Südtiroler Landwirt, Politik | 18.02.2016

Chancen zur Zusammenarbeit nutzen

Eine landesweite Erhebung auf 132 Bauernhöfen zeigt, dass bei der überbetrieblichen Zusammenarbeit noch Potential besteht, vor allem in der Grünlandbewirtschaftung. Studenten der Freien Universität Bozen haben sich eingehend mit dem Thema beschäftigt. von Christian Fischer, Freie Universität Bozen

Vor allem in der Grünlandwirtschaft sollten noch mehr bäuerliche Betriebe die Chancen zur überbetrieblichen Zusammenarbeit nutzen. (Foto: Stephanie Hofschlaeger, www.pixelio.de)

Vor allem in der Grünlandwirtschaft sollten noch mehr bäuerliche Betriebe die Chancen zur überbetrieblichen Zusammenarbeit nutzen. (Foto: Stephanie Hofschlaeger, www.pixelio.de)

Betriebskooperationen gelten als wirkungsvolle Strategie, kleine Betriebe wettbewerbsfähig zu halten. Durch Nutzung von Synergien können Kosten gespart, Umsätze erhöht, Wissen ausgetauscht und Kapital effizienter eingesetzt werden. Den Vorteilen der Zusammenarbeit stehen allerdings Koordinierungskosten gegenüber – und Kooperationen schaffen nur dann Wettbewerbsvorteile, wenn sie gut organisiert und geführt werden.
Im Frühjahr 2015 befragten 36 Studierende des Bachelor-Studiengangs „Agrarwissenschaften und Umweltmanagement“ der Uni Bozen Betriebsleiter nach deren Einstellungen und Einschätzungen zur überbetrieblichen Zusammenarbeit mit Nachbarn und anderen Bauern. Die Studierenden besuchten jeweils drei bis vier Gemeinden im Passeiertal, Gadertal, Burggrafenamt, Unterland und Antholz.

Fokus auf der Produktionstätigkeit
Ziel des Studienprojekts war es herauszufinden, wie es um die betriebliche Zusammenarbeit bestellt ist und wo eventuell noch Möglichkeiten sind, diese zu intensivieren. Aufgesucht haben die Studierenden sowohl Obst- und Weinbau- als auch Grünlandbetriebe. Es ging nur um Kooperationen in der landwirtschaftlichen Produktionstätigkeit, d.h. Verarbeitungs- und Vermarktungsgenossenschaften sowie Bonifizierungs-, Beregnungs- und Bodenverbesserungskonsortien blieben unberücksichtigt.
Die Aussagen der Betriebsleiter können wie folgt zusammengefasst werden:
Die Hälfte der Betriebe ist derzeitig Teil einer Kooperation, wobei vor allem die gemeinsame Maschinennutzung (32 Prozent) und Einkaufsgemeinschaften (acht Prozent) genannt werden. Die überbetriebliche Zusammenarbeit ist verbreiteter im Obst- und Weinbau (67 Prozent) als in der Grünlandbewirtschaftung und Viehhaltung (35 Prozent). Insbesondere Einkaufsgemeinschaften werden im Berggebiet kaum genutzt.
Wirtschaftliche Gründe sind am wichtigsten (92 Prozent) für die Teilnahme an Kooperationen.
Soziale Motive (mehr Freizeit) werden von 20 Prozent und Umweltschutzgründe von zehn Prozent der Betriebe genannt.
Die meisten (62 Prozent) der bestehenden Kooperationen werden informell (ohne Rechtsform) betrieben, ein weiteres Viertel als Körperschaft (Genossenschaft oder Verein). In der Mehrzahl der Fälle (64 Prozent) regelt eine mündliche Vereinbarung die Zusammenarbeit. Eine schriftliche Satzung (Statuten) existiert in 55 Prozent der Fälle und eine Ausstiegsregelung wird in 27 Prozent der Fälle formuliert.
Als wichtigste Erfolgsfaktoren für die gegenwärtigen Kooperationen werden Partnerqualitäten (Zuverlässigkeit, gleiche Gesinnung, Vertrauenswürdigkeit, Einhaltung der Statuten), Führungsqualitäten (gute Kommunikation und Organisation, gemeinschaftliche Entscheidungen) und das wirtschaftliche Funktionieren der Partnerschaft (tatsächliche Kosten-, Zeiteinsparung und finanzieller Nutzen für alle Beteiligten) angeführt.
Die Hälfte der Befragten, welche noch nicht Teil einer Kooperation sind, wäre offen für eine Mitwirkung in einer solchen (60 Prozent der Grünlandbetriebe und 40 Prozent im Obst- und Weinbau). Ein Drittel dieser Grünlandbetriebe wäre an einer Einkaufsgemeinschaft interessiert. Als Haupthindernisse für eine solche Teilnahme werden fehlendes Vertrauen oder guter Wille in/von möglichen Kooperationspartnern oder strukturelle Gründe (Entfernungen, Alter) angegeben.
Zukünftig werden Kooperationen aber häufiger und einfacher werden – zumindest laut der Einschätzung der Mehrheit (63 Prozent) der Befragten. Verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten und besser ausgebildete Betriebsleiter sind Hauptgründe hierfür.

Chancen und Grenzen aufgezeigt
Die Ergebnisse deuten auf Chancen und Grenzen überbetrieblicher Zusammenarbeit hin. Im Allgemeinen sind Kooperationen schon relativ verbreitet. Die Befragten sind offen für diese und überzeugt, dass sie weiter an Bedeutung gewinnen. Besonders Einkaufsgemeinschaften in der Grünlandwirtschaft sowie die verstärkte gemeinsame Nutzung von Produktionsmitteln stellen Chancen dar. Dass derzeit viele Kooperationen eher wenig formalisiert sind, scheint riskant. Es bedarf rechtlicher Absicherung und klarer Strukturen für geregelte Zusammenarbeit. Nur gut bestellte Felder bringen reiche Ernte.

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Bauernbund-Preis

Gewinner im Schlerngebiet unterwegs
Zum vierten Mal wurde der Bauernbund-Preis an Studierende der Freien Universität Bozen vergeben. Diese stellten ihre Ergebnisse und Erfolgsfaktoren für zukunftsorientierte Kooperationsmodelle in der Landwirtschaft einer Bewertungskommission vor. Die Jury bestand aus Ulrich Höllrigl, Vize-Direktor des Südtiroler Bauernbundes, Susanna Luggin, Bezirksbäuerin-Stellvertreterin Bozen, Andreas Reden, Landesobmann-Stellvertreter der Bauernjugend, Prof. Christian Fischer und Valerie Bossi Fedrigotti von der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der Freien Universität Bozen und Dozentin Monika Zehetmeier aus Weihenstephan. Die Siegergruppe, die das Schlerngebiet bearbeitete, bestand aus Lukas Bradlwarter, Veronica D’Agostino, Valentina Farinelli, Anna Pfeifer, Stefano Tonini, Martino Vettori und Thomas Zanon.