Produktion | 18.07.2016

Hightech für den Obstanbau

Beim „Tag der Technik im Obstbau“ informierten sich vergangene Woche rund 2200 Besucher über die neuesten technischen Maschinen und Geräte, vor allem im Bereich Abdrift. von Guido Steinegger

Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung stand die Sonderschau zum Thema „Besserer Pflanzenschutz und weniger Abdrift

Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung stand die Sonderschau zum Thema „Besserer Pflanzenschutz und weniger Abdrift

320 Umdrehungen pro Minute, 7 km/h, 10 bar und 25 Prozent Austrittswinkel ... Mit solchen Angaben beschrieb Technik-Berater Walter Rass vom Beratungsring für Obst- und Weinbau die verschiedenen Sprühgeräte, die in kurzen Zeitabständen vor vielen Zuschauern durch die Baumreihen fuhren.
Schauplatz war das Gelände des Ladstätterhofs, Gutshof des Versuchszentrums Laimburg in Sinich bei Meran. Dort hatte der Absolventenverein Landwirtschaftlicher Schulen zum alle zwei Jahre stattfindenden „Tag der Technik im Obstbau“ eingeladen.
Rund 300 Maschinen und Geräte rund um den Obstbau wurden präsentiert, wesentlich mehr als in den vorausgegangenen Ausgaben. Auch die Zahl der Aussteller war von bisher rund 60 auf 79 gestiegen. Die Mechanisierung im Obstbau schreitet also voran, und immer mehr Hightech ist mit im Spiel.

Vergleichen hilft, das beste Gerät für den Betrieb zu finden
Für umso wichtiger hält Jakob Ganterer, Vorsitzender des Tags der Technik im Absolventenverein, eine vergleichende Leistungsschau. Er verwies auf die sinkenden Erlöse im Obstbau: „Gleichzeitig kosten die Maschinen und Geräte immer mehr. Daher ist es wichtig, die Angebote der verschiedenen Hersteller zu vergleichen und das beste Gerät für den eigenen Betrieb zu finden.“ Dies taten rund 2200 interessierte Obstbauern und Fachleute aus Südtirol und dem benachbarten Alpenraum. Viele Aussteller bestätigen das rege Interesse an ihren technischen Neuerungen, auch wenn der Tag der Technik nicht mit einer Messe zu vergleichen ist. Die Bauern wollen icht kaufen, aber sie holen sich hier ihre Entscheidungsgrundlage.
Wie sinnvoll das Vergleichen ist, zeigt sich an der Sonderschau zum Thema „Besserer Pflanzenschutz und weniger Abdrift“. Laut Ganterer stachen zwei bis drei Hersteller hervor: „Sie sind wesentlich besser auf die neue Technik eingestellt als andere.“ Ein Sprühgerät kostet zwischen 15.000 und 20.000 Euro. „Gerade deshalb sollten die Bauern die Vorzüge und Schwächen der Geräte kritisch hinterfragen, anstatt ein Gerät zu kaufen, das dann für den eigenen Betrieb nicht geeignet ist.“ Zudem sei es oft auch sinnvoll, die Dienste des Maschinenrings – der natürlich auch am Tag der Technik präsent war – in Anspruch zu nehmen und sich so teure Anschaffungskosten zu sparen.

Pflanze pflegen, Umwelt schonen
Im Mittelpunkt der Eröffnungsreden stand übrigens die Umwelt- und Abdrift-Frage. Ganterer sagte: „Es ist wichtig, die Pflanze zu pflegen, aber wir müssen auch die Umwelt schonen.“ Gerade in einem Tourismus-Land seien Geräte wichtig, die wenig Lärm machen und Abdrift vermeiden. Auch das sollte der Bauer beim Kauf berücksichtigen.
Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler bestätigte: „Die Landwirtschaft hat sich stark gewandelt. Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema. Es ist im Interesse des Bauern selbst, mit Pflanzenschutzmitteln möglichst nur die Zielfläche zu erreichen. Aber es ist auch wichtig für die Nachbarn und die Öffentlichkeit.“ Die Weiterentwicklung der Maschinen und Geräte leiste einen wichtigen Beitrag.
Stadträtin Gabriele Strohmer begrüßte die Teilnehmer im Namen der Gastgeberstadt Meran und wünschte, dass nicht nur Bauern hierher kommen, sondern auch jene die nicht Landwirtschaft betreiben: „Hier können sie sehen, wie sehr sich die Bauern um eine immer ökologischere Landwirtschaft bemühen.“
Ganterer bestätigt, dass schon viele Bauern auf die neuen Abstandsregeln reagiert haben. Er ist aber überzeugt: „Man kann vielfach auch mit dem eigenen, bisherigen Gerät viel machen, wenn man es richtig aufrüstet, einstellt und die Handhabung perfekt beherrscht.“

Massive Innovationskraft
Neben der Sonderausstellung zeigten diverese Beispiele, dass die Innovationskraft alle Bereiche des Obstbaus erfasst hat: Unter anderem verspricht der Hersteller einer mobilen Windmaschine, Frostschäden bei bis zu -4° Celsius zu verhindern. Das 30.000 Euro teure Gerät kann eine Fläche von 3,5 bis 5 ha schützen.
Weiters konnten die Teilnehmer an einem Kippgerät ohne Gefahr erleben, wie sich das Umkippen eines Traktors anfühlt oder zuschauen, wie ein Aussteller mit Hilfe eines Akkuschraubers in Sekunden Hagelnetze öffnen und schließen konnte.


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