Südtiroler Landwirt, Politik | 14.04.2016

Schulterschluss für Milchbauern

Ein Jahr ist seit dem Aus der Milchquotenregelung vergangen – und in ganz Europa stöhnen die Milchbauern unter einem akuten Preisverfall. Auf der Suche nach Lösungen haben sich kürzlich politische Vertreter aus Bayern, Österreich und Südtirol getroffen – und haben ein klares Ziel vor Augen. von Bernhard Christanell

Der hohe Verarbeitungsgrad und das starke Genossenschaftswesen sind die größten Stärken der Südtiroler Milchwirtschaft.

Der hohe Verarbeitungsgrad und das starke Genossenschaftswesen sind die größten Stärken der Südtiroler Milchwirtschaft.

Einmal jährlich treffen sich agrarpolitische Vertreter aus Südtirol, Bayern und Österreich, um über die Zukunft in der Milchproduktion zu diskutieren. Angesichts der anhaltenden Krise am internationalen Milchmarkt ging es diesmal in München vor allem um mögliche Maßnahmen zur aktuellen Krisenbewältigung.
Seit dem Wegfall der Milchquotenregelung ist die Milchmenge in der EU deutlich angestiegen und hat zu einem Preisverfall geführt.  
Südtirol war beim Treffen durch Landesrat Arnold Schuler und Abteilungsdirektor Martin Pazeller vertreten, für Bayern saß Staatsminister Helmut Brunner am Tisch. Das österreichische Landwirtschaftsministerium war durch Sektionschef Rupert Lindner vertreten.

Zusammenarbeit weiter stärken
Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler bekräftigte beim Treffen seine Forderung nach einem operationellen Programm für die Milchwirtschaft in den Berggebieten: „Ein operationelles Programm für den Milchsektor zur Förderung von Vermarktungsorganisationen und Vermarktungsstrategien in der Berglandwirtschaft würde einen wichtigen Schritt zur Sicherung der Milchwirtschaft im Berggebiet darstellen. Dahingehend ist auch eine enge Zusammenarbeit und koordinierte Vorgangsweise der Milchhöfe eine Grundvoraussetzung.“
Nachdem Staatsminister Helmut Brunner seine diesbezügliche Unterstützung zusicherte und auch Österreich federführend mitarbeiten wird, wollen Landesrat Arnold Schuler sowie sein Trentiner Kollege Michele Dallapiccola auf Staatsebene weiterhin vehement fordern, die Initiative weiterzubringen.
Auf europäischer Ebene sind es vor allem der Südtiroler EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann sowie seine österreichische Kollegin Elisabeth Köstinger, die die gemeinsame Initiative der Alpenländer vorantreiben.
Vor einigen Wochen hat es in Brüssel ein ausführliches Gespräch von Dorfmann mit dem österreichischen Minister Andrä Rupprechter über mögliche Unterstützungsmaßnahmen für die Milchwirtschaft im Berggebiet gegeben.
Freiwillige Mengenbeschränkungen, wie sie derzeit auf EU-Ebene teils kontrovers diskutiert werden, können laut Landesrat Arnold Schuler nur kurzfristig Teil der Problemlösung sein. „Vielmehr muss die in Südtirol bewährte Strategie der Veredelung der Milch und der starken Markenbildung weiterhin forciert und ausgebaut werden“, forderte Schuler. Nur so werde es gelingen, den Preisschwankungen für Rohmilch am Weltmarkt nicht ohnmächtig ausgeliefert zu sein und Südtirols Milchwirtschaft sowie jene des Berggebietes im Allgemeinen in eine gute Zukunft zu führen.
Der relativ hohe Milchpreis in Südtirol geht aus dem hohen Veredelungsgrad der Milch sowie der starken Marken hervor: Über 90 Prozent der in Südtirol produzierten Milch wird veredelt. Von Vorteil ist auch das Genossenschaftswesen in der Milchwirtschaft. „Die abgestimmte Vorgangsweise mit den unmittelbar betroffenen Alpenländern stimmt mich zuversichtlich, dass wir mit dem operationellen Programm für den Milchsektor im Berggebiet einen wichtigen Schritt vorwärtskommen“, betonte Schuler abschließend.