Südtiroler Landwirt, Politik | 21.07.2016

Zahlen, Fakten und die wichtigsten Themen

Er liefert Informationen über den aktuellen Stand der Dinge und ist ein wichtiges Lenkungsinstrument: Der neue Agrar- und Forstbericht 2015 hält nicht nur Rückschau, sondern gewährt auch Einblick in die künftigen Herausforderungen der Südtiroler Landwirtschaftspolitik.

Die Berglandwirtschaft soll künftig noch stärker unterstützt werden.

Die Berglandwirtschaft soll künftig noch stärker unterstützt werden.

Faire Preise für unsere landwirtschaftlichen Produkte, Förderungsmaßnahmen zum Ausgleich der erschwerten Bewirtschaftung im Berggebiet, angewandte Forschung, um Innovation zu unterstützen und den landwirtschaftlichen Betrieben eine Zukunft zu sichern: Das sind die Rahmenbedingungen, die Landesrat Arnold Schuler der Südtiroler Land- und Forstwirtschaft bieten möchte, damit sie die anstehenden Herausforderungen meistern kann. Mit diesen Grußworten leitet er den Agrar- und Forstbericht 2015 ein, der kürzlich in neuem Layout erschienen ist. Auch inhaltlich hat sich das Nachschlagwerk verändert: In einem ersten Teil fasst der Landesrat die wichtigsten Themen des abgelaufenen Jahres zusammen und gibt darüber hinaus auch einen kurzen Ausblick in die Herausforderungen, vor denen die heimische Landwirtschaft steht.
Der Landesrat unterstreicht, dass die Datensammlung nicht nur als Nachschlagwerk Bedeutung hat, sondern vielmehr Lenkungsinstrument sein soll: Die Sammlung, das Zusammenführen und vor allem die Interpretation der Daten solle ermöglichen, Entwicklungen zu erkennen, negativen Tendenzen entgegenzusteuern und positive Trends zu unterstützen. Es sei Auftrag und Ziel der Südtiroler Landespolitik, die heimische Land- und Forstwirtschaft in ihrer Vielfalt zu bewahren und weiter zu entwickeln.

Nachhaltigkeit verbessern
Als ein „Jahr der Weichenstellung“ definiert der aktuelle Agrar- und Forstbericht das Jahr 2015 und umreißt „Nachhaltigkeit“, „Forschung und Innovation“ sowie „Vielfalt“ als wichtigste Themen in diesem Abschnitt: Nachhaltigkeit sei das Gebot der Stunde, damit Umwelt und Ressourcen geschont, Biodiversität erhalten und dem Klimaschutz Rechnung getragen werden kann. Integrierter und biologischer Anbau sollen das in Obst- und Weinbau bewerkstelligen, gezielte und flächengebundene Tierhaltung mit weitgehend geschlossenen Betriebskreisläufen und tiergerechte Haltungssysteme in der Berglandwirtschaft. Diesem Ziel der Nachhaltigkeit soll auch im neuen Ländlichen Entwicklungsplan (LEP) Rechnung getragen werden.
„Der Umstieg auf die neue, umweltschonende Sprühtechnik ist geglückt“, zieht der Agrar- und Forstbericht positiv Bilanz. Das Maßnahmenpaket zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sei von den Bauern grundsätzlich gut angenommen worden: Mehr als drei Viertel haben bereits auf die neuen Sprühgeräte umgestellt. Auch die Vorschriften zur Verwendung von Pflanzenschutzmitteln hätten sich bewährt.
Um ein nachhaltiges Gleichgewicht zwischen Wildtieren und Lebensräumen ging es laut Bericht auch in der Frage um die Jagd in Naturparken. Das Land Südtirol müsse weiterhin die Jagd in den Naturparks regeln dürfen. Denn die Sicherung der heimischen Wildtiere und ihrer Lebensräume sei nicht nur ein Anliegen des Naturschutzes.
„Holz ist eine außerordentlich zukunftsfähige Ressource“, heißt es in dem Rückblick weiter. Deshalb sei mit der Unterzeichnung der Holz-Charta ein Impuls im Holzsektor gesetzt worden, der letztendlich das gesamte ländliche Gebiet fördere. Denn damit wolle man Maßnahmen setzen, die die Steigerung der Holznachfrage bewirken.

Forschung & Innovation
Wie kann die Wettbewerbsfähigkeit unter immer schwieriger werdenden wirtschaftli- chen Rahmenbedingungen erhöht und gleichzeitig die nachhaltige Nutzung von Ressourcen und Ökosystemleistungen sichergestellt werden? Wie kann die heimische Landwirtschaft zur Ernährungssicherheit beitragen? Wie können wir die Bevölkerung im ländlichen Raum bei Ausbau und Diversifizierung ihrer Wirtschaftstätigkeit unterstützen? Das sind Fragen, die sich die Politik stellt. Antworten erhofft man sich aus Forschung und Innovation: Deshalb habe man den Aktionsplan für die Berglandwirtschaft initiiert, womit der besonders schwierigen Situation für die Bauern am Berg Rechnung getragen werden soll.
Auch die Reorganisation des Versuchszentrums Laimburg soll die Forschung verbessern: Die Konzentration auf ihr Kerngeschäft, die Versuchstätigkeit, bringe Vorteile. Ab 2017 werden die neu organisierten Strukturen operativ werden können.
Einen wissenschaftlich fundierten Ansatz brauche es auch zum Thema Großraubtiermanagement: Seit September 2015 befasst sich deshalb eine Expertengruppe mit der Prüfung von Präventionsmaßnahmen vor Großraubtierschäden, mit den Voraussetzungen für einen funktionierenden Herdenschutz und mit neuen Konzepten für die Alpplanung.

Vielfältige Leistungen aufzeigen
„Die Vielfältigkeit der Leistungen der Landwirtschaft und deren Mehrwert sind der Südtiroler Bevölkerung nicht oder nur teilweise bekannt“, lautet die Einschätzung im Agrar- und Forstbericht. Dem müsse entgegengesteuert werden, indem die gesellschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft besser kommuniziert und die Nähe zur Südtiroler Bevölkerung wieder hergestellt wird.
Vielfalt sei notwendig, um Südtirols Landwirtschaft zukunftsfähig zu erhalten. Die land- und hauswirtschaftliche Ausbildung habe diese Notwendigkeit erkannt und biete verschiedene Spezialisierungen an, um Jugendlichen das nötige Rüstzeug für ihre Zukunft mit auf den Weg geben zu können.
Das ländliche Wegenetz als Lebensadern für den ländlichen Raum liege in der Verantwortung der öffentlichen Hand. Deshalb sind die Förderungen für den Bau von Hofzufahrten verstärkt worden.

Kurz- und mittelfristige Herausforderungen
Landesrat Schuler wagt im Agrar- und Forstbericht auch einen kurzen Ausblick auf Herausforderungen und Aufgaben, die künftig auf der Agenda der Südtiroler Landwirtschaft stehen:
– beim Thema Nachhaltigkeit die „Soziale Landwirtschaft“ als neue Form des Nebenerwerbs, eine Nachhaltigkeitsbewertung der Südtiroler Landwirtschaft als Basis für mehr gesellschaftliche Akzeptanz und eine Waldbilanz um den Südtiroler Forst auf die Auswirkungen des Klimawandels vorzubereiten;
– im Bereich von Forschung und Innovation eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und gesellschaftlichen Gruppen, um der Gesellschaft den Mehrwert der bäuerlichen Landwirtschaft zu erklären sowie Lebensmittelentwicklung und -forschung und Südtirol zu einem Kompetenz- und Exzellenzzentrum in diesem Bereich zu machen;
– und schließlich beim Thema Vielfalt Anpassungsmaßnahmen um eine multifunktionale, flächendeckende, leistungsstarke und umweltfreundliche Landwirtschaft zu fördern und einen Konsens in der Diskussion zu den Almerschließungen zu erreichen. Denn, so lautet das Fazit: „Naturschützer und Bauern haben im Grunde dieselben Ziele“.


Bewährtes und Neues

Agrar- und Forstbericht 2015
Der Agrar- und Forstbericht 2015 hat ein neues Layout bekommen. Auch die Einteilung im Innenteil hat sich verändert: Der erste Abschnitt fasst die aktuelle Situation der Land- und Forstwirtschaft in Südtirol zusammen und gibt einen Überblick über die Aufgaben, die im vergangenen Jahr im Vordergrund standen. Auch ein Ausblick auf die anstehenden Herausforderungen ist in diesem Teil enthalten. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit der Land- und Forstwirtschaft in Südtirol, die Aufgaben und Tätigkeiten der einzelnen Abteilungen und Ämter. Im dritten und letzten Abschnitt befinden sich Detailinformationen zu einzelnen Kapiteln, die ergänzend zum zweiten Abschnitt zusammengestellt wurden.

Link zur Broschüre: http://bit.ly/2amoP48