Produktion | 26.05.2016

Gülle trennen beim Maschinenring

Seit Kurzem ist die Trennung der Gülle in Dünngülle und Feststoff auch in Südtirol ein Thema. Der Maschinenring Südtirol hat sich damit näher befasst und bietet demnächst den Dienst selbst an – dank eines neuen mobilen Gülleseparators. von Christian Hofer, Maschinenring-Service

Gülle in Festmist und Dünngülle trennen am eigenen Hof – der Maschinenring macht’s möglich.

Gülle in Festmist und Dünngülle trennen am eigenen Hof – der Maschinenring macht’s möglich.

Das Prinzip der Gülleseparierung ist in Südtirol noch nicht weitverbreitet, in Deutschland und Österreich jedoch stehen Gülleseparatoren bereits seit einigen Jahren im Einsatz und haben sich bestens bewährt. Diese Erfolgsgeschichte hat nun auch den Maschinenring Südtirol dazu bewogen, sich näher mit diesem Thema auseinander zu setzen und sich einen Gülleseparator anzuschaffen.

Einfaches Prinzip
Das der Gülleseparierung zugrunde liegende Prinzip ist relativ einfach. Die so genannte Rohgülle wird mittels mechanischer Einwirkung in zwei Teile getrennt: in die flüssige Phase, die so genannte Dünngülle und in die feste Phase, auch Feststoff genannt.
In der Praxis werden für diesen Arbeitsschritt meist Pressschnecken-Separatoren eingesetzt. Dabei presst eine Schnecke, die sich in einem zylindrischen Sieb befindet, die flüssigen Anteile der Rohgülle aus und verdichtet die Feststoffe so weit, dass sie nachher über einen Trockensubstanzgehalt von 27 Prozent verfügen.
Damit erhält man nach der Trennung einen stapelfähigen Feststoff. Das zylindrische Sieb filtert je nach Porengröße (meist zwischen 0,25 und 0,75 Millimeter breite Schlitze) die entstehende Dünngülle – auch Fugat genannt – so weit, dass sie nachher kaum mehr grobe Teile aufweist. Durch diese Entwässerung kann das Gesamtvolumen der Rohgülle um zehn bis 30 Prozent reduziert werden, je nach deren Beschaffenheit und Einstellung des Separators.

Die Nährstoffe
Die Rohgülle wird also bei der Separierung in zwei Teile getrennt. Die Feststoffe verfügen als stapelfähiges Material nach der Separierung wie bereits erwähnt über einen Trockensubstanzgehalt von rund 27 Prozent.
Durch diesen Vorgang wird auch der Nährstoffgehalt des Feststoffs leicht verschoben: Phosphor- und organische Stickstoff-Verbindungen sind im Vergleich mit der Rohgülle etwas öfter zu finden.
Hingegen weist die Dünngülle nach der Separierung meist einen leicht höheren Gehalt an Ammonium-Stickstoff und Kalium als die ursprüngliche Rohgülle auf. Der Trockensubstanzgehalt der Dünngülle liegt bei etwa vier Prozent.

Mehrere Vorteile, wenige Nachteile
Das Ausbringen von Dünngülle hat gleich mehrere Vorteile gegenüber der Rohgülle: Zum einen bleiben beim Ausbringen der Dünngülle zwischen den Schnitten keine Feststoffrückstände am Gras kleben, sodass die Futterverunreinigung stark zurückgeht. Weiters weist die Dünngülle eine geringere Ausgasung von Ammoniak auf, sodass auch die Geruchsbelästigung weit unter jene von normaler Gülle sinkt.
Außerdem lässt sich die Düngewirkung der Dünngülle viel besser kalkulieren als bei Rohgülle, da der NH4-Anteil steigt und jener der organischen Substanz sinkt. Dadurch steigen auch die Wirkungsgrade der Düngung beachtlich. Nicht zuletzt trägt das Ausbringen von Dünngülle dazu bei, dass das Mineralisationspotential und die Restnitratgehalte gegen Vegetationsende merklich sinken. Die stapelfähigen Feststoffe können problemlos gelagert werden und verrotten innerhalb von etwa drei Wochen zu Kompost, der vielfältig eingesetzt werden kann – zum Beispiel als Einstreumaterial für die Liegeboxen, als organischer Dünger für Äcker, Obstwiesen und Rebflächen oder für Gartenbaubetriebe bis hin zum Hausgarten.
Von besonderer Bedeutung ist in Südtirol jedoch die Tatsache, dass zum einen das Gesamtvolumen reduziert werden kann – und zwar um bis zu 30 Prozent, besonders wenn die Feststoffe an Dritte abgegeben werden. Dazu kommt der Umstand, dass die Feststoffe auch in Gebieten ausgebracht werden können, in denen normalerweise keine Gülle verwendet werden darf – z.B. Natura-2000-Gebiete.
Aber die Separierung hat nicht nur Vorteile. Neben den Kosten für die landwirtschaftlichen Betriebe ist beim Ausbringen von Dünngülle nicht genau ersichtlich, wo bereits gedüngt wurde, weil sie beinahe farblos ist. Beim Feststoff handelt es sich einen langsam wirkenden Dünger, der eher phosphorhaltig ist und weniger Stickstoff aufweist.

Trennung der Gülle direkt am Hof
Im Laufe des Sommers wird der Maschinenring über einen eigenen mobilen Gülleseparator verfügen, der zu den Höfen gebracht werden kann und vor Ort die Separierung vornimmt. Dies war bisher in dieser Form nur bedingt möglich. Da jetzt ein eigener Separator verfügbar ist, können die Einsätze auch relativ kurzfristig erfolgen. Der Separator des Maschinenrings wird mit einem LKW mit Kran zum Einsatzort gebracht und dort betriebsbereit eingerichtet.
Der Rest erfolgt dann vollautomatisch und erfordert kein Bedienpersonal mehr. Der Landwirt muss während des Trennungsvorganges nur dafür Sorge tragen, dass die anfallenden Feststoffe, welche über ein vier Meter langes Förderband austreten, abtransportiert werden. Der Separator verfügt über eine maximale Separierleistung von ca. 20 Kubikmeter Rohgülle pro Betriebsstunde, sodass pro Stunde etwa fünf Kubikmeter Feststoff anfallen. Für den Separator ist ein 10-kW-Stromanschluss am Hof notwendig, um den Separator, die Pumpen und das Förderband zu betreiben. Das gesamte Schlauchmaterial – sowohl Ansaugschläuche als auch Abflussschläuche – befördert der Maschinenring-Mitarbeiter mit auf den Hof.

Reinigung übernimmt der Bauer
Die Abrechnung der erbrachten Dienstleistung setzt sich aus einem Stundensatz je Betriebsstunde sowie einer Anfahrtspauschale zusammen, welche auch sämtliche Kosten für den Auf- und Abbau des Separators sowie dessen Inbetriebnahme beinhaltet. Maschinenring-Mitglieder dürfen sich über einen Preisnachlass von 22 Prozent freuen. Die Reinigung des Separators übernimmt in der Regel der Landwirt selbst, gegen einen Aufpreis kann dies aber auch der Maschinenring erledigen.