Betriebsberatung, Südtiroler Landwirt | 03.03.2016

Fakten zur Wirtschaftlichkeit des Südtiroler Obstbaus

Niedrige Auszahlungspreise bei steigenden Produktionskosten drücken auf das Betriebsergebnis vieler Obstbauern. Es gibt aber große Unterschiede zwischen einzelnen Betrieben, wie die Buchführungsauswertung der vergangenen Jahre zeigt. von Andreas Mayr, SBB-Betriebsberatung

Südtirols Obstbau steht ständig vor neuen Herausforderungen. Ob er weiterhin in Blüte bleibt, liegt vor allem an den Obstbauern.

Südtirols Obstbau steht ständig vor neuen Herausforderungen. Ob er weiterhin in Blüte bleibt, liegt vor allem an den Obstbauern.

Ein Blick auf die Auszahlungspreise der letzten Jahre führt jedem Obstbauer deutlich vor Augen, wie die Marktlage Höhen und Tiefen bewirkt. Denn es zeigt sich einmal mehr, dass der Apfelpreis inzwischen das Ergebnis eines globalisierten Marktes ist.
Analysiert man die jährlichen Obsterlöse der freiwilligen Buchführungsbetriebe des Südtiroler Bauernbundes, so lassen sich aber markante Unterschiede zwischen den ausgewerteten Betrieben feststellen: Auch über einen langjährigen Jahresschnitt schwanken die Erlöse vom Durchschnittswert um
+/–25 Prozent ab, d. h., zwischen dem oberen und unteren Drittel der ausgewerteten Betriebe liegen bis zu 50 Prozent Unterschied bei den Erlösen. Die absoluten Unterschiede, d. h. der Wert zwischen bestem und schlechtestem Betrieb, sind wiederum signifikant höher und können auch bis zu 80 Prozent betragen.

Signifikante Unterschiede
Interessant zu beobachten ist dabei, dass die großen Spannweiten zwischen guten und weniger guten Betrieben über die Jahre hinweg annähernd gleich bleiben, also auch in Jahren mit guten Preisen, in denen normalerweise geringere Qualitäten noch verhältnismäßig akzeptable Preise erzielten.

Sortenspiegel, Hektarerträge und Qualität ausschlaggebend
Die teilweise erstaunlichen Unterschiede lassen sich demzufolge nicht bloß auf die jeweilige Marktlage mit den jährlich völlig unterschiedlichen Ausgangssituationen zurückführen. Denn auch der Sortenspiegel eines Betriebes, die eingefahrene Erntemenge pro Hektar sowie das erzielte Qualitätsniveau der Äpfel beeinflussen die Erlössituation eines Betriebes signifikant. Bekanntlich können die Preisunterschiede zwischen einzelnen Apfelsorten sehr hoch sein. Nicht zuletzt deshalb stellt sich für viele Betriebe die Frage nach dem idealen Sortenspiegel für die Zukunft. In diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein Vergleich der Preisentwicklungen zwischen konventionell und biologisch produzierten Äpfeln. Dabei kann festgestellt werden, dass das Preisniveau für Bioware je nach Sorten im Schnitt zwischen 15 und 25 Prozent über dem von konventionellem Obst lag.
Die Abweichungen bei den Ertragsmengen zwischen vergleichbaren Betrieben sind ebenso beachtlich, wobei dafür vielfältige Ursachen verantwortlich sein können (Blütenansatz, Blühverlauf, Witterung, Fruchtgröße, Sorte usw.). Unabhängig davon kann bezüglich der erzielten Höchsterträge im Südtiroler Obstbau wohl allmählich vom Ende der Fahnenstande ausgegangen werden, d. h., geringe Apfelpreise und steigende Kosten können wohl kaum mehr mit steigenden Ertragsmengen kompensiert werden.

Erlös ist wichtig, Produktionskosten aber auch
Die Erlössituation ist jedoch nur ein Teilaspekt des Betriebsergebnisses, wenn auch ein sehr wichtiger. Genauso bedeutend sind aber die Produktionskosten. Bei den variablen Kosten (Barauslagen), also jene Kosten, die tatsächlich auf die Höhe des Kontostandes niederschlagen, haben sich in den vergangenen Jahren einige besorgniserregende Entwicklungen ergeben: Den Löwenanteil der Barauslagen bilden die Lohnkosten, welche im Schnitt mit rund 35 Prozent zu Buche schlagen. Die Buchführungsdaten zeigen über die letzten zwölf Jahre einen unverhältnismäßig starken Anstieg der Lohnkosten von nahezu 60 Prozent. Konkret betrug die Zunahme der Lohnkosten seit 2003 im Schnitt rund 1500 Euro pro Hektar.

Stark variable Gesamtarbeitszeit
Die Unterschiede in der Gesamtarbeitszeit können bei an und für sich vergleichbaren Betrieben erheblich sein und betragen zwischen dem oberen und dem unteren Drittel der Betriebsergebnisse oft bis zu 60 Prozent. Die Ursache dafür liegt wohl beim Hauptarbeitsgang, der Ernte, die je nach Organisationsform, Sorte, Mechanisierungsgrad und der damit einhergehenden Pflückleistung unterschiedlich aufwändig sein kann. Aber auch das Ausdünnen von Hand ist ein erheblicher Lohnkostenfaktor: Da kann es große Unterschiede zwischen den einzelnen Jahren geben.
Nicht zuletzt hat auch die Möglichkeit des Einsatzes von kombinierten Maschinenverfahren, das Ausmaß der Parzellierung und die Distanz zwischen den Flächen großen Einfluss auf die Arbeitszeit. Diese Punkte sind häufig auch die limitierenden Faktoren, wenn es um die Frage der idealen Betriebsgröße geht. Die hat sich primär daran zu orientieren, inwieweit der Betriebsleiter seine Arbeitszeit langfristig optimal einsetzen kann, sprich wie viel Fläche er – bis auf Ernte und Handausdünnung – selbst erledigen kann (Vollauslastung seiner Arbeitskapazität). Für Betriebe, die in dieser Hinsicht eine klare Wachstumsstrategie anstreben, spielt die Verfügbarkeit von Flächen – insbesondere das lokale Angebot von Pachtflächen – eine entscheidende Rolle. In diesem Bereich muss sich aber noch herausstellen, ob in absehbarer Zeit ein Strukturwandel eintritt und Flächen von Kleinbetrieben verstärkt zur Pacht angeboten werden.

Erfolgreicher Weg: nur betriebswirtschaftlich zu finden
Die betriebswirtschaftlichen Fakten zeigen unmissverständlich auf, dass Erfolg und Misserfolg bei der Bewirtschaftung von Obstanlagen sehr nahe beisammen liegen. Bereits kleine Unterschiede bei einem der Schlüsselfaktoren Preis, Qualität, Menge, Kosten können große Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit haben.
Ob eine Anlage gute Renditen oder rote Zahlen abwirft, hängt stark vom Können und der Erfahrung des Betriebsleiters ab. Ein erfolgreicher Weg lässt sich auch heute noch finden, nur ist dieser Weg relativ schmal. Und: Er muss betriebsspezifisch gefunden werden. Apfelproduktion als Erwerbsquelle ist heute mehr denn je Profisache, denn der Betriebsleiter hat mit Ausnahme des Preises auf alle Schlüsselfaktoren Einfluss.