Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 03.03.2016

Wahl bestätigt digitalen Kurs

Manuel Santer bleibt Obmann des Südtiroler Beratungsringes für Obst- und Weinbau. Am Donnerstag vergangener Woche wurde er mit überwältigender Mehrheit im Amt bestätigt. Damit setzt der Beratungsring weiterhin auf einen Ausbau der digitalen Dienstleistungen. von Guido Steinegger

Ihnen vertrauen die Mitglieder: (v.l.) Michael Bradlwarter (Stellv. Weinbau), Manuel Santer (Obmann), Peter Reisinger (Stellv. Obstbau). (Foto: Beratungsring für Obst- und Weinbau)

Ihnen vertrauen die Mitglieder: (v.l.) Michael Bradlwarter (Stellv. Weinbau), Manuel Santer (Obmann), Peter Reisinger (Stellv. Obstbau). (Foto: Beratungsring für Obst- und Weinbau)

Würde man Manuel Santer ausschließlich auf seinen digitalen Erneuerungswillen reduzieren, täte man ihm Unrecht. Dennoch ist seit seinem Amtsantritt unübersehbar: Die vielfältigen Möglichkeiten von Handy, Tablet, Computer usw. will er voll nutzen.
Die Mitglieder scheinen den Kurs dankbar anzunehmen. Vor vier Jahren war Santer – als sehr junger Obmann – erstmals gewählt worden. Vergangene Woche nun hat ihn die Generalversammlung des Beratungsrings für Obst- und Weinbau eindrucksvoll bestätigt: Überwältigende 91 von 92 abgegebenen Stimmen hat er erhalten. Auch Peter Reisinger, Obstbauer aus Laas, erhielt als neuer Obmann-Stellvertreter im Obstbau mit 89 Stimmen einen deutlichen Vertrauensvorschuss.
Michael Bradlwarter, Wein- und Obstbauer aus Gries/Bozen, wurde mit 76 Stimmen
als Obmann-Stellvertreter im Weinbau bestätigt.

Positive Bilanz
Santer zog eine positive Bilanz seiner ersten Amtszeit: Vor allem im bereits genannten digitalen Bereich hat er die Serviceleistung für die Mitglieder ausgebaut und beschleunigt. Herzstück ist die Beratungsring-App: Unzählige Daten und Funktionen rund um Obstbau, Weinbau und Sonderkulturen können die Mitglieder hier einsehen und nutzen. Neueste Errungenschaft ist die Feuerbrand-Funktion, sie gibt Auskunft über den Befallsdruck der ausgewählten Wetterstationen.

Auch Rückschläge gemeistert
Wer Neues wagt, ist auch vor Rückfällen nicht gefeit. Auch das musste Santer erleben, als das erste Programm für das Online-Betriebsheft nicht funktionierte. Offen hatte er sich dafür vor zwei Jahren für diesen „digitalen Super-Gau“ entschuldigt. Nach erfolgreichem Umstieg auf ein anderes Programm konnte er nun verkünden: „Das Online-Betriebsheft funktioniert zu unserer vollen Zufriedenheit und erweist sich als sehr anwenderfreundlich.“ Es kann also so weitergehen, sagte Santer und versprach: „Die Ideen gehen uns nicht aus. Wir können nur nicht alles gleichzeitig verwirklichen und arbeiten die Ideen nach Prioritätenliste ab.“ Eine davon ist, den Lagerbestand online abfragen zu können.

Synergien mit Kellereien ausgebaut
Aber auch bei der klassischen Beratung am Feld geht der Beratungsring kontinuierlich seinen Weg: Die Zusammenarbeit mit den Kellereigenossenschaften hat er ausgebaut. Dazu gekommen ist 2015 die Kellereigenossenschaft Meran Burggräfler: Auch sie erarbeitet nun gemeinsam mit dem Beratungsring  konkret auf ihre Mitglieder abgestimmte Programme. Noch nicht voll mit dabei sind die zwei großen Kalterer Kellereien – deren Fusion aktuell auf Hochtouren läuft – und die Kellerei Tramin. „Aber sie werden bereits unser Pflanzenschutz-Programm mit nutzen“, sagte Santer.

Intensivkurse kommen gut an
Neben den üblichen Weiterbildungsveranstaltungen hat der Beratungsring vergangenes Jahr zudem auch Intensivkurse angeboten. So haben die Mitglieder die Möglichkeit, sich mit den Beratern einmal intensiv zu nur einem Thema auszutauschen – z. B. zum Schnitt von Apfelbäumen, zur Führung des Betriebsheftes und zum verlustarmen Sprühen. All diese Kurse waren sehr gut besucht.
Wichtig ist dem Beratungsring-Obmann auch die Zusammenarbeit mit allen wichtigen Partnern – Forschung, Vermarktung, Qualitätskontrolle, Interessensvertretung, Politik und Verwaltung usw.: „Hin und wieder quietschen die Zahnräder, aber insgesamt funktioniert die Zusammenarbeit für unsere gemeinsamen Auftraggeber, die Bauern, gut.“

Ruhe bewahrt und sachlich geblieben
Auf ein anderes Verdienst hat Santers Vorgänger Peter Brigl hingewiesen. Denn die öffentliche Kritik am Obstbau machte Santers erste Amtsperiode zu vier schwierigen Jahren: „Der Obstbau steht stark unter Beschuss, ja wird öfters auch durch den Kakao gezogen.“ Da sei es schwierig, Ruhe zu bewahren. „Du und dein Team, ihr seid sachlich geblieben und habt seriöse Arbeit geleistet“, lobte Brigl.

Ein gutes Obst- und Weinjahr
Die Bilanz über die Tätigkeiten des vergangenen Jahres zog Ring-Koordinator Robert Wiedmer: „Für die Marillen- und Kirsch-Produzenten war es ein sehr gutes Jahr, aber auch die Apfel- und Weinproduzenten können im Großen und Ganzen zufrieden sein.“ Einziger Wermutstropfen sei die Sorte Gala. Hier gibt es im Lager nämlich etwas mehr Ausfälle als in anderen Jahren. Auch in einigen Rebanlagen war es zu einem Produktionsausfall gekommen. Ein Pflanzenschutzmittel hatte diese Schäden verursacht – wie der Beratungsring gemeinsam mit dem Versuchszentrum Laimburg in umfassenden Erhebungen nachweisen konnte.
Die wichtigen Krankheiten Apfeltriebsucht, Feuerbrand und Kirschessigfliege traten im vergangenen Jahr kaum auf; es gab deswegen keine größeren Ausfälle. Sie bleiben aber eine ständige Bedrohung und werden weiterhin intensiv verfolgt.
Die Anzahl der Mitglieder ist in den jüngsten Jahren leicht auf 6013 Obst- und Weinbauern gesunken. Vor allem kleinere Betriebe haben verpachtet oder an Betriebsleiter übergeben. Die betreuten Flächen hingegen sind weiterhin konstant.

Grußworte und Dank
Die Ehrengäste – Apfelkonsortium-Obmann Georg Kössler, Weinkonsortium-Präsident Max Niedermayr und Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler – lobten die gute Zusammenarbeit und die Kompetenz dieses wichtigen Partners, der wesentlich zum Erfolg der Südtiroler Obst- und Weinwirtschaft beiträgt.
Einen Dank richtete der Beratungsring an Karl Huber und Bernhard Botzner für ihre langjährige Mitarbeit sowie an Klaus Elsler, Erich Tauber, Sepp Mair, Martin Gufler, Werner Zanetti und Klaus Gruber für ihre langjährige ehrenamtliche Mitarbeit und ihren Einsatz im Vorstand.