Südtiroler Landwirt, Seniorenvereinigung | 31.03.2016

Helfen und Hilfe annehmen

Bei der diesjährigen Landesversammlung der Seniorenvereinigung im Südtiroler Bauernbund entdeckten die bäuerlichen Senioren den Wert des Helfens neu und konnten dabei auf viel Begeisterung zurückblicken.

Rund 400 Senioren aus dem ganzen Land tauschten sich bei der Landesversammlung der Seniorenvereinigung im Haus der Vereine in Nals über die Wichtigkeit des Helfens aus.

Rund 400 Senioren aus dem ganzen Land tauschten sich bei der Landesversammlung der Seniorenvereinigung im Haus der Vereine in Nals über die Wichtigkeit des Helfens aus.

„Es ist sehr wichtig zu sagen, wenn man Hilfe braucht.“ Dazu forderte der Landespräsident der Seniorenvereinigung im Südtiroler Bauernbund, Gottfried Oberstaller, bei der diesjährigen Landesversammlung die Senioren im Haus der Vereine in Nals auf. Im Mittelpunkt dieser 27. Versammlung stand der Wert des Helfens. Wie Gottfried Oberstaller erklärte, würden sich besonders ältere Menschen schwertun, Hilfe anzunehmen. Dies sei vor allem durch die Erziehung bedingt, in der es vor allem darauf angekommen ist, „stets stark zu sein, mehr zu geben als zu nehmen und andere nicht mit den eigenen Problemen zu belasten“.

Nichts mit Schwäche zu tun
Deshalb sei es wichtig, gemeinsam mit den Mitmenschen zu lernen, Hilfe und Unterstützung zu geben und anzunehmen. Das Sich-Helfen-Lassen habe laut Gottfried Oberstaller nämlich gar nichts mit Scham oder Schwäche zu tun, sondern mit dem Bewusstsein und der Verantwortung, auf sich und seine Mitmenschen zu achten. Wenn diese „Hürde“ überwunden und man bereit sei, Hilfe zu geben und vor allem auch anzunehmen, erfülle das die Menschen gemäß dem Motto der Versammlung „Helfen isch schian!“ mit großer innerer Freude und Zufriedenheit, wie Gottfried Oberstaller betonte.
Auch Pater Thomas Hrastnik, Hausoberer des Franziskanerklosters Kaltern, ging in seinem Festvortrag auf den großen Wert des Helfens ein und forderte die Senioren auf, auch Hilfe anzunehmen und so Freude zu erfahren. Er erklärte: „Helfen ist schön, auch wenn ich mir einmal helfen lasse.“ Der gebürtige Grazer mit Südtiroler Wurzeln zeigte zudem Möglichkeiten auf, wie Hilfe möglich ist, zum Beispiel mit Zuhören oder Teilen, ohne dafür etwas zurückzuerwarten.

Vorbildcharakter der ehrenamtlichen Funktionäre
Eine besondere Aufgabe nehmen in diesem Zusammenhang die rund 400 Funktionäre der Seniorenvereinigung in den 59 Ortsgruppen und fünf Bezirken der Organisation ein: Sie würden sensibel auf andere Menschen zugehen, auf ihre Bedürfnisse eingehen und ihnen dadurch die Angst vor dem Sich-Helfen-Lassen nehmen sowie ihnen das Schöne daran zeigen, erklärte Gottfried Oberstaller. Er sagte: „Ihr als Funktionärinnen und Funktionäre geht mit gutem Beispiel voran und schafft mit euren Initiativen und Veranstaltungen Momente der Begegnung, des geselligen Miteinanders und der gegenseitigen Wertschätzung.“
Diese Begeisterung zeigte sich auch im Rückblick auf die Tätigkeit im vergangenen Jahr, der heuer erstmals als Filmbeitrag gestaltet wurde. So zeigten die Senioren unter anderem beim zweiten Landes-Gaudi-Handmähen in Mauls/Freienfeld, dass sie die nötige „Schneid“ besitzen, und wanderten beispielsweise zusammen mit den Senioren aus Nord- und Osttirol in Schluderns auf den Spuren des Tiroler Altlandeshauptmannes Eduard Wallnöfer. Daneben wurde im Rahmen der Landwirtschaftsmesse „Agrialp“ auf den Wert einheimischer Lebensmittel hingewiesen, und es wurden erneut zahlreiche Weiterbildungsveranstaltungen sowie Urlaubsangebote für die rund 12.500 Mitglieder der Seniorenvereinigung organisiert.
Auch im laufenden Jahr sollen wieder zahlreiche Aktionen veranstaltet werden, wie Gottfried Oberstaller ankündigte. Unter anderem findet im April an vier Standorten im Land das Treffen „Deine Meinung ist gefragt!“ statt, bei dem die Funktionäre und Mitglieder der Organisation eingeladen sind, seniorenspezifische Themen zu diskutieren.

Kerze der Senioren gesegnet
Ein besonderer Moment bei der diesjährigen Landesversammlung war die Segnung einer Kerze für die Seniorenvereinigung. Diese wurde im Rahmen der heiligen Messe, die traditionell den Anfang der jährlichen Versammlung bildet und wiederum vom Pfarrer von Nals, Richard Sullmann, zelebriert wurde, vorgenommen.
Musikalisch wurden der Gottesdienst sowie die gesamte Landesversammlung, der rund 400 Funktionäre und Mitglieder der Seniorenvereinigung aus dem ganzen Land beiwohnten, von der „Unterlandler Stubnmusig“ umrahmt.
Auch eine Reihe von Ehrengästen war nach Nals zur Landesversammlung gekommen. So konnte Gottfried Oberstaller unter anderen Vertreter des SBB, der SBO und der SBJ sowie der SVP-Seniorenbewegung, des Tiroler Seniorenbundes und der „Coldiretti Pensionati“ begrüßen. Einen besonderen Gruß sprach der Landespräsident der Seniorenvereinigung auch der Ortsgruppe Nals der Südtiroler Bäue­rinnenorganisation aus, die für das leibliche Wohl der Versammlungsteilnehmer sorgte.

„Wären um einiges ärmer“
Sehr beeindruckt von den Tätigkeiten der Organisation und des großen Engagements und Vorbildcharakters der Senioren zeigten sich in ihren Grußworten der Landesobmann des Südtiroler Bauernbundes, Leo Tiefenthaler, der EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann und die Landesrätinnen Waltraud Deeg und Martha Stocker. So verwies Waltraud Deeg auf den Gründer des Unternehmens „Apple“, Steve Jobs, und sagte, dass auch die Senioren danach leben würden, eine Sache nur dann wirklich gut machen zu können, wenn man diese mit großer persönlicher Hingabe mache. Auch Helmut Kritzinger, Obmann des Tiroler Seniorenbundes, die Landtagsabgeordnete Maria Kuenzer, der Präsident der „Coldiretti Pensionati“, Giorgio Grenzi, sowie Altlandeshauptmann Luis Durnwalder sprachen den Altbauern eine wichtige Funktion für die Landwirtschaft und Gesellschaft zu. So sagte Luis Durnwalder: „Die Höfe im Land wären ohne die älteren Menschen um einiges ärmer.“