Südtiroler Landwirt, Produktion | 28.04.2016

Feuerbrand bleibt aktuelles Thema

Südtirols Obstbauern sind zuletzt vom Feuerbrand weitgehend verschont geblieben. Zu verdanken haben sie dies zum Teil dem Wetter, zum Teil auch ihrer eigenen Konsequenz. Dennoch gilt es vor allem während und nach der Blüte wachsam zu sein. von Klaus Marschall, Versuchszentrum Laimburg und Konrad Mair, Pflanzenschutzdienst

Schreckensbilder wie hier vor fünf Jahren bei Gargazon gab es zuletzt Gott sei Dank selten. Gebannt ist die Feuerbrand-Gefahr dennoch nicht.

Schreckensbilder wie hier vor fünf Jahren bei Gargazon gab es zuletzt Gott sei Dank selten. Gebannt ist die Feuerbrand-Gefahr dennoch nicht.

Das Feuerbrand-Problem ist alles andere als gelöst: Nach wie vor ist die Bekämpfung dieser Bakterienkrankheit weltweit eine große Herausforderung im Kernobstbau – also vor allem Apfel, Birne und Quitte. Charakteristisch für Feuerbrand ist das schlagartige Auftreten in Jahren mit hohen Temperaturen während der Blüte, was in der Folge zu einem verstärkten Befallsauftreten führen kann. Die Temperatur ist dabei ein wesentlicher Risikofaktor, ob es zum Ausbruch dieser für das Kernobst und einigen Wild- und Ziersträuchern hoch ansteckenden Pflanzenkrankheit kommt.
Herrscht während der Blüte eine kühle Witterung vor, wie es in Südtirol in den vergangenen Jahren häufig der Fall war, mag oftmals der Eindruck entstehen, dass Feuerbrand weitgehend zurückgedrängt ist und kein ernsthaftes Problem mehr darstellt.

Feuerbrand hat sich etabliert
In solchen Jahren kommt es meist nur vereinzelt zu Befall (siehe Tabelle). Gerade dieser sporadische Befall zeigt aber, dass Feuerbrand im Gebiet nach wie vor etabliert ist und keineswegs ausgemerzt werden konnte. Folglich kann es bei geeigneten Witterungsbedingungen zur Blüte wiederum zu Jahren mit viel Befall kommen.
Aus diesem Grund darf die Wachsamkeit gegenüber Feuerbrand nicht nachlassen. Bei entsprechenden Infektionsbedingungen kann es immer wieder zu einem verstärkten Ausbruch kommen.
Seit dem ersten Feuerbrandfall in Südtirol im Jahr 1999 konnte die Krankheit weitgehend unter Kontrolle gehalten werden, wenn auch einzelne Befallssituationen lokal immer wieder zu starken Schäden geführt haben. Vielfach mussten stark betroffene Anlagen gerodet oder zumindest aufwendig saniert werden. In den vergangenen Jahren zeigte sich, dass der Feuerbrand im ganzen Land präsent ist. Daher sind weiterhin aufmerksame Befallskontrollen nötig, ein etwaiger Befall ist konsequent und fachgerecht zu entfernen. Wie die Erfahrung eindrucksvoll gezeigt hat, kann ein übersehener Befall im Folgejahr eine gefährliche Quelle für Neuinfektionen darstellen und für die rasante Ausbreitung des Feuerbrandes verantwortlich sein.

Strategie gegen den Feuerbrand beruht auf Vorbeugung
In Italien stehen derzeit nur Pflanzenschutzmittel mit einem mittleren Wirkungsgrad zur vorbeugenden Bekämpfung zur Verfügung.
Die Strategie der integrierten Feuerbrandbekämpfung in Südtirol beruht daher in erster Linie auf Vorbeugemaßnahmen. Diese zielen darauf ab, einerseits künstliche Infektionsbedingungen zu vermeiden und andererseits einen etwaigen Befall unverzüglich zu entfernen.

Folgende Maßnahmen zur Feuerbrandvorsorge haben sich in Südtirol mittlerweile etabliert:
- Befallskontrolle und unverzügliches Entfernen von Befall: Schnelles Erkennen und Entfernen von Feuerbrandbefall hilft, Infektionsherde zu eliminieren. Dies reduziert das Risiko einer weiteren Verbreitung und Verschleppung. Sorgfältige Kontrollen sind unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Feuerbrandbekämpfung.
- Keine Oberkronenberegnung in die Blüte: Durch künstliche Nässe können Infektionen bei hohem Infektionsrisiko ausgelöst werden. Dadurch können auch in warmen, trockenen Perioden ideale Infektionsbedingungen geschaffen werden.
- Möglichst frühe Pflanzung der Bäume: Je später die Bäume gepflanzt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit und der damit verbundenen höheren Temperaturen zu Blüteninfektionen kommt.
- Einhaltung des Auspflanzverbotes und der vorbeugenden Rodung hoch anfälliger Wirtspflanzen (Cotoneaster, Feuerdorn)
- Einhaltung der Quarantänemaßnahmen bei der Bienenwanderung im Obstbaugebiet

Bei Kontrolle auf Symptome achten
Die auf der folgenden Seite dargestellten Bilder zeigen typische Symptome für einen Feuerbrandbefall. Treten diese in einer Anlage auf, so sind unverzüglich der Pflanzenschutzdienst oder der Beratungsring für Obst- und Weinbau zu informieren.
Sorgfältige Kontrollen, die strikte Einhaltung der Vorbeugemaßnahmen sowie das rasche, fachgerechte Entfernen von Befall sind entscheidend für eine weiterhin erfolgreiche Feuerbrandbekämpfung.