Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 04.02.2016

Bauernbund plant Zukunft

Wie entwickelt sich die Landwirtschaft und wie wirkt sich das auf die Verbandsarbeit und unsere Dienst-leistungen aus? Landesbauernrat, Geschäftsleitung und Mitarbeiter des Südtiroler Bauernbundes haben sich im Rahmen des Projekts „Strategie 2020“ intensiv mit diesen Fragen beschäftigt. von Ulrich Höllrigl

Die Landwirtschaft wird moderner (s. Bild). Entsprechend muss sich auch der Südtiroler Bauernbund immer neuen Herausforderungen stellen. (Foto: www.agrarfoto.at)

Die Landwirtschaft wird moderner (s. Bild). Entsprechend muss sich auch der Südtiroler Bauernbund immer neuen Herausforderungen stellen. (Foto: www.agrarfoto.at)

Bäuerinnen und Bauern erwarten sich vom Südtiroler Bauernbund zu Recht eine starke Interessenvertretung und qualitativ hochwertige Dienstleistungen. In der Mitgliederbefragung vom letzten Jahr stellten die Mitglieder dem Südtiroler Bauernbund ein sehr gutes Zeugnis aus.
Dieser Erfolg kommt aber nicht von ungefähr: Strategische Planung und Qualitätsanstrengungen zum Wohle der Mitglieder werden im Bauernbund seit jeher groß geschrieben. Aufbauend auf die Projekte „Qualitätsmanagement I“ (2006 – 2007) und „Strategisches Management II“ (2011) ist „Strategie 2020“ bereits der dritte, breit angelegte Prozess, um mittel- und langfristige Ziele und Strategievorgaben für die Zukunft auszuarbeiten. Begleitet wurde „Strategie 2020“ vom Nordtiroler Berater Dietmar Wirth, die Projektleitung hatte Vizedirektor Ulrich Höllrigl inne.
„Strategie 2020“ entstand in rund 20 Workshops unter Beteiligung vieler Funktionäre und Mitarbeiter. Der Ansatz dieses Organisationsprozesses war, dass sich möglichst viele Experten aus Haupt- und Ehrenamt an der Entwicklung der Aufgabenschwerpunkte der nächsten Jahre beteiligen.

Bauernbund stellt sich Herausforderungen
Landesobmann Leo Tiefenthaler ist überzeugt: „Der Bauernbund ist eine sich weiterentwickelnde Organisation, die sich den Herausforderungen der Zukunft stellt.“ Direktor Siegfried Rinner ergänzt: „Unsere Betriebe sind immer komplexer aufgestellt. Das hat Auswirkungen auf die Bedürfnisse der Mitglieder. Und die nehmen wir ernst!“
Abgeleitet von einer Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Analyse und unter Berücksichtigung von Trends und Entwicklungen in der Landwirtschaft sind die strategischen Ziele (oben eine Auswahl) das Herzstück. Die Maßnahmen dienen dazu, die Ziele bis 2020 umzusetzen. „Die strategischen Ziele stellen unter Beweis, wie sehr der Bauernbund auch 111 Jahre nach seiner Gründung mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, sprich die Landwirtschaft im Sinne hat. Sie zeigen aber auch, dass der Bauernbund gleichzeitig den Blick auf den Horizont gerichtet hat“, freut sich Landesobmann Leo Tiefenthaler über das Ergebnis.

Klar definierte Ziele und Maßnahmen
Und dieses Ergebnis kann sich sehen lassen: 26 strategische Ziele mit Zielgrößen, 80 abteilungsübergreifende Maßnahmen und eine Vielzahl von Maßnahmen auf Abteilungsebene. Beschlossen im Rahmen der Landesbauernratsklausur am 22.Jänner 2016. Durch entsprechende Maßnahmen sollen diese Ziele bis 2020 umgesetzt werden. Die Berücksichtigung von europäischen, nationalen und auch Südtiroler Entwicklungen in der Landwirtschaft und im Umfeld ist das Um und Auf. Dafür nutzt der Bauernbund sein gutes Netzwerk und baut es aus.
Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner erklärt: „Die Maßnahmen sind breit gefächert: Sie gehen von der Anpassung des Dienstleistungsangebots aufgrund von zunehmender Diversifizierung und Spezialisierung über die Erarbeitung eines Konzepts zur Rolle der Nebenerwerbslandwirtschaft bis hin zur jährlichen Erstellung eines Bauernbund-Dienstleistungskatalogs.“ Große „Brocken“, die in eigenen Projekten angegangen werden, sind die Weiterentwicklung des Beratungsmodells des Bauernbundes in Richtung individuellere Betreuung und eine Strategie zur Informationstechnologie inklusive Online-Diensten für die Mitglieder.
Mit Abschluss des Projekts beginnt nun die Umsetzung: Die strategischen Maßnahmen fließen in den nächsten Jahren in die jährlichen Betriebsziele und in die Mitarbeitergespräche ein. Damit schließt sich der Kreis. Am Ende steht der Umsetzungserfolg zum Wohle der Mitglieder.

"STRATEGIE 2020" - DIE ZIELE

Die wichtigsten Mitgliederziele 2020

- Wir steigern die Wertschöpfung am Hof entweder durch Spezialisierung oder durch Diversifizierung.
- Wir erhalten eine flächendeckende, nachhaltige Landwirtschaft, betrieben von möglichst vielen Familienbetrieben.
- Wir forcieren die Mitgliederbindung und erhalten die Mitgliederzufriedenheit.
- Wir optimieren und bauen bedarfsgerecht und innovativ die individuellen (Beratungs-)Dienstleistungen aus und standardisieren diese.
- Wir erhalten die Identifikation der Mitglieder und Funktionäre mit dem Südtiroler Bauernbund.

Ziele für Netzwerk und Verbund 2020
- Wir steigern das Verständnis für die landwirtschaftliche Arbeit und erhöhen die Sympathie für die Bäuerinnen und Bauern in der Südtiroler Gesellschaft.
- Wir verbessern die Lage der landwirtschaftlichen Betriebe durch die Findung von gemeinsamen Zielen und eine verbesserte Zusammenarbeit mit der landwirtschaftlichen Politik und der landwirtschaftlichen Verwaltung.
- Wir stärken und vertiefen das Netzwerk mit den (Sozial)Partnern, Vereinen bzw. anderen Institutionen und Organisationen zur Stärkung des ländlichen Raumes und der landwirtschaftlichen Betriebe.
- Wir sichern die Vertretung des Bauernstandes auf allen politischen Ebenen.
- Wir erhalten die Zusammenarbeit im Verbund der bäuerlichen Organisationen, Gärtnervereinigung, Bäuerlicher Notastandsfonds (BNF), Verein freiwillige Arbeitseinsätze (VFA) und Maschinenring und bilden damit die gesamte bäuerliche Welt ab.

Organisationsziele 2020
- Wir erhöhen die Anzahl der Dienstleistungen, die wir online anbieten, und die Anzahl der Nutzer und sichern gleichzeitig die Betreuung der nicht-IT-affinen Mitglieder.

Mitarbeiter- und Führungskräfteziele 2020
- Wir fördern eine gute Betriebskultur und ein gutes Betriebsklima und leben nach bäuerlichen Werten.

Finanzziele 2020
- Wir erhalten langfristig unsere solide Finanzgebarung unter Berücksichtigung der strategischen Ausrichtung.