Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 09.06.2016

Stimmung bei Bauern bleibt geteilt

Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO hat in Zusammenarbeit mit dem Bauernbund wie jedes Jahr die Stimmung unter Südtirols Landwirten erhoben. Die Rückmeldungen ergeben ein wechselhaftes Bild – mit einer leichten Besserung in der Obstwirtschaft, aber wachsenden Sorgen um den Milchpreis.

Zwei von drei Südtiroler Bauern wollen trotz nicht immer rosiger Aussichten auch 2016 investieren – Bergbauern unter anderem in neue Maschinen.

Zwei von drei Südtiroler Bauern wollen trotz nicht immer rosiger Aussichten auch 2016 investieren – Bergbauern unter anderem in neue Maschinen.

Die Stimmung bei den Südtiroler Landwirten bleibt geteilt. Die Weinbauern gehen von einem guten Jahr 2016 aus, während die Milchwirtschaft mit sinkenden Preisen konfrontiert ist. Das Geschäftsklima hat sich bei den Obstbauern im Vergleich zum vergangenen Jahr etwas gebessert, bleibt aber verhalten.
Das Jahr 2015 war kein leichtes für die Südtiroler Bauern, vor allem aufgrund der niedrigen Apfelpreise in Europa und der quantitativ mäßigen Traubenernte im Herbst 2014. Allgemein waren über ein Viertel der Landwirte mit den von den Genossenschaften erhaltenen Auszahlungspreisen unzufrieden. Besser waren allerdings die Verkaufspreise bei selbst vermarkteten Produkten – wie Versteigerungen, ab Hof oder Bauernmärkte: Diese waren für 93 Prozent der Bauern zufriedenstellend, für ein Drittel sogar gut.
Die Ertragslage wurde auch von der Steigerung der Produktionskosten beeinträchtigt. Fast vier von zehn Landwirten bemängeln, dass die Kosten für Produktionsmittel (Energie, Futtermittel, Pflanzenschutzmittel usw.) stärker gestiegen seien als die Verkaufspreise ihrer landwirtschaftlichen Produkte. Trotzdem konnten 60 Prozent der Bauern in den eigenen Betrieb investieren. Am häufigsten wurden neue Maschinen und Geräte angeschafft sowie neue Kulturen oder Anlagen (inklusive Bewässerung, Hagelnetze usw.) errichtet.
Auch für das laufende Jahr ist die Stimmung in den verschiedenen Branchen unterschiedlich. In der Obstwirtschaft hat sich die Marktlage im Vergleich zum Vorjahr nur teilweise entspannt und die Milchbauern sind derzeit mit fallenden Milchpreisen konfrontiert. Unter den Weinbauern geht man hingegen von einem guten Jahresergebnis aus. Allgemein gehen die Landwirte mehrheitlich von zufriedenstellenden Auszahlungspreisen seitens der Genossenschaften aus. Positiv ist, dass knapp zwei Drittel der Landwirte für heuer neue Investitionen geplant haben. Dabei geht es in der Obst- und Weinwirtschaft vor allem um neue Kulturen und Anlagen, in der Milchwirtschaft um Bauten und Maschinen.

Überangebot am Apfelmarkt
Die Obstwirtschaft lässt ein eher schwieriges Jahr hinter sich. Die Apfelernte im Herbst 2014 war europaweit sehr ertragreich, was zusammen mit dem russischen Importstopp zu einem Überangebot und zu fallenden Preisen führte. Die Großhandelspreise der Sorte „Golden Delicious“ waren im ersten Halbjahr 2015 um ein Viertel niedriger als im Vorjahr. Folglich waren die von den Genossenschaften ausgezahlten Preise nur für etwas mehr als die Hälfte der Bauern zufriedenstellend.
Für das laufende Jahr hat sich die Marktlage leicht gebessert, zumal die Apfelernte 2015 europaweit etwas geringer war als im Vorjahr. Auch in Südtirol lag die Produktion mit ca. 1,13 Millionen Tonnen um sechs Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Lagerbestände sind derzeit etwa gleich hoch wie vor einem Jahr, die Verkaufspreise im Großhandel lagen aber im ersten Quartal 2016 um etwa fünf Prozent über jenen von 2015. Für 2016 erhoffen sich drei Viertel der Bauern zufriedenstellende Auszahlungspreise.

Lage am Milchmarkt eingetrübt
Das vergangene Jahr war für die Milchwirtschaft positiv. Die Anlieferung 2015 war mit 378,5 Mio. Kilogramm in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Mit den Auszahlungspreisen der Milchhöfe und Sennereien waren 95 Prozent der Bauern zufrieden. Im laufenden Jahr hat sich die Marktlage aber deutlich eingetrübt: Der Preisdruck im Lebensmittelhandel, die Schwäche des internationalen Handels, das Russlandembargo und der Wegfall der Milchquoten haben europaweit zu stark sinkenden Milchpreisen geführt, auf teilweise unter 25 Eurocent pro Liter. Südtirols Milchwirtschaft wird dank des hohen Veredelungsgrades und der guten Produktqualität den Schaden in Grenzen halten, jedoch erwarten fast ein Viertel der interviewten Milchbauern, dass die Auszahlungspreise 2016 schlecht ausfallen werden. In den Wochen nach der Befragung hat sich die Marktlage weiter verschlechtert.

Optimistische Weinbauern
Am besten ist die Stimmung in der Weinwirtschaft. Das Landwirtschaftsjahr 2014/2015 verlief trotz mengenmäßig bescheidener Traubenlese von 41.405 Tonnen positiv. Die Bauern erhielten von den Kellereien zufriedenstellende bis gute Auszahlungspreise. Auch für das laufende Jahr sind die Weinbauern sehr zuversichtlich, da die Lese 2015 mit 46.181 Tonnen deutlich ertragreicher und qualitativ ausgezeichnet war. Alle Weinbauern gehen zumindest von zufriedenstellenden Auszahlungen aus, die meisten erwarten sogar „gute“ Preise. Bei selbstvermarktetem Wein erhoffen sich fast zwei Drittel der Bauern „gute“ Verkaufspreise. Die Traubenernte 2016 könnte aber aufgrund der eingetretenen Frostschäden teilweise beeinträchtigt werden.
Die landwirtschaftlichen Betriebe, die Urlaub auf dem Bauernhof anbieten, konnten 2015 von einer sehr günstigen Entwicklung des Tourismus in Südtirol profitieren. Die Nächtigungen wuchsen um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und betrugen 2,39 Millionen. Der Anteil an den gesamten Nächtigungen in Südtirol lag bei 8,1 Prozent. Für 2016 wird von den meisten Betreibern ein stabiler Geschäftsverlauf erwartet.