Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 28.04.2016

„Leistungen der Bauern sichtbarer machen“

Blaue Farbtupfer sorgten in den vergangenen Tagen für Rätselraten. Nun wird das Geheimnis um ihre Botschaft gelüftet: Es ist der Auftakt für die neue Basiskommunikation. von Tobias Egger

Mit dieser Aktion sollen Herr und Frau Südtiroler die Leistungen der Südtiroler Landwirtschaft wieder besser erkennen.

Mit dieser Aktion sollen Herr und Frau Südtiroler die Leistungen der Südtiroler Landwirtschaft wieder besser erkennen.

Hand aufs Herz: Wer hat sich vor zwei Wochen nicht gefragt, was es mit dem blauen Umschlag des „Südtiroler Landwirt“ auf sich hat? Begriffe wie „Deine Landschaft“ oder „Deine Ernährung“ standen da. Einen Tag später sah man landauf, landab blaue Tücher mit demselben Aufdruck mitten in der Landschaft: vom Vinschgau über Kaltern und das Eisacktal bis ins Pustertal. Wieder einen Tag später kamen Plakate an den Bushaltestellen dazu. Die blauen Farbtupfer mit ihren knappen Botschaften sorgten für reichlich Neugierde und Diskussion in der Bevölkerung. Viele fragten sich, wer oder was dahintersteckt.
Nun – zwei Wochen später – hat der Südtiroler Bauernbund das Geheimnis gelüftet. Landesobmann Leo Tiefenthaler erklärt: „Es geht darum, auf die vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft für die Bevölkerung hinzuweisen.“ Die Aktion mit den blauen Flächen bildete den Auftakt zur Basiskommunikation.

Dialog mit der Bevölkerung
Die neue Initiative des Südtiroler Bauernbundes will die Bedeutung der Landwirtschaft besser vermitteln. Denn ob bewusst oder unbewusst: In vielen Bereichen ihres täglichen Lebens kommen die Südtirolerinnen und Südtiroler mit den Leistungen der Bauern in Berührung und haben einen Nutzen davon, z. B. bei der Ernährung, der Landschaftspflege oder der Freizeitgestaltung. Auch die Arbeitsplätze in vielen Handwerksbetrieben, von Dienstleistern oder vieler Unternehmen stehen mit der Landwirtschaft unmittelbar in Beziehung. Vielen Menschen ist dieser Zusammenhang nicht bewusst oder nicht genug bewusst. Genau diese Kontaktpunkte zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung will der Südtiroler Bauernbund nun stärker hervorheben.
Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner unterstreicht das Ziel der Basiskommunikation: „Wir wollen die Leistungen und die wichtige Funktion der Bauern und Bäuerinnen in das Bewusstsein der Bevölkerung rücken.“

Klares Ja bei Klausurtagung
Den Entscheid zur Basiskommunikation hatte die Landesversammlung auf ihrer Klausurtagung im Februar 2015 getroffen. Ein kleiner Aufschlag zum jährlichen Mitgliedsbeitrag wird seitdem für diese Kommunikationsarbeit zweckgebunden.
Notwendig ist das nicht zuletzt deshalb, weil der direkte Kontakt mit der Landwirtschaft heute in weiten Teilen der Bevölkerung fehlt. Umso mehr ist es wichtig, dass die Bauern und Bäuerinnen vermehrt mit der Gesellschaft in Dialog treten, ist Rinner überzeugt: „Wir wollen der nichtbäuerlichen Bevölkerung gegenüber als Partner auftreten und ihr die Landwirtschaft noch besser erklären.“

Bauern als Absender
Niemand steht glaubwürdiger für die Landwirtschaft als die Bauern selbst. Darum sind es auch Bauern und Bäuerinnen, die nach dem Auftakt mit den blauen Flächen in den Mittelpunkt rücken. Als Zeugen – sogenannte Testimonials – bringen sie der Bevölkerung die bäuerlichen Leistungen näher. In einer ersten Phase stehen vorerst die Themen Ernährung, Genuss, Landschaftspflege und Wirtschaft im Vordergrund. So steht Bergbauer Matthias Ploner vom Tantscherhof in Lajen für die Landschaftspflege Pate. Den Bereich der gesunden Ernährung verkörpert die Viehbäuerin und Direktvermarkterin Manuela Wallnöfer vom Hof am Schloss in Prad: Sie erzeugt eine Vielfalt an Produkten und verkauft sie ab Hof. Der Schnalshuberhof von Biobauer Christian Pinggera in Algund ist ein traditioneller Buschenschank, und Pinggera darum Testimonial für den Genuss und die bäuerliche Kulinarik. Die Impulse der Landwirtschaft auf Wirtschaft und Arbeitsplätze in Südtirol beschreibt der Obst- und Weinbauer Florian Riegler vom Rieglerhof in Bozen.
Alle vier Testimonials sind seit kurzem landesweit auf Plakaten und Anzeigen in Tages- und Bezirkszeitungen zu sehen. Ein Faltblatt beschreibt die vier Personen und die entsprechenden bäuerlichen Leistungen.
Als Absender aller Aktivitäten treten die Südtiroler Bäuerinnen und Bauern in Erscheinung. Der Schriftzug „Dein Südtiroler Bauer“ oder „Deine Südtiroler Bäuerin“ ist in markanter blauer Farbe gehalten – angelehnt an den traditionellen blauen Schurz der Südtiroler Bauern. Dieser Schriftzug kommt fortan immer dann zum Einsatz, wenn die Landwirtschaft mit der breiten Bevölkerung in Kontakt tritt.

Video, Facebook, Instagram
„Dein Südtiroler Bauer“ ist auch der Name der neuen Webseite zur Basiskommunikation. Interessierte erfahren hier mehr über die vier Testimonials und ihre Arbeit auf dem Hof – und damit über die Leistungen der Landwirtschaft. Zu jedem Testimonial gibt es eine Reportage mit Fotos und wissenswerten Daten und Fakten.
Ein Höhepunkt ist das Video, das einen überraschenden Blickwinkel auf die bäuerlichen Leistungen bietet. Gezeigt wird darin, wie ein durchschnittlicher Südtiroler den Tag verbringt und aus seiner Perspektive mit den bäuerlichen Leistungen in Berührung kommt.

Hier ist das Video:





Die sozialen Netzwerke sind eine zentrale Plattform für die Südtiroler Bauern. Die Facebook-Seite „Dein Südtiroler Bauer“ liefert Informationen über die Arbeit der Bauern. Auf der Fotoplattform Instagram stehen aktuelle Schnappschüsse im Mittelpunkt.

Basis für weitere Initiativen
Die Basiskommunikation deckt nicht nur einen breiten Maßnahmen-Mix ab. Bauernbund-Vizedirektor Ulrich Höllrigl, Projektleiter zur Basiskommunikation, unterstreicht auch ihre Ausbaufähigkeit: „Die Basiskommunikation heißt auch deshalb so, weil sie das Fundament für eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit ist. Künftig sollen ausgewählte Initiativen der bäuerlichen Organisationen, aber auch der Partner aus der Obst-, Wein- und Milchwirtschaft auf die Kampagne aufbauen können.“ Der Bauernhof-Sonntag am 22. Mai wird die erste große Veranstaltung unter dem Dach der Basiskommunikation sein. Weitere Initiativen werden bereits in diesem Jahr folgen.
Tiefenthaler dankt den Bauern und Bäuerinnen, die sich als Testimonials an der Basiskommunikation beteiligen. Ein großer Dank geht auch an die Ortsgruppen, die an der Auftaktaktion mit den blauen Flächen mitgewirkt haben. Insgesamt 18 Ortgruppen haben in allen Landesteilen geeignete Flächen gesucht und dort die blauen Verhüllungen angebracht.

Zweiter Höhepunkt im Herbst
Im Herbst 2016 steht der zweite Höhepunkt der Basiskommunikation an. Dann kommen zusätzliche Bäuerinnen und Bauern dazu, die weitere bäuerliche Leistungen repräsentieren. Geplant sind auch ein neues Video und ein Kinospot.
Die Basiskommunikation ist langfristig angelegt. Für das nächste Jahr sind weitere Initiativen geplant, die es den Bauern ermöglichen, ihre Arbeit vorzustellen.



2 Fragen an LR Arnold Schuler

Sie rufen regelmäßig zu mehr Dialog auf. Erfreut über die Basiskommunikation?
Ja, denn die Bauern und Bäuerinnen leisten sehr vieles. Die Bevölkerung weiß das zu wenig. Zugleich hat sich die Landwirtschaft stark gewandelt, ohne dass sie die Gesellschaft dabei mitgenommen hat. Diese Kluft müssen wir wieder schließen und Vertrauen aufbauen. Wir müssen unsere Leistungen und Bedeutung besser kommunizieren und die Nähe zur Bevölkerung herstellen.

Wie kann jeder Bauer beitragen?
Jede Bäuerin und jeder Bauer muss überzeugt sein, dass ein hohes Ansehen wichtig ist. Sie müssen auch Veränderungen zulassen. Je mehr jeder für seinen guten Ruf tut, umso besser ist es für alle. Wir dürfen uns nicht verstecken, sondern müssen offensiv über unsere Arbeit informieren. 
2 Fragen an Leo Tiefenthaler

Warum ist die Basiskommunikation wichtig?
Sie soll die Leistungen und Bedeutung der Landwirtschaft besser vermitteln. Es geht nicht um aktuelle Spannungsthemen wie Pflanzenschutz oder Gülle, sondern um Vertrauen, sprich den Aufbau eines kontinuierlichen und langfristigen Dialogs mit der Bevölkerung.

Was hat die Landwirtschaft davon?
Verständnis und Ansehen helfen nicht nur im Verkauf, denn jeder kauft lieber von dem, den er schätzt. Auch für gute Rahmenbedingungen ist ein guter Ruf hilfreich. Nicht zuletzt stärkt ein hohes Ansehen auch das Selbstvertrauen eines Berufsstandes. 

Zwei der vier Testimonials: Manuela Wallnöfer vom Hof am Schloss in Lichtenberg/Prad ...

.. und Christian Pinggera vom Schnalshuberhof in Algund.