Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 04.02.2016

Klares Profil für kleines Weinland Südtirol

Wenn der Südtiroler Wein am Weltmarkt auftritt, dann muss er das einheitlich tun. Wie man das Wirrwarr um verschiedene Herkunftsbezeichnungen entflechten kann und welche Märkte zunehmend wichtig werden, war Thema auf der Weinbautagung in Eppan. von Bernhard Christanell

Südtiroler Wein muss sich am Weltmarkt von anderen abheben. (Foto: EOS)

Südtiroler Wein muss sich am Weltmarkt von anderen abheben. (Foto: EOS)

Das Weinland Südtirol ist erfolgreich wie nie zuvor. Das liegt zu einem guten Teil auch daran, dass alle Beteiligten in der Südtiroler Weinwirtschaft gute Arbeit leisten – von den Produzenten über die Kellermeister bis hin zu den Vermarktern. Dass es dennoch noch einiges zu tun gibt, zeigte der Marketing-Leiter des Konsortiums Südtiroler Wein, Werner Waldboth, in seinem Referat auf der Weinbautagung. Die Tagung wurde wie gewohnt vom Absolventenverein landwirtschaftlicher Schulen organisiert und fand in der Raiffeisenhalle von St. Michael/Eppan statt.

77 Prozent des Absatzes in Italien
In seiner Position als Marketing-Experte hat Werner Waldboth die Entwicklungen in den Absatzmärkten des Südtiroler Weins gut im Blick: Nach wie vor wird der überwiegende Teil des Südtiroler Weins im eigenen Land und dem restlichen Italien verkauft. Mit 77 Prozent finden immerhin drei von vier Flaschen innerhalb der italienischen Staatsgrenzen ihren Abnehmer. Der größte Exportmarkt – Deutschland – kommt auf rund zehn Prozent. Doch dieses Bild beginnt sich zu wandeln, berichtete Waldboth: „Natürlich werden diese Märkte weiterhin wichtig bleiben. Der Weinkonsum geht in diesen klassischen Absatzländern aber seit Jahren zurück, wir müssen uns also auch neuen Märkten zuwenden.“ Ein Schritt, bei dem die Südtiroler Weinwirtschaft übrigens auch auf die Unterstützung der öffentlichen Hand zählen kann: Landesrat Arnold Schuler nannte bei der Weinbautagung die Werbung in Drittländern einen Schwerpunkt der künftigen Förderpolitik im Sektor Wein.

Herkunft Südtirol besser erklären
Bereits seit Längerem sind die USA, Japan, Russland, die Niederlande und Großbritannien interessante Märkte für den Südtiroler Wein. In jüngerer Zeit sind auch Länder wie China, Kanada sowie andere Staaten in Osteuropa dazugekommen. Die Menschen in den meisten dieser Länder haben eines gemeinsam: Sie können mit dem Begriff Südtirol in der Regel nicht viel anfangen.
Waldboth brachte es in seinem Vortrag auf den Punkt: „Wenn Südtirol auf diesen Märkten erfolgreich sein soll, dann brauchen wir ein klareres Profil. Südtirol muss weltweit als eigenständige Weinbauregion wahrgenommen werden. Das geht nur, wenn wir einheitlich auftreten und klare Botschaften vermitteln!“ Beispiele für solche Alleinstellungsmerkmale, mit denen sich Südtirol von anderen Weinbauregionen unterscheidet, wären der besondere Charakter säurebetonter Weine, die klimatischen Besonderheiten einer Bergregion und das Prädikat der besten Weißweine Italiens.
„Südtirol braucht Leitsorten und sollte verstärkt auf historisch gewachsene Lagenbezeichnungen setzen. Vor allem Letztere sind bei den Konsumenten immer mehr gefragt“, wusste Waldboth zu berichten.

Durcheinander auf den Etiketten
Diese klare Kommunikation der Herkunft Südtirol müsse sich auch bei der Beschreibung auf den Etiketten zeigen. Waldboth brachte das Beispiel einer Weinkarte in einem US-amerikanischen Restaurant, auf dem zwar eine Reihe von Südtiroler Weinen vorhanden waren, aber mit unterschiedlichen Bezeichnungen: „Einmal war von Sudtirol-AltoAdige die Rede, dann wieder von Trentino-Alto Adige, dann von South Tyrol. Kein Konsument versteht, dass es sich um ein und dasselbe Herkunftsland handelt“, kritisierte Waldboth.
Ideal wäre die Bezeichnung „Südtirol-Alto Adige“ – zum einen, weil sich dadurch auch die Geschichte als zweisprachiges Land vermitteln lasse, zum anderen weil „Alto Adige“ nun einmal nach wie vor die international gebräuchliche italienische Bezeichnung sei.
In Südtirol selbst scheint sich der Konsumpatriotismus beim Wein durchgesetzt zu haben. Auch Landesrat Arnold Schuler stellte fest, dass „es kaum noch ein Restaurant gebe, in dem Südtiroler Weine auf der Karte fehlen“. Bei anderen Produkten sei man davon  zum Teil noch weit entfernt.

Neupflanzungen gesichert
Die positive Entwicklung der Südtiroler Weinwirtschaft zeigt sich auch im Willen der Bauern, die Anbauflächen zu erweitern. Im vergangenen Jahr gab es 675 Anträge für Neu- oder Wiederbepflanzungen, das waren rund 100 mehr als im Jahr zuvor.
Beantragt wurden Pflanzungen von rund 140 Hektar, davon 26 Hektar Neupflanzungen. Der Schwerpunkt liegt weiterhin bei den Weißweinsorten.
Landesrat Schuler hatte erfreuliche Botschaften für die Weinbauern: „Bei der Neuregelung der Pflanzrechte ist es uns gelungen, auch für Südtirol die mögliche Ausweitung der Anbaufläche um ein Prozent zu sichern. Das wären nach aktuellem Stand etwa 54 Hektar pro Jahr, der Bedarf sollte damit gedeckt sein.“ Tatkräftig unterstützen will die Landesregierung vor allem den Weinbau in Steillagen – auch um den Weinbau auch als landschaftsprägendes Element zu erhalten. Gestärkt werden soll auch die Forschung am Versuchszentrum Laimburg. So soll im Zuge der ­Neustrukturierung der Laimburg die Produktion in der hauseigenen Kellerei reduziert und dafür der Versuchsbereich ausgeweitet werden.

Resistenzzüchtung beschleunigt
Auch der Vermittlung von aktuellem Fachwissen war bei der Weinbautagung breiter Raum gewidmet. Rudolf Eibach berichtete den Weinbauern über den aktuellen Stand bei der Resistenzzüchtung bei Reben: Die derzeit angebauten pilzwiderständigen Sorten seien das Ergebnis jahrzehntelanger Züchtung und ermöglichen eine deutliche Reduzierung des Pflanzenschutzaufwandes vor allem gegenüber Mehltaukrankheiten.
„Vor allem dank der Fortschritte bei der Erforschung der Genetik der Rebe geht die Züchtung neuer resistenter Sorten rascher vonstatten, der Resistenzgrad ist höher und die Stabilität besser. Dennoch bleibt die Züchtung neuer Sorten eine Frage von Jahrzehnten“, sagte Eibach.

Wuchsstörungen: Ursache entdeckt
Peter Robatscher vom Versuchszentrum Laimburg berichtete von einem Forschungserfolg: In mehreren Versuchen hat die Laimburg nachgewiesen, dass die im vergangenen Jahr vielerorts aufgetretenen Wuchsstörungen im Weinbau auf einen Wirkstoff im Pflanzenschutzmittel „Luna Privilege“ bzw. auf dessen Abbauprodukt zurückzuführen sind. Die Herstellerfirma habe bereits zugesichert, etwaige Ernteausfälle zu entschädigen. Mehr zu diesem Forschungserfolg am Versuchszentrum Laimburg auf S. 55 in dieser Ausgabe des „Südtiroler Landwirt“.
Weitere Fachthemen bei der Weinbautagung waren der fachgerechten Reberziehung zu gleichmäßigen Anlagen, den Ergebnissen des EFRE-Projekts LAGREIN, der Erstellung von Neuanlagen und den Rebvirosen in Südtirol gewidmet.