SBB-Bezirksbüros bei der Abteilung Arbeitsberatung/Löhne erhältlich oder auf der SBB-Internetseite einsehbar.

Ausbildung für bestimmte Arbeitsmittel
Daneben besteht seit dem 31. Dezember 2015 die Pflicht, für bestimmte Arbeitsmittel eine spezifische Ausbildung zu besuchen. Dies gilt nicht nur für Traktoren, sondern für alle Arbeitsmittel, die zur Ausübung der land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit verwendet werden – also auch Hebebühnen, Gabelstapler, Bagger usw. Als Anwender gelten dabei Selbständige und ihre mitarbeitenden Familienmitglieder, Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
Dagegen von dieser Regelung einer verpflichtenden Erstausbildung ausgenommen sind Anwender im landwirtschaftlichen Sektor, welche am 31.12.2015 mindestens eine zweijährige Erfahrung hinter sich haben. Innerhalb 12.03.2017 müssen aber auch sie den ersten Auffrischungskurs zu vier Stunden besuchen.
Allgemein gilt für Anwender dieser Arbeitsmittel, welche nicht eine zweijährige Erfahrung im landwirtschaftlichen Sektor nachweisen können, Folgendes: Anwender, welche vor dem 31.12.2015 Arbeitsmittel laut dem Abkommen der Staat-Regionen-Konferenz benutzten, müssen innerhalb von 24 Monaten (31.12.2017) die Erstausbildung für die jeweiligen Arbeitsmittel absolvieren.
Anwender, welche nach dem 31.12.2015 Arbeitsmittel laut dem Abkommen der
Staat-Regionen-Konferenz benutzen, müssen dagegen vorher die Erstausbildung für
die jeweiligen Arbeitsmittel absolviert haben.

Risikobewertung
Arbeitgeber müssen zudem ihre Risiken und Schutzmaßnahmen in Form einer Risikobewertung ausarbeiten. Der Südtiroler Bauernbund hat dazu eine eigene Vorlage ausgearbeitet, welche den Standardprozeduren entspricht und allen Mitgliedern auf der Internetseite zur Verfügung steht. Dort finden sie die gesamte Risikobewertung sowie auch ein Musterbeispiel. Auch Familienbetriebe ohne Arbeitnehmer müssen die Risikobewertung aufgrund der Verpflichtung bezüglich GlobalG.A.P und Agrios durchführen. Aufrecht bleiben  zudem weiterhin die Verpflichtungen bezüglich GlobalG.A.P. und Agrios.
Diese werden erfüllt, indem man die Risikobewertung auf der Basis der schriftlichen Vorlage des Südtiroler Bauernbundes durchführt.


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Mehr Infos
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Kurzfilme für eine sicher Ernte