Südtiroler Landwirt, Marketing | 12.05.2016

Förderung für UaB neu geregelt

Die Landesregierung hat vor Kurzem die neuen Förderrichtlinien für Urlaub auf dem Bauernhof (UaB) genehmigt. Darin enthalten sind starke Impulse für die Sanierung und Qualitätsverbesserung bestehender Strukturen. von Walter Rier, Abteilung Marketing

Mit der neuen Förderung für Urlaub auf dem Bauernhof soll besonders die Qualität des Angebots gesteigert werden.

Mit der neuen Förderung für Urlaub auf dem Bauernhof soll besonders die Qualität des Angebots gesteigert werden.

Hauptziel der neuen Kriterien für die Förderung von Urlaub auf dem Bauernhof ist es, die Qualität des Angebots zu verbessern. Landesrat Arnold Schuler erklärt: „Mehr als 50 Prozent der bestehenden UaB-Betriebe haben ein oder zwei Blumen. Besonders für diese Betriebe soll ein Anreiz geschaffen werden, sich qualitativ zu verbessern.“ Neben dem Kapitalbeitrag „geschenktes Geld“ gibt es dafür künftig auch die Fördermöglichkeit über den Rotationsfonds. Dasselbe gilt für Einrichtungen, die Produktverarbeitung und -vermarktung am UaB-Betrieb ermöglichen.
Um in den Genuss einer Förderung zu kommen, muss man aber auch gewisse Voraussetzungen mitbringen: „Für alle Neueinsteiger und bestehende Ein- oder Zwei-Blumen-Betriebe ist der UaB-Kurs oder der Abschluss einer land- oder hauswirtschaftlichen Fachschule Förderungsvoraussetzung“, unterstreicht Landesrat Schuler.

Zugelassene Vorhaben
Gefördert werden der Bau, die Modernisierung und Erweiterung von Zimmern, Ferienwohnungen, von Buschen-, Hof- und Almschänken sowie Aufenthalts-, Verarbeitungs- und Lager­räume für Produkte, die an die Gäste verabreicht bzw. verkauft werden. Neu ist, dass auch die Einrichtung der Wohnungen, Zimmer und Gemeinschaftsräume sowie von Verarbeitungsräumen gefördert wird, allerdings nur über den Rotationsfonds. Letzterer wurde für UaB zusätzlich eingeführt und sieht zinsbegünstigte Darlehen für Investitionen vor.

Zugangskriterien
Für die Förderung können Betriebe ansuchen, die mindestens zwei Hektar Wiese oder Ackerfutterbau bewirtschaften und zwei Großvieheinheiten (GVE) am Hof halten oder einen Hektar Obst- oder Weinbau oder zwei Hektar Sonderkulturen (z.B. Erdbeeren) bewirtschaften. Dabei gelten jene Flächen, die im LAFIS-Bogen eingetragen sind. Viehwirtschaftsbetriebe müssen außerdem einen Mindest- und Höchstviehbesatz einhalten.
Nach Abschluss der Arbeiten muss eine Einstufung von mindestens drei Blumen erreicht werden. Falls ein Betrieb bei Gesuchsabgabe noch nicht (z.B. ein neuer Betrieb) oder mit ein oder zwei Blumen eingestuft ist, muss der Bauer/die Bäuerin einen Grundkurs für UaB oder einen gleichwertigen Kurs besuchen oder eine mindestens dreijährige Fachschule für Landwirtschaft oder Hauswirtschaft und Ernährung erfolgreich abgeschlossen haben. Beiträge werden außerdem nur mehr für den Neubau der ersten zwei Ferienwohnungen oder der ersten vier Zimmer eines Betriebes gewährt.

Neuigkeit EEVE
Neu ist, dass bei der UaB-Förderung auch die EEVE eine Rolle spielt: Der Faktor der wirtschaftlichen Lage (FWL) der Kernfamilie darf den Wert von 4,55 (Stufe 3) nicht übersteigen. Die Kernfamilie darf keine andere touristische und keine andere nicht landwirtschaftliche Tätigkeit mit mehr als einem Vollzeitangestellten ausüben. Zur Kernfamilie werden der Gesuchsteller, sein Ehe- oder Lebenspartner und die minderjährigen bzw. zu Lasten lebenden Kinder gezählt. Junglandwirte, die in den ersten fünf Jahren nach der Betriebsübernahme in UaB investieren, dürfen den Wert 5,37 (Stufe 4) beim FWL nicht überschreiten.

Neuigkeit Rotationsfonds
UaB-Betriebe, die ihre Tätigkeit seit mindestens fünf Jahren ausüben und seit mindestens fünf Jahren keine andere touristische Tätigkeit ausüben, können zusätzlich oder alternativ zur üblichen Förderung auch über den Rotationsfonds ansuchen: Der Betrieb erhält ein zinsbegünstigtes Darlehen, das in zehn Jahren – oder in sechs Jahren bei beweglichen Gütern – zurückbezahlt werden muss. Das wurde eingeführt, um besonders Sanierungen und Qualitätsverbesserungen zu fördern. Voraussetzung ist, dass der Betrieb mit ein bis drei Blumen eingestuft ist und durch die Investitionen eine Qualitätsverbesserung erreicht. So müssen Betriebe, die mit ein oder zwei Blumen eingestuft sind, mindestens drei Blumen erreichen, jene, die mit drei eingestuft sind, mindestens vier. Die Summe aus Kapitalbeitrag und Darlehen über den Rotationsfonds darf die zur Finanzierung zugelassenen Kosten nicht übersteigen.

Mindestinvestition und anerkannte Kosten
Die Mindestinvestition für den Kapitalbeitrag muss 10.000 Euro betragen. Für den Rotationsfonds müssen mindestens 100.000 Euro investiert werden.
Für den Kapitalbeitrag können folgende Kosten anerkannt werden:
- 80.000 Euro im Zehnjahreszeitraum,
- der Betrag kann um maximal 10.000 Euro erhöht werden, wenn eine Erhöhung der Einstufung (Blumen) erfolgt,
- ein weiterer Zuschlag von 5000 Euro kann erreicht werden, wenn der Betrieb an einem durch die Landesverwaltung unterstützten Markenprogramm („Roter Hahn“) teilnimmt.
Insgesamt können somit für den Kapitalbeitrag maximal 95.000 Euro als Kosten anerkannt werden. Für den Rotationsfonds kann ein Darlehen von bis zu 400.000 Euro der zur Finanzierung zugelassenen Kosten im Zehnjahreszeitraum gewährt werden.
Die Kosten werden wie bisher aufgrund detaillierter Kostenvoranschläge laut den Landespreislisten durch einen befähigten Techniker ermittelt.

Fördersätze
Die Fördersätze für Kapitalbeiträge betragen:
- 50 Prozent der anerkannten Kosten für Betriebe mit 40 und mehr Erschwernispunkten.
- 40 Prozent der anerkannten Kosten für Betriebe mit weniger als 40 Erschwernispunkten.
- Die 40 oder 50 Prozent können um weitere zehn Prozent erhöht werden, wenn der Betrieb mehr als 75 Erschwernispunkte hat, oder in einem touristisch strukturschwachen Gebiet liegt.
- 30 Prozent der anerkannten Kosten für Betriebe mit Obst-, Weinbau oder Sonderkulturen bzw. Mischbetriebe.

Verlängerung der Zweckbindung
Die Zweckbindung der geförderten Räume beträgt nun zehn Jahre, für bewegliche Güter fünf Jahre.
Die Entscheidung, Sanierungen und Qualitätsverbesserungen besonders zu fördern, ist wichtig: Nur eine entsprechende Qualität wird in Zukunft für eine angemessene Auslastung, einen angemessenen Preis und somit für ein zufriedenstellendes Einkommen ausschlaggebend sein.


Urlaub auf dem Bauernhof

Mehr Qualität, mehr Förderung
Unsere Landwirtschaft ist mit ihren Produkten abhängig von Konkurrenz, Preisschwankungen und vom Konsumverhalten. Gleichzeitig steigen die Produktionskosten mehr als die Erlöse. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer verstärkten Diversifizierung und eines Strukturwandels in Richtung Multifunktionalität, auch im Zuge der Hofübergabe. Eine Landwirtschaft, die über die Produktion hinaus weitere Aufgabenfelder ausübt, ist anpassungsfähiger und stabiler. Sie wird die Auswirkungen des Strukturwandels besser verkraften. Nur so werden wir unsere Bauernhöfe und die damit verbundenen Arbeitsplätze langfristig halten können. Die Marktchancen sind nach wie vor gut. Aber Investitionen in Urlaub auf dem Bauernhof wollen wohlüberlegt sein und haben nur bei umfassender Planung Erfolgsaussichten. Denn es reicht heute nicht mehr aus, schöne Zimmer anzubieten.
Durch die neuen Förderkriterien soll vor allem eine Qualitätssteigerung erreicht werden: Mehr als die Hälfte der UaB-Betriebe haben heute eine bis zwei Blumen. Dieser Bereich stellt einen Wachstumszweig dar, da 60 Prozent der Bauern Zu- und Nebenerwerbsbauern sind und davon rund ein Viertel – also 3000 – UaB anbieten.
Zudem ist dies eine Markenoffensive, da eine zusätzliche Förderung erhält, wer zusätzliche Auflagen einhält. Eine wesentliche Neuerung ist, dass auch Darlehen über den Rotationsfonds möglich sind, allein oder in Kombination mit dem Kapitalbeitrag. Dies ist eine Erleichterung für die Förderung auch größerer Investitionen.

Arnold Schuler, Landesrat für Landwirtschaft