Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 12.05.2016

„Den Konsumenten unsere Leistungen zeigen“

Zum dritten Mal findet heuer der Bauernhof-Sonntag des Südtiroler Bauernbundes statt: Am 22. Mai öffnen die Höfe ihre Tore. Es ist eine gute Gelegenheit, den Menschen die Leistungen und die Bedeutung der Landwirtschaft näherzubringen. Denn das ist eine der größten Herausforderungen der Zukunft. von Michael Deltedesco

Auftakt mit Gottesdienst: So sah der Bauernhof-Sonntag vor zwei Jahren am Dosserhof in Schenna aus.

Auftakt mit Gottesdienst: So sah der Bauernhof-Sonntag vor zwei Jahren am Dosserhof in Schenna aus.

Mit den Konsumenten in Dialog treten und einen Einblick in das Leben und Arbeiten auf einem Obst-, Wein- oder Milch- bzw. Viehbetrieb geben: Das war von Anfang an die Idee für den Bauernhof-Sonntag. Warum das so wichtig ist, erklärt Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler: „Die Gesellschaft entfernt sich zunehmend von der Landwirtschaft und ­besonders von der landwirtschaftlichen Produktion. Damit geht das Wissen über die bäuerliche Arbeit verloren. Mit dem Bauernhof-­Sonntag wollen wir die Menschen wieder näher an den Bauernhof heranführen.“ Viele Konsumenten seien sich der Leistungen der Landwirtschaft nicht mehr bewusst oder nehmen sie als selbstverständlich wahr. Dass dieser Kontakt unbedingt nötig sei, bestätigen laut Tiefenthaler die vielen Diskussionen der vergangenen Monate: „Hier gibt es noch viel Informationsbedarf.“

Sieben Höfe öffnen ihre Tore
Wer möchte, kann sich am Sonntag, 22. Mai also ausgiebig über die Bedeutung der Landwirtschaft und die tagtägliche Arbeit auf den Höfen informieren – und zwar direkt vor Ort, betont Tiefenthaler: „Wir wollten bewusst nicht mit der Landwirtschaft in die Stadt kommen. Das machen wir schon beim Erntedankfest im Oktober auf dem Waltherplatz in Bozen.“ Diesmal sind die Bürgerinnen und Bürger auf die Höfe eingeladen. „Wo besser können Bäuerinnen und Bauern die Landwirtschaft zeigen, als direkt vor Ort, wo Lebensmittel produziert werden?“, sagt Tiefenthaler.
Sieben bäuerliche Familien öffnen am Sonntag die Tore zu ihren Höfen. Sie zeigen die Landwirtschaft in ihrer ganzen Vielfalt – und zwar in jedem Bezirk. Gleich zwei Höfe gibt es im Vinschgau: Der Sonnenheimhof der Familie Thanei in Tartsch/Mals ist ein Obstbaubetrieb mit Direktvermarktung und Urlaub auf dem Bauernhof. Und Artur Bertagnolli bewirtschaftet den biologischen Milchwirtschaftsbetrieb Schletzashof. Der Popphof von Familie Menz in Marling ist ein Wein- und Obstbaubetrieb mit eigenem Weinkeller. Am Gschnoferhof in Terlan baut Familie Bauer Äpfel und Trauben an. Familie Lantschner vom Eggerhof in Aldein ist für ihre Freiland-Hühnerhaltung bekannt, daneben werden Rinder gehalten. Ein Milchwirtschaftsbetrieb in historischen Gemäuern ist der Gschlosserhof der Familie Pupp in Villanders. Zudem wird Urlaub auf dem Bauernhof angeboten. Und nicht zuletzt öffnet auch Familie Valentin ihre Tore zum Lüch da Fussè in Abtei, einem Milch liefernden Betrieb samt Urlaub auf dem Bauernhof.

Informationen und ein tolles Rahmenprogramm
Auf allen sieben Höfen können sich die Besucher über die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern informieren: Neben Informationsmaterial gibt es Führungen durch die Ställe, in die Obstwiesen und Weinberge. Auf dem Sonnenheimhof in Tartsch und dem Gschnoferhof in Terlan wird ein Apfel-parcours angeboten, in Terlan gibt es zusätzlich auch eine Margarete-Spargelführung. Zudem können auf allen Höfen bäuerliche Produkte verkostet und auf den Bauernmärkt-Ständen gekauft werden.
Da nicht nur die Information im Mittelpunkt stehen soll, sondern der Bauernhof-Sonntag ein Fest für die ganze Familie ist, wird ein attraktives Rahmenprogramm angeboten. Vor allem die Kinder kommen dank des Kinderprogramms der Tagesmütter der Sozialgenossenschaft „Mit Bäuerinnen lernen – wachsen – leben“ auf ihre Kosten. Auf allen Höfen beginnt der Sonntag mit einem Gottesdienst.

Bäuerliche Küche vom Feinsten
Natürlich darf beim 3. Bauernhof-Sonntag auch die bäuerliche Küche nicht fehlen. Auf allen Höfen bieten die bäuerlichen Organisationen regionale Gerichte an. Eine Besonderheit ist der Südtirol-Burger, den es erstmals gibt, und zwar auf allen Höfen: Er besteht zu 100 Prozent aus Rohprodukten aus Südtirol. Wie schon 2014 steht auf allen Höfen der Südtiroler Käseteller mit feinen Käsevariationen verschiedener Südtiroler Sennereien zur Auswahl.

Alle sind eingeladen
Der Bauernhof-Sonntag richtet sich an die bäuerliche wie an die nichtbäuerliche Bevölkerung. Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler sagt: „Vor allem wollen wir natürlich den Konsumenten einen Blick hinter die Kulissen eines Hofes ermöglichen.“ Daher ruft er auch die bäuerliche Bevölkerung auf, noch kräftig die Werbetrommel zu rühren und die Südtirolerinnen und Südtiroler, aber auch die Feriengäste auf diese einmalige Gelegenheit aufmerksam zu machen und sie anzuregen, einen Blick in die Welt der Landwirtschaft zu werfen.
Selbstverständlich ist es aber auch für die Bäuerinnen und Bauern die Möglichkeit, eine andere bäuerliche Realität kennenzulernen. „Wir hoffen, dass der 3. Bauernhof-Sonntag ein ähnlicher Erfolg wird wie die letzten zwei Ausgaben“, fasst Tiefenthaler zusammen. 2012 und 2014 waren jeweils über 8000 Besucher auf die Höfe gekommen.


www.bauernhofsonntag.it


Rege Mithilfe

Dank an alle
Eine Veranstaltung wie den Bauernhof-Sonntag zu veranstalten, wäre ohne die Mithilfe der sieben Familien und der bäuerlichen Organisationen nicht möglich. Darauf weist Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler hin: „Ein besonderer Dank gilt natürlich den Bäuerinnen und Bauern, die ihre Höfe zur Verfügung stellen, aber auch den bäuerlichen Organisationen vor Ort. Bäuerinnen, Bauernjugend und Senioren helfen tatkräftig mit, um ein gelungenes Fest zu organisieren.“ Ein Dank geht auch an die Raiffeisenkassen Südtirols und die Südtiroler Qualitätsprodukte, die den 3. Bauernhof-Sonntag unterstützen.