Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 21.01.2016

Tierwohl zahlt sich aus

Nur Tiere, die gesund sind und sich wohlfühlen, können die erwarteten Leistungen erzielen. Investitionen in eine tiergerechte Haltung sind darum auch wirtschaftlich sinnvoll. Dem Thema Tierwohl war die diesjährige neunte Berglandwirtschaftstagung des BRING im Forum Brixen gewidmet. von Tobias Egger

Auch die neunte Auflage der Berglandwirtschaftstagung im Forum Brixen war sehr gut besucht. (Foto: BRING)

Auch die neunte Auflage der Berglandwirtschaftstagung im Forum Brixen war sehr gut besucht. (Foto: BRING)

Daniel Gasser, Obmann des Beratungsrings für Berglandwirtschaft BRING, begründete die Wahl des Themas: „Tiergesundheit und Tierwohl haben viel an Bedeutung gewonnen.“ Immer mehr Konsumenten achten darauf, dass Milch, Fleisch und andere Produkte von einem gesunden und artgerecht gehaltenen Tier stammen. „Genauso wichtig ist die tiergerechte Haltung für uns Landwirte“, unterstrich Gasser. Denn nur ein gesundes Tier liefert ein qualitativ hochwertiges Produkt und die erwartete Leistung.
Mathias Gauly, Professor für Nutztierhaltung an der Universität Bozen, betonte, dass eine tiergerechte Haltung Voraussetzung für eine wirtschaftlich erfolgreiche Milchviehhaltung ist: „Investitionen in das Tierwohl zahlen sich aus, da dadurch die Milchleistung der Kühe steigt und die Kosten sinken.“

Beispiele für Einfluss von Tierwohl auf Wirtschaftlichkeit
Gauly machte diesen Zusammenhang anhand von Beispielen deutlich. So wirken sich eine optimale Milchversorgung und Umweltgestaltung in der Aufzuchtphase nachhaltig auf die spätere Leistungsfähigkeit von Kühen aus. Untersuchungen gebe es auch zur Frischluftzufuhr in den Ställen: Ist diese zu gering, drohen den Tieren Erkrankungen an Lungen, Magen, Darm und ein schlechtes Immunsystem mit den entsprechenden Ausfällen und Kosten.
Positiv auf die Milchleistung wirken sich laut Studien auch die Anzahl der Liegeboxen und ihre Gestaltung aus. Ist mindestens ein Liegeplatz je Milchkuh vorhanden, erhöht dies die Jahresmilchleistung einer Kuh erheblich.
Bereits der Umstieg von einer harten Unterlage auf eine weiche Matte amortisiere sich nach einiger Zeit. Zudem werde ein langes Stehen der Kühe vermieden, was Klauenkrankheiten vorbeuge. „Mehr Liegeboxen sind nicht nur tiergerechter, sondern auch wirtschaftlich attraktiver“, unterstrich Gauly.

Landwirt ist entscheidender Faktor
Als ein zentrales Element für das Tierwohl bezeichnete Gauly die Beobachtung und Betreuung der Tiere durch den Landwirt. „Kleine Betriebe haben hier Vorteile, da sich der Tierhalter in der Regel besser um das einzelne Tier kümmern kann.“ Studien belegen, dass eine hohe Sensibilität und Fürsorge für die Kühe zu einer höheren Milchleistung führen.  
Gauly rief die Bauern auf, Möglichkeiten zur Optimierung der Tierhaltung zu nutzen. Diese seien in jedem Betrieb anders gelagert. Beratung und Hilfe bieten der Tierarzt oder der Beratungsring BRING.

Auf Kuhsignale achten
Häufig sind es kleine Anpassungen im Stall, die das Wohlbefinden der Tiere wesentlich erhöhen. Das zeigte Christian Manser, Kuhsignaltrainer in der Schweiz, anhand von Praxisbeispielen auf.
Als Beispiele nannte er das Herausnehmen der Fenster, das Beseitigen störender Stallelemente, die Auslage eines rutschfesten Teppichs oder die Verlängerung einer zu kurzen Schwanzschnur.
„Das Verhalten der Kühe gibt uns Aufschluss über ihr Wohlbefinden“, erklärte Manser, „Indem wir auf ihre Signale achten, können wir störende Hemmnisse erkennen und beseitigen.“ Das gesteigerte Wohlbefinden der Kühe wirke sich in einer höheren Leistungsfähigkeit und damit positiv auf die Wirtschaftlichkeit des Betriebes aus. „Und auch der Bauer hat dann mehr Freude an seinen Tieren“, unterstrich Manser.
Konsumenten schätzen tiergerechte Haltung
Tierwohl wird auch von den Konsumenten geschätzt und als wichtig erachtet. Das zeigte eine Online-Umfrage unter 1000 Südtirolern, vorgenommen im Frühjahr 2015 von der Absolventin des Studiengangs Agrarwissenschaften der Universität Bozen, Eva Siller, in Zusammenarbeit mit der Südtiroler Verbraucherzentrale.
Demnach sind 93 Prozent der Befragten überzeugt, dass Produkte von artgerecht gehaltenen Tieren gesünder sind. Milchprodukte genießen laut der Umfrage das beste Ansehen und werden von den Südtirolern am häufigsten konsumiert. „Ein gutes Zeugnis stellten die Südtiroler Verbraucher der biologischen und der einheimischen Tierhaltung aus“, erläuterte Professor Christian Fischer auf der Tagung.

Forschung zu Grünlandwirtschaft wird ausgebaut
Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler hob in seinen Grußworten die Bedeutung der Forschung hervor. „Mit dem Aktionsplan Berglandwirtschaft haben wir die Forschung im Bereich der Grünlandwirtschaft intensiviert, um die Bauern zu unterstützen.“
Dabei hob Schuler die Rolle des BRING als wichtiges Bindeglied zwischen Forschung und Bauern hervor. Hinsichtlich der Förderungen für die Berglandwirtschaft bedauerte der Landesrat einmal mehr die Verzögerungen bei der Auszahlung der Beiträge.
Insgesamt habe man in der neuen Amtsperiode aber mehr Geld für die Grünlandwirtschaft, und hier besonders die extreme Berglandwirtschaft, bereitgestellt. Landesrat Schuler unterstrich auch die Wichtigkeit, der Gesellschaft den Wert der Landwirtschaft besser zu erklären.
Weitere Themen der Tagung waren die neue Stallbauförderung sowie Vor- und Nachteile von Kompostställen.