Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 28.04.2016

Spitzenjahr für Viehvermarktung

Knapp 44.000 Tiere – und damit so viele wie noch nie zuvor – wurden im vergangenen Jahr bei den Versteigerungen des Viehvermarktungskonsortiums Kovieh verkauft. Grund genug für zufriedene Gesichter beim Kovieh. von Bernhard Christanell

Blickten bei der Versammlung im Haus der Tierzucht auf ein Rekordjahr zurück: (v.l.) Kovieh-Obmannstellvertreter Michael Treyer, Lorenz Gasser, Martin Tröger und Daniel Prossliner.

Blickten bei der Versammlung im Haus der Tierzucht auf ein Rekordjahr zurück: (v.l.) Kovieh-Obmannstellvertreter Michael Treyer, Lorenz Gasser, Martin Tröger und Daniel Prossliner.

Beeindruckende Zahlen legten Obmann Lorenz Gasser und Geschäftsführer Martin Tröger vergangene Woche bei der Jahreshauptversammlung des Kovieh vor: Genau 43.983 Tiere wurden bei insgesamt 94 Versteigerungen verkauft. Davon waren 24.168 – also etwas mehr als die Hälfte – Kälber, die bei den wöchentlichen Versteigerungen in Bozen den Besitzer wechselten.
Bei den 24 Schlacht- und Mastviehversteigerungen in Bozen wurden 15.854 Tiere verkauft, in St. Lorenzen waren es 3586 Tiere bei 23 Versteigerungen. Dazu kommen 375 Tiere, die im Jahr 2015 über das Südtiroler Qualitätsfleischprogramm vermarktet wurden.

Tiere kommen schon ausgemästet zur Versteigerung
Gasser blickte bei der Versammlung auf den Verlauf des Versteigerungsjahres 2015 zurück: „Wir hatten einen guten Start und konnten das erfreulicherweise das ganze Jahr über durchhalten. Durch die schlechte Heuernte im Jahr 2014 wurde vermehrt Kraftfutter beigefüttert, und somit kamen viele Tiere bereits ausgemästet zur Versteigerung.“ Besonders deutlich angestiegen ist die Zahl der versteigerten Kleintiere – von 5798 im Jahr 2014 auf 7436 im Jahr 2015.
Tröger erinnerte an die Schlacht- und Mastviehversteigerung vom 15. September, bei der insgesamt 1618 Tiere – davon 1251 Kleintiere – den Besitzer wechselten: „Die Versteigerung dauerte an diesem Tag von halb elf vormittags bis halb zwei Uhr nachts – eine sehr große Herausforderung für alle Beteiligten!“ Diese Versteigerung war zugleich auch die Bewährungsprobe für die neue Kälberwaage, die seit dem Sommer im Einsatz ist und auch für das Wiegen der Kleintiere verwendet werden kann. „Der Ablauf der Versteigerung ist dank dieser Waage nun viel flüssiger und rascher“, freute sich Tröger.

Auch Preise lagen durchwegs über dem Vorjahresniveau
Nicht nur die Zahl der Tiere, auch die erzielten Preise waren 2015 höher als im Jahr zuvor: bei den Rindern mit 0,98 Prozent nur knapp, bei den Kälbern (7,73 Prozent), Pferden und Fohlen (6,45 Prozent) und vor allem bei den Kleintieren (10,67 Prozent) wesentlich deutlicher.
Besonders bezahlt macht sich mittlerweile die Versteigerung von Qualitätstieren bei den Schlachtviehversteigerungen: „Es kommen immer mehr Metzger und Händler, aber auch Bauern und Mäster zu den Versteigerungen, welche die Tiere einkaufen, um sie zu schlachten, aber auch um sie weiterhin zu mästen. Das bedeutet für unsere Versteigerungen einen deutlichen Qualitätsschub“, freut sich Obmann  Gasser.
Auch Viktor Peintner, Obmann-Stellvertreter des Südtiroler Bauernbundes unterstrich, wie wichtig die gute Qualität der angelieferten Tiere ist: „Gut gemästete Tiere erzielen einfach bessere Preise, und wenn die Händler wissen, dass es bei den Kovieh-Versteigerungen gute Tiere gibt, dann profitieren alle Lieferanten davon.“
Immer mehr Lieferanten nutzen auch die Möglichkeit, sich online auf www.kovieh.com über die aktuellen Preise bei den Versteigerungen zu informieren.

Qualitätsfleischprogramm: Zahl vermarkteter Tiere steigt weiter
Einen weiteren Schub gab es im vergangenen Jahr für das Qualitätsfleischprogramm des Kovieh: die Zahl der vermarkteten Tiere stieg von 304 auf 375. Im Rahmen des Programms werden in Südtirol geborene und gemästete Ochsen, Kalbinnen, Stiere und Milchkälber vermarktet. Derzeit beteiligen sich rund 200 Produzenten, sechs Metzgereien, ein Großverteiler und drei Schlachthöfe am Programm. Seit 2011 trägt das Südtiroler Qualitätsfleisch die Marke „Qualität Südtirol“.  
Beim Kovieh ist Daniel Prossliner für die Abwicklung des Qualitätsfleisches verantwortlich, er ist mit der Entwicklung im vergangenen Jahr zufrieden: „Wir brauchen uns in puncto Qualität vor keinem vergleichbaren Programm zu verstecken. Das zeigt sich auch immer wieder bei Anlässen wie dem Erntedankfest des Bauernbundes oder der Lorenzinacht in Bozen, bei denen Südtiroler Qua­litätsfleisch serviert wird“, betonte Prossliner.
Die erzielten Preise für die Tiere aus dem Qualitätsfleischprogramm konnten 2015 weitgehend gehalten werden und lagen im Schnitt zwischen 925 Euro für Milchkälber und knapp über 1700 Euro für Stiere.
Seit dem vergangenen Jahr vertreibt auch die Gastrofresh Südtiroler Qualitätsfleisch an die Südtiroler Gastronomie und Hotelbetriebe. „Hier gibt es sicherlich noch sehr viel Potential und Aufholbedarf“, ist Prossliner überzeugt.
Auch Ferdinand Strauß, der ehemalige Geschäftsführer des Kovieh, meldete sich zu Wort und freute sich über die gute Entwicklung des Qualitätsfleisch-Programmes: „Es war die richtige Entscheidung, vor mittlerweile fast zehn Jahren auf diese Schiene zu setzen. Das Kovieh profitiert als Ganzes vom Südtiroler Qualitätsfleischprogramm.“

Entscheidung beim Schlachthof Bozen steht kurz bevor
Lorenz Gasser brach bei der Versammlung schließlich auch eine Lanze für den Bozner Schlachthof: „Er ist und bleibt für das Kovieh – aber auch für die gesamte Südtiroler Berglandwirtschaft – eine sehr wichtige Einrichtung und es ist zu hoffen, dass es für ihn endlich bald eine gesicherte Zukunft gibt.“ Der Obmann des Kleintierzuchtverbandes, Lorenz Müller, berichtete über die laufende Ausschreibung zur Führung des Schlachthofes. Ab Mitte Mai sollte es in dieser Frage Klarheit geben, der Kleintierzuchtverband habe sich darum beworben, den Schlachthof auch in Zukunft zu führen.

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Kovieh-Preise auch im Internet
Über die aktuellen Preise bei den Kovieh-Versteigerungen kann man sich nicht nur im „Südtiroler Landwirt“, sondern auch online unter www.kovieh.com informieren.