Politik | 16.02.2016

Wolf und Bär zurück in den Alpen?

Der Europaabgeordnete Herbert Dorfmann und seine bayrische Kollegin Ulrike Müller haben in Brüssel eine Veranstaltung zum Thema „Die Auswirkungen der Rückkehr großer Beutegreifer auf die alpine Landwirtschaft“ organisiert, an der Politiker, europäische Interessenvertreter sowie Abordnungen aus dem gesamten Alpenbogen teilnahmen. von Ute Schweigkofler (Pressebüro Herbert Dorfmann)

Herbert Dorfmann mit Südtiroler und Trentiner Vertretern

Herbert Dorfmann mit Südtiroler und Trentiner Vertretern

Ziel der Veranstaltung war es, gesammelte Erfahrungen mit großen Beutegreifern wie Bär, Wolf und Luchs in verschiedenen Regionen in den Alpen auszutauschen und über die Folgen der Wiedereingliederung für die alpine Berglandwirtschaft zu diskutieren. Das Podium war u. a. mit Christian Köpl vom Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten und Jean Pierre Royannez, Präsident des Französischen Landwirtschaftsverbandes FRSEA Rhône-Alpes, hochrangig besetzt.

Die Situation Südtirols stellte Andreas Agreiter, Geschäftsführender Amtsdirektor im Amt für Jagd und Fischerei der Autonomen Provinz Bozen so dar: „Seit mehr als zehn Jahren gibt es wieder Großraumtiere in Südtirol, bis zu sieben Bären halten sich jährlich im Gebiet auf, seit 2010 auch einige Wölfe. Die Stimmung der Bevölkerung gegenüber diesen Tieren hängt stark von aktuellen Ereignissen ab und geht von Verniedlichung bis zu Dramatisierung.“

„Die Alpen haben als Lebens- und Wirtschaftsraum nur Zukunft, wenn eine vernünftige Balance zwischen Schutz und Nutzung gefunden wird. Deshalb muss die Frage erlaubt sein, ob es wirklich richtig ist, dass es bei der Rückkehr von Wolf und Bär europäische Schutzbestimmungen gibt, die die politischen Verantwortlichen und die Bergbauern zum Zuschauer machen, die miterleben müssen, dass Teile ihrer Flächen für Weidenutzung nicht mehr gebraucht werden können, “ sagte Herbert Dorfmann auf der Tagung.

Der Obmann des Südtiroler Bauernbundes Leo Tiefenthaler, der mit einer Delegation des Bauernbundes und des Verbandes der Kleintierzüchter an der Tagung teilnahm, forderte ein effizientes Management der Bärenpopulation. Zum Wolf sagte Leo Tiefenthaler: "Wir wollen in Südtirol keine Wölfe, weil diese mit unserer traditionellen Berglandwirtschaft und Weidehaltung nicht vereinbar sind".

Michele Dallapiccola, Landesrat für Landwirtschaft im Trentino, stellte das Wiederansiedlungsprojekt von Bären im Trentino vor und unterstrich, dass im Trentino Wege gesucht werden, dieses Projekt erfolgreich zu vermarkten und damit auch einen Mehrwert für das Land zu erreichen.

Das Europäische Parlament arbeitet derzeit an einer Bewertung der FFH – Richtlinie, welche einen rigorosen Schutz der großen Beutegreifer in Europa vorsieht. "Wir müssen auch in der europäischen Gesetzgebung eine Balance finden zwischen der Forderung nach mehr Biodiversität und den Anliegen der Bergbauern und auch vieler Menschen finden, die keine Lust haben, in unseren Wäldern Wölfen und Bären zu begegnen.


Bildtext (v.l.n.r.):
Lorenz Müller, Südtiroler Kleintierzüchter
Bernhard Burger, Südtiroler Bauernbund
Leo Tiefenthaler, Landesobmann Südtiroler Bauernbund
Viktor Peintner, Südtiroler Bauernbund
Herbert Dorfmann, MdEP
Andreas Agreiter, Autonome Provinz Bozen
Barbara Mock, Südtiroler Kleintierzüchter
Ulrike Müller, MdEP
Lothar Gerstgrasser, Südtiroler Jagdverband
Claudio Groff, Provinz TN
Michele Dallapiccola,  Landesrat für Landwirtschaft (Provinz TN)