Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 28.04.2016

Landesbauernrat für die Anbaufreiheit

Der Landesbauernrat hat auf seiner jüngsten Sitzung beschlossen, den Rekurs gegen die Malser Pflanzenschutz-Verordnung zu unterstützen. Es geht um die Anbaufreiheit der Bauern, betont der Landesbauernrat.

Viele Bauern sehen das Pestizid-Verbot der Gemeinde Mals sehr kritisch.

Viele Bauern sehen das Pestizid-Verbot der Gemeinde Mals sehr kritisch.

Die Verordnung führt einen Pflichtabstand von 50 Metern beim Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel ein. Der Anbau von Kulturen, die Pflanzenschutz benötigen, wird auf dem Gemeindegebiet so de facto unmöglich gemacht. Damit sind die Mitglieder des Landesbauernrates ganz und gar nicht einverstanden. Für sie ist die Verordnung ein unverhältnismäßiger und zu starker Eingriff in die Anbaufreiheit und das bäuerliche Eigentum. „Die Bauern sollten ihr Handeln und Wirtschaften nach eigenen Überlegungen ausrichten dürfen“, heißt es im Beschluss des Landesbauernrates. Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler erklärt dazu: „Die Freiheit, selbstbestimmt zu handeln, ist eine große Errungenschaft. Keine Berufsgruppe und kein Bürger sollte sich diese nehmen lassen.“
Möglicherweise werden betroffene Bauern und Grundeigentümer Rekurs gegen die Gemeindeverordnung erheben, weil sie wirtschaftliche Schäden erwarten. Sollte dies der Fall sein, wird der Südtiroler Bauernbund solche Rekurse unterstützen. Dies hat der Landesbauernrat einstimmig beschlossen.

Vereinbarungen statt Gesetze
Mit dem Beschluss schließt sich der Landesbauernrat der Haltung des Bezirksbauernrates Vinschgau an. Dieser hatte sich zuvor ebenfalls für eine Unterstützung des Rekurses ausgesprochen, um die bäuerliche Entscheidungsfreiheit zu wahren. Laut Verordnung wäre in Mals einzig der Pflanzenschutz nach Richtlinien des biologischen Anbaus erlaubt. „Die Entscheidung über die Wirtschaftsweise muss aber jeder Bauer selbst treffen“, betont Bezirksobmann Raimund Prugger.
Landes- wie Bezirksbauernrat sind überzeugt: Anstatt durch Zwang sollte die Biolandwirtschaft im Obervinschgau durch eine positive Initiative wie etwa eine Bioregion gefördert werden, in der alle Mitglieder der Gesellschaft Verantwortung tragen.
Der Landesbauernrat spricht sich zudem für verbindliche Vereinbarungen zwischen den Bauern aus. „Die Zusammenarbeit innerhalb der Landwirtschaft muss in einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis geregelt werden, und nicht über Gesetze“, sagt Tiefenthaler.