Südtiroler Landwirt | 14.04.2016

Pflanzenschutz-Kosten im Griff

Was der Pflanzenschutz im Weinbau wirklich kostet und wie sich die Kosten aufteilen, wird häufig falsch interpretiert. Hier liefert der Beratungsring für Obst- und Weinbau die Fakten. von Thomas Weitgruber, Beratungsring für Obst- und Weinbau

Wie viel der Pflanzenschutz kostet, hängt von vielen Faktoren ab. Die Höhe kann daher von Betrieb zu Betrieb stark schwanken. (Foto: Beratungsring für Wein- und Obstbau)

Wie viel der Pflanzenschutz kostet, hängt von vielen Faktoren ab. Die Höhe kann daher von Betrieb zu Betrieb stark schwanken. (Foto: Beratungsring für Wein- und Obstbau)

Bei den Gesamtkosten für den Pflanzenschutz ist zwischen den Kosten für die Mittel und für das Ausbringen zu unterscheiden. Exakt erfassen kann man die Mittelkosten. Was das Ausbringen kostet, wird oft ungenau berechnet. Das gilt auch für den Weinbau. Der folgende Artikel berücksichtigt die Ausbringung mit dem Traktor und einem Sprühgerät. Er geht nicht auf Schlauchzugbehandlungen ein.

Mittelkosten
Die Mittelkosten pro Hektar werden vom Erziehungssystem, der Lage, der Jahreswitterung und der Sortenanfälligkeit für Pilzkrankheiten beeinflusst. So sind bei den Mitteln gegen Peronospora die klassischen Kontaktfungizide (z.B. Mancozeb, Folpet oder Kupfer) die kostengünstigsten, haben aber auch die kürzeste Dauerwirkung. Mittel mit Wirkstoffen, die sich in die Wachsschicht der Traubenbeeren einlagern bzw. tiefenwirksam sind (z.B. Cyazofamid, Ametoctradin, Zoxamid oder Dimethomorph) sind persistenter, allerdings auch teurer. Das Kaliumphosphonat als systemisches Peronosporafungizid liegt im ähnlichen Preissegment wie die vorher genannten.
Anhand von drei Beispielen aus dem Jahr 2014, wo aufgrund der Witterung relativ häufig Fungizide eingesetzt werden mussten, sollen die großen Unterschiede bei den Mittelkosten gezeigt werden. Die angegebenen Mittelkosten sind ohne Mehrwertsteuer
(siehe Infokasten unten).

Durchschnitt ist nicht Wirklichkeit
Aus den drei Beispielen ergeben sich im Durchschnitt Mittelkosten von 620 Euro/Hektar. Die Kosten für Herbizide sind dabei nicht berücksichtigt.
Und anhand dieser Beispiele zeigt sich deutlich: Rechnet man beim Pflanzenschutz bei den Mittelkosten nur mit Durchschnittswerten, wird das Ergebnis meistens nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen.

Ausbringungskosten
Es wird von einem ein Hektar großen Grundstück mit den Abmessungen 100 x 100 Meter ausgegangen. Zwischen den Reihen sind zwei Meter Abstand. Der Traktor fährt mit einer Geschwindigkeit von 6 km/h durch die Reihen. Das ergibt eine Behandlungszeit von 50 Minuten.
Für die Anfahrt zum Grundstück und das Wenden sowie für das Befüllen des Brühetanks werden weitere 20 Minuten veranschlagt.

Zeit für An- und Abfahrt sowie Befüllung mit einberechnen
Die Zeiten für die An- und Abfahrt der Wegezeit zum Grundstück und zur Befüllung des Brühetanks mit Wasser und Pflanzenschutzmitteln ist zwar nicht als unmittelbare Behandlungszeit zu werten, müssen aber mit eingerechnet werden. Besonders bei den Wege- und Wendezeiten gibt es von Betrieb zu Betrieb große Unterschiede. Durch die in Südtirol häufigen, klein parzellierten Rebanlagen ergeben sich bedeutend längere Wege- und Wendezeiten als in vielen anderen Weinbaugebieten. In unserem Beispiel werden somit insgesamt 70 Minuten Zeitaufwand je Hektar notwendig.
Die Ausbringungskosten setzen sich aus den Kosten für den Traktor und das Pflanzenschutzgerät sowie den Arbeitszeitkosten zusammen. Bei der folgenden Kostenberechnung (siehe Tabelle unten) wurden ein Traktor und ein Sprühgerät herangezogen, die noch nicht abgeschrieben sind.
Bei einem Schmalspurtraktor (65 PS) mit einer Auslastung von 500 Stunden pro Jahr errechnen sich Kosten von 19,11 Euro pro Stunde. Wird ein Sprühgerät 150 Stunden pro Jahr verwendet, ergeben sich Kosten von 13,38 Euro/Stunde. In den Kosten ist die Verzinsung des im Traktor und Sprühgerät gebundenen Kapitals berücksichtigt.
Die Lohnkosten für einen landwirtschaftlichen Betriebsleiter liegen nach den Lohntabellen des Landes aktuell bei 14,11 Euro/Stunde.
Aus den Kosten für den Traktor, das Sprühgerät und die Arbeitszeit ergeben
sich in unserem Beispiel Ausbringungskosten von knapp 47 Euro je Stunde. Bei einem Arbeitszeitbedarf von 70 Minuten je Hektar betragen die Kosten in etwa 55 Euro je Spritzung.
Wird im Jahr beispielsweise 13 Mal behandelt, liegen die Ausbringungskosten etwas über 700 Euro/ha und dadurch im konkreten Fall über den Pflanzenschutzmittelkosten.

Schlussfolgerungen
Die Ausbringungskosten übertreffen in sehr vielen Südtiroler Weinbaubetrieben die Mittelkosten.
Es muss aber auch angemerkt werden, dass in vielen Betrieben mit bereits abgeschriebenen Maschinen und Geräten gearbeitet wird. Trotzdem ist es aus betriebswirtschaftlicher Sicht immer sinnvoll, den vorhandenen Maschinenpark möglichst gut auszulasten. So senkt man die Fixkosten!
Durch einen überbetrieblichen Maschinen- und Geräteeinsatz könnten in vielen Weinbaubetrieben die Ausbringungskosten deutlich gesenkt und das Einkommen deutlich gesteigert werden.
Eine Hilfe für all jene, die sich mit den Kosten auseinandersetzen möchten, bietet die Kostenbroschüre des Beratungsrings für Obst- und Weinbau. Sie beinhaltet aktuelle Richtwerte für Maschinen und Geräte. Mitglieder können sie von der Internetseite www.beratungsring.org unter dem Abschnitt Betriebswirtschaft herunterladen.


Tabelle – Ausbringungskosten (Beispiel)

Maschine/Gerät

Jahresauslastung

Kosten/Stunde in €

Traktor (65 PS + Allrad)

500 Stunden

19,11

Sprühgerät (gezogen)

150 Stunden

13,38

Arbeit (landw. Facharbeiter/Schaffer)

14,11



Mittelkosten

3 Beispiele, großer Preisunterschied

Beispiel 1

Die Spalieranlage mit der Sorte Ruländer befindet sich in einer luftigen Lage, wo Pilzkrankheiten gewöhnlich keine großen Probleme verursachen. Die Reben wachsen ruhig. Im Jahr 2014 wurden vom 17. Mai bis 2. August neun Mal Pflanzenschutzmittel ausgebracht, der Brüheaufwand betrug 10 hl/ha. Es wurden keine tiefenwirksamen oder systemischen Mittel eingesetzt.
Die Mittelkosten betragen in diesem Beispiel 324 Euro pro Hektar.

Beispiel 2
Die Spalieranlage mit der mehltauanfälligen Sorte Kerner befindet sich in einer Lage mit hoher Luftfeuchtigkeit und hohem Pilzdruck. Im Jahr 2014 wurden vom 4. April bis 28. August 17 Mal Pflanzenschutzmittel ausgebracht, der Wasseraufwand betrug 10 hl/ha. Es wurden vereinzelt auch teurere, tiefenwirksame und systemische Mittel eingesetzt.
Die Mittelkosten betragen in diesem Beispiel 641 Euro pro Hektar.

Beispiel 3
Die Pergel-Anlage mit der mehltauanfälligen Sorte Vernatsch  befindet  sich in einer Lage mit viel Taunässe. Es gab zudem noch Probleme mit der Kirschessigfliege im Spätsommer. Im Jahr 2014 wurden vom 25. April bis 2. September 15 Mal Pflanzenschutzmittel ausgebracht. Der Wasseraufwand betrug 13 hl/ha.
Die Mittelkosten ohne Mehrwertsteuer betragen in  diesem Beispiel 895 Euro pro Hektar.