Südtiroler Landwirt, Marketing | 31.03.2016

„Feinschmecker“ unter sich

Wer im Schankbetrieb auch eigene Produkte zum Kauf anbietet, kommt bei den Gästen gut an. Das wurde einmal mehr bei der Jahresversammlung der Roter Hahn-Schankbetriebe beim Föhrner in Glaning deutlich.

Die Teilnehmer am „Bäuerlichen Feinschmecker“ beim Föhrner in Glaning oberhalb Bozen

Die Teilnehmer am „Bäuerlichen Feinschmecker“ beim Föhrner in Glaning oberhalb Bozen

Hannes Knollseisen, im Südtiroler Bauernbund unter anderem für die Schankbetriebe und die Broschüre „Bäuerlicher Feinschmecker“ verantwortlich, bedankte sich bei Hausherrin Karin Bracchetti und ihrem Team für die Gastfreundschaft: „Toll, dass wir immer gerne aufgenommen werden. Das ist nicht selbstverständlich, denn der Blick der anderen Schankbetreiber ist sicher der Kritischste.“ Für die alljährliche Vollversammlung der Schankbetreiber hatte Karin Bracchetti nämlich Tür und Tor ihres Föhrner geöffnet und ließ gerne hinter die Kulissen ihres Vorzeigebetriebes blicken.
Dann erzählte sie auch freimütig über ihre Erfahrungen mit dem Buschenschank Föhrner: „Wir sind vor 14 Jahren als Buschenschank gestartet. Anfangs hatten wir rund 80 Sitzplätze drinnen und draußen. Wir haben dann aber gemerkt, dass das für uns nicht stimmig ist.“ Deshalb habe sie beschlossen, die Sitzplätze deutlich zu reduzieren. Das sei ein neuer Startpunkt gewesen: „Wir arbeiten heute hauptsächlich mit Stammgästen und praktisch nur auf Vorbestellung.“

Hofeigene Produkte verkaufen sich gut
Seit Beginn der neuen Saison bietet Karin auch eigene Produkte zum Verkauf an: Marmeladen, Tomatenketchup, eingelegte Gurken, Säfte und Sirupe. Obwohl sie erst seit Jänner geöffnet hat, ist ein großer Teil bereits verkauft. „Die größte Schwierigkeit war, ein passendes Logo zu finden“, erklärt die Bäuerin. „Das haben wir uns letztendlich auch selber gemacht und finden, dass es zu uns und unserem Betrieb gut passt“, erklärt sie stolz.
Auch Wein und Schnaps macht Karin Bracchetti selber. Allerdings nur für den Ausschank. Jetzt im Frühjahr stehen beim Föhrner typische Gerichte wie Stockfischgröstel, Wild, Lamm und Hase auf dem Speiseplan. „Schlutzer und Kartoffelteigtaschen machen wir das ganze Jahr über, das sind neben den Schwarzbrotnocken unsere Klassiker“, sagte die Bäuerin. Als Nachspeise kommt bei den Gästen Halbgefrorenes sehr gut an, aber auch Strudel und Kuchen sind bei den Gästen sehr beliebt. „Insgesamt mag ich die Frühjahrssaison lieber als den Herbst“, erklärt Karin Bracchetti. „Da kommen kleinere Gruppen und Familien. Die brauchen mehr Beratung und Aufmerksamkeit. Das bedeutet für uns natürlich mehr Aufwand, dafür machen die Gäste aber irgendwie auch mehr Freude als die größeren Gruppen zur Törggelezeit.“

Optimierungsbedarf bei Speisekarten
Hannes Knollseisen gab den bäuerlichen Schankbetreibern, die zahlreich gekommen waren, einen Überblick über das abgelaufene Jahr: Mit einer konstanten Auflage von 100.000 Stück ist die Broschüre „Bäuerlicher Feinschmecker“ nach wie vor ein wichtiges Marketinginstrument. Die Broschüren werden landesweit verteilt und erhalten großen Zuspruch. „Ein großes Kompliment auch an euch, dass ihr die Broschüre in euren Betrieben aufliegen lasst und keine Angst davor habt, euren Mitbewerbern dadurch eine Plattform zu geben!“, lobte Knollseisen.
Auch Social Media, wie beispielsweise facebook, werden von der Marketingabteilung im Südtiroler Bauernbund bearbeitet. Online-Newsletter, das Mitteilungsblatt, Radiowerbung, eine Kooperation mit dem Verlagshaus Athesia und Pressearbeit in den wichtigsten Ländern Europas runden den Marketingmix der Marke „Roter Hahn“ ab. Besonders wertvoll seien laut Knollseisen die Beiträge, die von Journalisten verfasst werden, nachdem sie sich selber von der Qualität und der Authentizität der bäuerlichen Schankbetriebe überzeugt haben. „Daraus entstehen dann die tollsten Artikel“, erklärte Hannes Knollseisen.
Bewährt habe sich auch die Weiterbildung, die den Schankbetreibern in Zusammenarbeit mit der Bauernbund Weiterbildung alljährlich angeboten wird. Was im letzten Jahr nicht mehr möglich war, für diese Saison aber fest auf dem Programm steht, ist der Küchen- und Servicetest, der von zehn Betrieben angefordert worden ist.
Auch das Projekt „Törggelen am Ursprung“  wird weitergeführt: „Die Eröffnung der Saison mit dem Keschtnfeuer hat sich ganz gut bewährt“, sagte Hannes Knollseisen.
Dann gab Knollseisen noch einen kurzen fachlichen Einblick darüber, wie eine ansprechende Speisekarte im bäuerlichen Schankbetrieb gestaltet sein sollte. „Einige von euch verzichten bewusst auf eine Speisekarte, das ist auch ok. Wer aber eine verwendet, kann sich gerne an einige Tipps von uns halten. Da gibt es schon noch den einen oder anderen Optimierungsbedarf“, schmunzelte er.