Südtiroler Landwirt | 17.03.2016

Nur passendes Saatgut verwenden

Jährlich erstellt das Versuchszentrum Laimburg in Zusammenarbeit mit dem BRING – Beratungsring Berglandwirtschaft – die Saatgutmischungen mit den entsprechenden Sortenempfehlungen für das Grünland. Hier die aktuelle Übersicht für das anstehende Futterjahr. von Thomas Prünster, BRING

Bei Neuansaaten von Dauerwiesen sollten Wiesensaatgutmischungen verwendet werden, welche mit DW gekennzeichnet sind.

Bei Neuansaaten von Dauerwiesen sollten Wiesensaatgutmischungen verwendet werden, welche mit DW gekennzeichnet sind.

Für die Erstellung der Saatgutempfehlungen werden vom Versuchszentrum Laimburg Sorten der jeweiligen Futterpflanzen verwendet, die für den Alpenraum geeignet sind. Die Saatgutmischungen werden unterschieden zwischen Dauerwiesenmischungen (DW), Übersaatmischungen (U) und Wechselwiesenmischungen für den Ackerfutterbau.
Für die Neuansaat von Dauerwiesen sind vor allem jene Mischungen geeignet, die mit DW gekennzeichnet sind. Für die Auswahl der richtigen Saatgutmischung sollten in erster Linie die Bewirtschaftung und die Höhenlage berücksichtigt werden. Während für die ein- und zweischnittigen Wiesen die Saatgutmischungen DW-h und DW-t geeignet sind, sollte bei den drei- und mehrschnittigen Wiesen die DWi-h oder DWi-t verwendet werden.
Ein zusätzlicher Bewirtschaftungsfaktor der berücksichtigt werden sollte, ist die Konservierungsart des ersten Aufwuchses: Wird das Heu der betroffenen Fläche ausschließlich siliert, sollten in tiefen Lagen vorrangig Englisches Raigras (Lolium perenne), Wiesenfuchsschwanz (Aleopecurus pratensis), Wiesenrispe und Weißklee eingesetzt werden. In höheren Lagen ab 1200 Meter Meereshöhe sollte auf Silageflächen das Raigras weniger verwendet werden, da es nicht sehr winterhart ist. Diese Futterpflanzen haben nämlich den entscheidenden Vorteil, dass sie nicht auf das Aussamen angewiesen sind. Beim Wiesenfuchsschwanz gilt zu beachten, dass er vor allen anderen Futterpflanzen die Samenreife erreicht und anschließend rasch zum Leger neigt. Deshalb sollte der Wiesenfuchsschwanz nur in jenen Flächen eingesetzt werden, bei denen der erste Aufwuchs sehr früh gemäht bzw. siliert wird.
Für trockene Lagen sind vor allem die Saatgutmischungen DW-t und DWi-r geeignet. Während die Mischung DW-t als trockenheitsresistentere Art den Glatthafer enthält, wurde die DWi-r überwiegend auf den Rohrschwingel aufgebaut. Letzterer ist vor allem in trockenen Lagen mit drei bis vier Schnitten geeignet. Der Glatthafer hingegen eignet sich für jene Wiesen, die bis zu dreimal im Jahr gemäht werden.
Die Saatstärke für die Neuansaat liegt bei 30 bis 50 Kilogramm pro Hektar – je nachdem, ob maschinell oder händisch gesät wird. Wichtigster Arbeitsgang nach der Neuansaat ist das Anwalzen des Saatgutes in den Boden. Dadurch wird eine raschere Keimung und folglich eine schnellere Bestockung der Wiese ermöglicht.

Keine Neuansaat ohne Übersaat
Grundsätzlich gilt bei einer Neuansaat, dass im laufenden Jahr oder spätestens im Folgejahr eine zusätzliche Übersaat erfolgen sollte. Somit können vorhandene Lücken geschlossen werden. Für die weitere Pflege und Erhalt des Bestandes sollte bei Bedarf alle drei Jahre eine Übersaat erfolgen.
Grundsätzlich können sämtliche Wiesenmischungen für eine Übersaat verwendet werden. Zusätzlich wurden im vergangenen Jahr aber die Rezepturen der Übersaatmischungen neu zusammengestellt und an die Bedürfnisse der Betriebe angepasst.
Grundsätzlich sind zwei Wiesenmischungen, nämlich eine für tiefe und intensivere Lagen (U1) und eine für hohe, mittelintensive Lagen (U2) erstellt worden. Für hohe und extensive Lagen wird als Übersaat die Dauerwiesenmischung DW-h empfohlen.
Die Übersaatmischungen U1 und U2 sind als Übersaat für Mähwiesen sehr gut geeignet, bei richtiger Anwendung keimen sie relativ rasch. Zusätzlich sind die beiden Mischungen auch ohne Leguminosen erhältlich.

Übersaat im Frühherbst planen
Gerade bei Wiesen, die bereits einen hohen Kleeanteil mit über 20 Prozent besitzen, ist eine Übersaatmischung ohne Klee sinnvoll. Zudem ist ein zu hoher Weißkleeanteil in Steillagen bezüglich der Bewirtschaftung nicht empfehlenswert.
Bezüglich des Ausbringungszeitpunktes sollte eine Übersaat im Frühjahr nur bei sehr lückigen Beständen, zum Beispiel bei Winter- oder Wühlmausschäden erfolgen. Im Frühjahr hat man zwar eine entsprechende Bodenfeuchtigkeit, allerdings ist die Gefahr von Bodenfrösten und die Konkurrenz des Altbestandes sehr hoch.
Deshalb führt eine Übersaat im Frühjahr nicht zu den erwarteten Erfolgen. Im Frühherbst ist die Bodentemperatur hingegen ideal und die Wachstumskonkurrenz des Altbestandes nicht mehr so hoch. Zudem kann schon der Tau am Morgen den Keimlingen die ausreichende Feuchtigkeit gewährleisten.

Wann eine Übersaat nötig ist
Generell sollte eine Übersaat dann in Betracht gezogen werden, wenn im Bestand weniger als 30 Prozent Futtergräser oder weniger als 60 Prozent gute Futterpflanzen vorhanden sind. Vor der Übersaat sollte deshalb bei einer Feldbegehung der bestehende Pflanzenbestand geschätzt und das richtige Saatgut ausgewählt werden. Zudem sollte der Bestand lückig und nicht z.B. mit Gemeiner Rispe oder Moos verfilzt sein. Die Ausbringung des Saatgutes – zwischen fünf und 20 Kilogramm pro Hektar – kann mit verschiedenen Geräten oder per Hand erfolgen. Zur technischen Ausbringung können Übersaatgeräte, Mineraldüngerstreuer oder Kleinsamenstreuer verwendet werden.
Beim Mineraldüngerstreuer kann das Saatgut mit angefeuchtetem Sand vermischt werden. Dadurch wird die Streubreite verbessert und ein besseres Streubild erzeugt. Nach der Ausbringung des Saatgutes ist das Walzen wie bei einer Neuansaat die wichtigste Maßnahme. Der ausgebrachte Wiesensamen braucht einen guten Bodenkontakt um schnell keimen zu können.

Feldfutterbau in der Fruchtfolge
Feldfutter- bzw. Wechselwiesenmischungen sind wertvolle Fruchtfolgepartner im Mais- und Getreideanbau. In Grenzlagen des Maisanbaues können sie eine Alternative darstellen, die im Vergleich zu Dauergrünland höhere Erträge und bessere Qualitäten liefert. Zu beachten ist, dass diese Mischungen in der Regel nicht ausdauernd sind (außer evtl. Wechselwiese) und deshalb nach etwa zwei bis vier Jahren eine Neuansaat erforderlich machen. Die Mischungen enthalten die vom Versuchszentrum Laimburg und vom BRING empfohlenen Mischungsverhältnisse und Sorten.  Kleegras eignet sich für frische bis feuchte Böden sowie schattigere Lagen. Die Luzerne-Grasmischung passt zu sandigen, eher trockenen Böden in sonnigen Lagen. Bei der Wechselwiese handelt es sich um eine grasreiche Mischung mit niedrigem Kleeanteil, die unter guten Bedingungen nach dem Ablöseprinzip funktioniert und in einen Dauerwiesenbestand übergehen kann.
Da hingegen in den Kleegras- und Luzernemischungen die Untergräser fehlen, kann die Umstellung in eine Dauerwiese nur nach einem Umbruch und Neuansaat mit einer entsprechenden Dauerwiesenmischung erfolgen.
Die Saatstärke ist bei Wechselwiesenmischungen höher als bei Dauerwiesenmischungen und sollte mindestens 35 bis 40 Kilogramm pro Hektar betragen.
Ertragsausfälle vermeiden
Bei Neuansaaten und Übersaaten sollten immer Saatgutmischungen verwendet werden, die den Südtiroler Verhältnissen angepasst sind. Ansonsten besteht die Gefahr, dass beispielsweise nicht winterharte, schneeschimmel- oder kleekrebsanfällige Sorten eingesetzt werden und es somit zu Ertragsausfällen kommen kann. Für die Bedarfsermittlung und die entsprechende Auswahl der Saatgutmischung stehen die Berater des BRING zur Verfügung.