Verein Freiwillige Arbeitseinsätze, Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 14.04.2016

Am Anfang waren sie nur eine Handvoll ...

Der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Auf der Vollversammlung am Sitz der Aspiag in Bozen blickten die Trägerorganisationen vergangene Woche auf eine unglaubliche Erfolgsgeschichte zurück. von Michael Deltedesco

Seit 20 Jahren greifen freiwillige Helfer den Südtiroler Bauern unter die Arme.

Seit 20 Jahren greifen freiwillige Helfer den Südtiroler Bauern unter die Arme.

Von 40 auf 2400 Helfer in 20 Jahren: Nicht einmal die größten Optimisten hätten eine solche Entwicklung bei der Gründung für möglich gehalten.
Zu diesen Optimisten gehörte von Anfang an auch Georg Mayr, der seit der Gründung Obmann des Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze ist: „Mit einer Handvoll Freiwilligen hat der Verein 1996 seine Tätigkeit aufgenommen. 2015 erzielte der Verein sein zweitbestes ‚Ergebnis‘. 2360 Freiwillige halfen auf extremen Südtiroler Bergbauernhöfen mit. Nur das Jahr 2014 war noch besser.“
Obmann Mayr dankte bei der Vollversammlung besonders den Trägerorganisationen – der Caritas, dem Südtiroler Jugendring und der Lebenshilfe. „Ohne Euch wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.“ Die Organisationen sicherten zu, den Verein auch weiterhin zu unterstützen.

Eigenen Weg gegangen
Begonnen hat alles ganz bescheiden. Der Südtiroler Bauernbund hatte erkannt, dass auf immer mehr Höfen die eigene Familienarbeitskraft nicht ausreichte, um insbesondere die Arbeitsspitzen, wie etwa die Heuernte, abzudecken.
Also begab man sich auf die Suche nach bereits bestehenden Initiativen im Ausland. „Diese gab es zwar, wie z. B. die Bergbauernhilfe in der Schweiz; aber ganz überzeugt hat uns keine Initiative“, erinnerte sich Mayr. Also gingen der Südtiroler Bauernbund und die Trägerorganisationen einen eigenen Weg und gründeten den Verein Freiwillige Arbeitseinsätze.
Nicht einfach war am Anfang die Versicherung der Freiwilligen. „Nachdem die Helfer nur gegen Kost und Logis arbeiten, wollten wir sie zumindest ordentlich versichern. Daher haben wir die INPS, die INAIL, die Steuerbehörden und einige mehr abgeklappert, bis es soweit war.“

Start mit drei Pilotgemeinden und 40 Freiwilligen
Weil nicht ganz klar war, ob die Bergbauernhilfe überhaupt funktioniert, ging der Verein auf Nummer sicher und startete mit nur drei Gemeinden – Ulten, Passeier und Ahrntal.
„40 Freiwillige meldeten sich im ersten Jahr, bereits mehr als doppelt so viele im zweiten Jahr. Nach drei Jahren meldeten sich bereits über 200 freiwillige Helfer für knapp 140 Höfe, mittlerweile auf das ganze Land aufgeteilt“, berichtete Mayr.
Zehn Jahre später wurde erstmals die Grenze von über 1000 Freiwilligen überschritten. Von da an stieg die Zahl der Helfer von Jahr zu Jahr – den Spitzenwert erreichte der Verein im Jahr 2014. „Im vorletzten Jahr unterstützten 2414 Freiwillige extreme Bergbauernfamilien im Stall, auf den Wiesen, im Haushalt oder bei der Alten-, Kinder- oder Krankenbetreuung“, berichtete Mayr.

Zahl der Freiwilligen soll stabil bleiben
2015 ging die Zahl der Freiwilligen ganz leicht zurück – auf 2360. „Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Ich bin zufrieden, wenn wir es schaffen, die Zahl der Freiwilligen in den nächsten Jahren stabil zu halten“, gab Obmann Mayr das Ziel vor.
Zugenommen hat auch die Zahl der Gesuchsteller. „Im Jahr 1996 haben 31 Bäuerinnen und Bauern um eine Hilfe angesucht. Im letzten Jahr waren es 312, 2014 sogar 339“, berichtete Mayr.
Besonders viele Antragsteller kamen aus dem Vinschgau, gefolgt vom Pustertal und vom Burggrafenamt.

Freiwillige: Viele Deutsche, kaum Vinschger
Die beeindruckende Entwicklung des Vereins ist auch den vielen deutschen Helfern zu verdanken. Monika Thaler, die Koordinatorin des Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze, berichtete: „Mit fast 74 Prozent sind die Deutschen die größte Gruppe, gefolgt von den Südtirolern mit knapp 13 Prozent. Sieben Prozent der Helfer kommen aus anderen italienischen Regionen, knapp 100 Helfer stammen aus Österreich.“
Die große Bekanntheit des Vereins in Deutschland hängt mit der professionellen Medienarbeit zusammen.
Alle größeren Medien in Deutschland berichten mehr oder weniger regelmäßig über den Verein. „Andere schimpfen über die Medien, ich möchte mich bei ihnen bedanken“, sagte Mayr.
Interessant ist die Herkunft der Südtiroler Helfer. „Besonders fleißig sind Bozner, gefolgt von den Pusterern“, verriet Mayr. Auch das Unterland und das Eisacktal sind bei den Helfern gut vertreten. Am wenigsten Helfer kommen aus dem Vinschgau, obwohl aus diesem Bezirk die meisten Gesuchsteller kommen.

Finanzielle Situation bleibt auch weiterhin angespannt
Bei allem Grund zur Freude gab es aber auch einen Wermutstropfen. Mehr Freiwillige bedeuten auch mehr Kosten für die Vermittlung, während gleichzeitig die öffentlichen Beiträge sinken.
Dank privater Sponsoren, wie der Stiftung Sparkasse, der Bezirksgemeinschaft Salten-Schlern und Überetsch-Unterland, der Raiffeisenkasse Bozen, dem Sennereiverband und der Etschwerke Trading Ges.m.b.H. konnte  der Verein einen Teil des Fehlbetrags auffangen.

Wertvolle Unterstützung der Aspiag-Gruppe
Besonders dankte Obmann Mayr der Aspiag-Despar-Gruppe, die in den letzten zwei Jahren den Verein maßgeblich unterstützt hat.
„Wir hatten immer schon eine enge Verbindung zum Bauernbund und zur Landwirtschaft. Daher haben wir entschieden, Tragetaschen mit dem Logo des VFA zu produzieren. Für jede verkaufte Tasche gingen zwei Cent an den Verein. Insgesamt sind über 120.000 Euro zusammengekommen“, freut sich Direktor Robert Hillebrand.  
Obwohl die Aktion nun beendet ist, wird die Despar den Verein auch weiterhin unterstützen. 


Kontakt

Verein Freiwillige Arbeitseinsätze
c/o Südtiroler Bauernbund
Leegtorweg 8, Postfach 421
39100 Bozen

Tel. +39 0471 999309
Fax: +39 0471 999491
E-Mail: info@bergbauernhilfe.it
www.bergbauernhilfe.it