Südtiroler Landwirt, Produktion | 12.05.2016

Auf Zeitpunkt und Höhe achten

Optimale Grundfutterqualitäten sind Grundvoraussetzung für gesunde und leistungsfähige Tiere. Besonders beim ersten Aufwuchs ist der richtige Schnittzeitpunkt von hoher Wichtigkeit. Zu langes Warten kann bereits zu hohen Qualitätseinbußen führen. von Hannes Klocker, BRING

Der optimale Schnittzeitpunkt ist als Kompromiss zwischen Qualität und Menge zu sehen. Dieser Zeitpunkt wird als Ähren-Rispenschieben der Leitgräser bezeichnet. Meist orientiert man sich dabei am Knaulgras. Stellen andere Gräser, wie zum Beispiel Fuchsschwanz die Hauptbestandsbildner dar, so sollte man sich nach diesen richten. Meist fällt der Zeitpunkt des Ähren-Rispenschiebens mit dem Abblühen des Löwenzahns zusammen.
Erfolgt die Ernte zeitgerecht, so kann mit Futterqualitäten von bis zu sechs MJ NEL und 14 Prozent Rohprotein gerechnet werden. Typische Rohfasergehalte liegen bei etwa 25 Prozent. Wird der Mähzeitpunkt in Richtung Mitte der Blüte verschoben, so ergeben sich Verluste im Milchbildungspotenzial des Futters von 1200 Kilogramm je Hektar.

Einfluss der Trocknungstechnik

Bei Betrieben mit reiner Heubereitung hängt die Wahl des Schnittzeitpunktes auch von der am Betrieb zur Verfügung stehenden Trocknungstechnik ab. Die Bodentrocknung ist bei frühen Mähterminen meist nicht möglich. Es sollte hier zumindest eine Heubelüftung mit Dachabsaugung vorhanden sein.
Natürlich können im Berggebiet kaum alle Flächen eines Betriebes zum selben Zeitpunkt gemäht werden. Stehen aber Lagermöglichkeiten für verschiedene Grundfutterqualitäten zur Verfügung, so können später geerntete Futterchargen an Tiere mit niedrigeren Leistungen (Trockensteher, Kalbinnen) verfüttert werden.

Verschmutzungen vermeiden

Spielt dann auch noch die Witterung bei der Wahl des optimalen Schnittzeitpunktes mit, gilt es darauf zu achten, die Qualität nicht unnötig durch Verschmutzungen zu verschlechtern.
Dabei ist auf eine Schnitthöhe von sieben Zentimetern zu achten. Dadurch können auch Kreisler, Schwader und schließlich der Pick-Up höher eingestellt werden und kratzen nicht am Boden.
Zusätzlich zur geringeren Verschmutzung lassen sich somit Narbenschäden verhindern. Hinzu kommt, dass die Gräser schneller wieder austreiben können, da sie ihre Reserven aus der Halmbasis mobilisieren können. Der Austrieb aus der Wurzel würde sich wesentlich langsamer gestalten. Folglich weisen die Gräser einen Wachstumsvorsprung gegenüber den Kräutern auf, welche unabhängig von der Schnitthöhe immer aus den Wurzeln austreiben.
Ein weiterer positiver Nebeneffekt liegt darin, dass das Futter auf den Stoppeln liegt und sich somit das Anwelken bzw. Abtrocknen beschleunigt.

Wenige Tage entscheiden über Qualität
Der erste Schnitt weist meist den höchsten Mengenanteil über alle Schnitte auf. Deshalb wird im Frühjahr mit der Wahl des Schnittzeitpunktes innerhalb weniger Tage der Grundstein für die Fütterung über ein ganzes Jahr gelegt. Um hier kein Potenzial auf dem Feld liegen zu lassen, ist es besonders wichtig den Wachstumsfortschritt auf den Wiesen im Frühjahr öfters zu beobachten. Die vom Versuchszentrum Laimburg entwickelte Internet-Applikation WebGRAS (webgras.laimburg.it) kann ab diesem Jahr bei der Einschätzung des richtigen Schnittzeitpunktes helfen. Nachdem das Futter geerntet wurde, kann unter Einbeziehung lokaler Wetterdaten sowie Informationen über die Düngung und den Pflanzenbestand die potenzielle Qualität des Grünfutters geschätzt werden.
Dabei können jeweils Schnitttermine vor und nach dem tatsächlichen Erntedatum und deren Auswirkung auf die Futterqualität simuliert werden.
Voraussetzung für die Anwendung des Programms ist die Kenntnis über den Termin, wenn die durchschnittliche Aufwuchshöhe 15 Zentimeter erreicht hat.


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