Produktion, Innovation | 17.03.2016

Auf Aquakultur gut vorbereiten

Die nachhaltige und lokale Produktion von Speisefischen und anderen wasserlebenden Tieren stellt einen potentiellen bäuerlichen Erwerbszweig dar. Was vor dem Einstieg in die Produktion unbedingt zu beachten ist, fasst der folgende Beitrag zusammen. von Lukas Unterhofer, SBB-Abteilung Innovation & Energie

Der Selbstversorgungsgrad mit Speisefischen ist in Südtirol zurzeit noch sehr gering.

Der Selbstversorgungsgrad mit Speisefischen ist in Südtirol zurzeit noch sehr gering.

Die Nachbarn im Trentino, in Österreich und der Schweiz haben es schon gewagt: den Einstieg in die erwerbsmäßige Speisefischproduktion. Ausgehend von einem Hobbyteich oder einem Teich für die Eigenversorgung, kann die Speisefischzucht bei entsprechenden Voraussetzungen durchaus auch als Neben- und Haupterwerb geeignet sein. Die Sensibilität der Konsumenten für nachhaltig, extensiv und lokal produziertem Speisefisch ist ohne Frage gegeben. Intensive Speisefischzuchten stehen zunehmend in der Kritik, die Überfischung der Weltmeere ist ein hochaktuelles Thema. Zugleich steigt der Konsum von Frischfisch und Fischprodukten. Der Selbstversorgungsgrad mit heimischem Speisefisch ist zurzeit in Südtirol äußerst gering. Die Vermarktung von Speisefischerzeugnissen an Einheimische und Gäste könnte daher in Zukunft eine neue attraktive Erwerbsmöglichkeit darstellen.

Grundvoraussetzungen prüfen
Über die Voraussetzungen für den Einstieg in diesen Erwerbszweig haben sich kürzlich über 60 Interessierte bei einer Veranstaltung des Südtiroler Bauernbundes informiert. Markus Payr, selbst Fischzüchter und Obmann des Vereins der Kärntner Fischzüchter, zählte einige Punkte auf: „Bevor Investitionen getätigt werden, sind einige grundlegende Dinge zu klären. Dazu gehören die Standortvoraussetzungen, der Absatzmarkt, das Fachwissen sowie die Leidenschaft und das Interesse von Seiten des Betriebsleiters und dessen Familie.“ Bei wenigen Erwerbszweigen spielt ein einziger Faktor eine so große Rolle wie bei der Speisefischzucht: Wassermenge und -qualität (v.a. Sauerstoff, Temperatur, pH-Wert) entscheiden darüber, welche Fischarten mit welcher Besatzdichte am Standort grundsätzlich geeignet sind. Eine erwerbsmäßige Speisefischproduktion setzt in der Regel das Vorhandensein einer entsprechenden Wassermenge voraus. Vor allem lachsartige Fische benötigen ganzjährig viel frisches Wasser (Richtwert: 100 kg Produktion pro Sekundenliter ohne künstliche Belüftung bei geeigneter Wassertemperatur und -qualität).

Nachhaltig produzieren
Die Haltung von Speisefischen kann in Teichen, Fließkanälen oder technisch aufwendigeren Kreislaufanlagen erfolgen. Markus Payr erklärte dazu: „Grundsätzlich sind nachhaltige und extensive Haltungssysteme mit möglichst geringem technischen Aufwand und unter Einsatz von hochwertigem Futter zu bevorzugen.“ Eines muss Neueinsteigern klar sein: Trotz insgesamt relativ geringem Arbeitsaufwand bedarf die Speisefischzucht regelmäßiger Kontrollen und Tätigkeiten – ein Zu- oder Nebenerwerb ist daher damit gut abzustimmen. Kleinste Unregelmäßigkeiten z.B. bei der Wasserqualität und Wasserzufuhr oder Krankheiten können empfindliche Ausfälle und finanzielle Einbußen zur Folge haben.

Verarbeiten und vermarkten
Neben dem Verkauf von Frischfisch oder filetiertem Fisch kann das Verarbeiten zu Produkten wie Räucherfisch, gebeiztem Fisch, Fischaufstrich usw. interessant sein. Susanne Linecker, Beraterin für Direktvermarktung berichtete von der Alpe-Adria-Fischprämierung, welche von der Landwirtschaftskammer Kärnten organisiert wird. Bei dieser zeige sich alljährlich, wie vielfältig die Verarbeitungsmöglichkeiten sind.
Ob die Vermarktung von Speisefisch ab Hof, auf dem Bauernmarkt oder an die Gas-tronomie, den Einzel- oder Großhandel sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen betrieblichen Situation ab.
Jede Vermarktungsschiene hat Vor- und Nachteile und bringt unterschiedlichen Organisations- und Investitionsaufwand mit sich. Franz Hintner vom tierärztlichen Dienst beschrieb die verschiedenen Veterinär- und Hygienebestimmungen, die zu beachten sind. Auf jeden Fall sollte die Vermarktungsstrategie bereits vor einem Einstieg in die Produktion bedacht werden.
Dass in der Gastronomie die Zukunft nicht nur dem Speisefisch gehört, prophezeite Herbert Hintner, Spitzenkoch vom Restaurant zur Rose: „Der Flusskrebs könnte in der höheren Gastronomie in Südtirol zukünftig die Garnele ablösen.“

Wasserkonzession einholen
Jede Form der Nutzung von Wasser für Aquakulturanlagen bedarf einer zeitbegrenzten wasserrechtlichen Konzession, wie von den Vertretern der Landesämter für Gewässernutzung und Gewässerschutz ausgeführt wurde. Um nicht unnötig Zeit und Kosten einzusetzen, ist es ratsam, frühzeitig mit den zuständigen Ämtern Kontakt aufzunehmen und Experten hinzuzuziehen. Dem Konzessionsansuchen vorangestellt werden sollte dabei auch eine detaillierte, technisch-wirtschaftliche Planung des Vorhabens.
Im Rahmen des Konzessionsansuchens selbst ist ein technischer Bericht samt Karten und Plänen einzureichen, wie Thomas Senoner vom Amt für Gewässernutzung schilderte.

Chance Quellwasser
Der Zustand des genutzten Gewässers darf durch die Aquakultur allgemein nicht verschlechtert werden, was durch entsprechende Vorkehrungen erreicht werden kann.
Grundsätzlich sind Wasserentnahmen, ausgehend von Oberflächengewässern gegenüber Entnahmen von Grundgewässern zu bevorzugen. Neben der Ableitung von Fließgewässern können speziell Quellen eine passende Möglichkeit der Wassernutzung darstellen, wie von den zuständigen Landesämtern bestätigt wurde.

Einstieg sorgfältig vorbereiten
Die Speisefischzucht ist eine langfristige Investition mit vielfältigen Einflussfaktoren. Neueinsteiger mit gegebenen Grundvoraussetzungen sollten daher behutsam in den Erwerbszweig starten, um langsam erste Erfahrungen zu sammeln. Dies bekräftigten auch die beiden Speisefischzuchtbetriebe aus dem Trentino und Kärnten, welche ihre Betriebe bei der Veranstaltung vorstellten. Bei entsprechendem Erfolg und Begeisterung kann der Zweig später ausgebaut werden.

Weitere Schritte
Der Bauernbund arbeitet derzeit gemeinsam mit dem Versuchszentrum Laimburg und weiteren Experten verschiedene, für die Aquakultur essentielle Themen auf. Dazu gehören die rechtlichen Rahmenbedingungen wie das Wasserrecht, nachhaltige Haltungssysteme oder die Wirtschaftlichkeit von Anlagen. Die Ergebnisse dieser Arbeiten werden in Workshops vorgestellt.
Um den Interessierten nähere Einblicke in den Alltag von Aquakulturbetrieben zu gewähren, wird der Bauernbund zudem Lehrfahrten und Besichtigungen von Speisefisch- und Krebszuchten sowie Versuchsanlagen organisieren.