Südtiroler Landwirt, Arbeitsberatung | 21.01.2016

Einige Neuerungen für Arbeitgeber

Das italienische Stabilitätsgesetz wirkt sich unter anderem auch auf landwirtschaftliche Betriebe aus, die Arbeiter beschäftigen. Die SBB-Abteilung Arbeit/Löhne hat folgenden Überblick zusammengestellt.

Ob Lohnzahlungen, Sozialabgaben, verpflichtende Vaterschaftstage oder die Möglichkeit der Arbeitnehmer, einige Jahre vor der Pensionierung von Vollzeit auf Teilzeitbeschäftigung umzustellen: Die Änderungen des italienischen Stabilitätsgesetzes für 2016 betreffen auch Arbeitgeber in der Landwirtschaft. Hier die Neuerungen im Einzelnen.

Bargeldgrenze Lohnzahlungen
Die Bargeldgrenze wird von 1000 auf 3000 Euro erhöht. Davon sind auch die Lohnzahlungen an die Arbeitnehmer betroffen. Somit können Arbeitgeber dem Arbeiter seit 1. Jänner Lohnzahlungen bis zu maximal 2.999,99 Euro in bar aushändigen. Das Limit gilt – wie bei der Bargeldgrenze von 1000 Euro – pro Lohnstreifen und bezieht sich immer auf den auszubezahlenden Nettobetrag. Lohnzahlungen, die gleich oder höher als 3000 Euro sind, müssen weiterhin mit einem rückverfolgbaren Zahlungsmittel getätigt werden. Dazu zählen Zirkularscheck oder Banküberweisung. Jede Barzahlung des Lohns sollte unbedingt vom Arbeiter gegengezeichnet werden.

IRPEF-Ersatzsteuer
Bis zum Jahr 2014 war es möglich gewesen, auf produktivitätssteigernde Lohnelemente den reduzierten IRPEF-Steuersatz von zehn Prozent anzuwenden – beispielsweise für Überstunden und Prämien. 2015 war diese Möglichkeit gestrichen worden. Mit dem Stabilitätsgesetz für 2016 wurde diese Maßnahme nun definitiv wieder eingeführt. Die praktische Anwendung ist allerdings noch nicht möglich, denn die genaue Anwendung des reduzierten Steuersatzes muss erst noch durch ein ministerielles Dekret geregelt werden. Der „Südtiroler Landwirt“ wird rechtzeitig darüber informieren. Neu ist, dass der reduzierte Steuersatz auch bei Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmenserlös anwendbar ist.

Obligatorische Vaterschaftstage
Bereits mit der so genannten Reform Fornero wurde ein obligatorischer Vaterschaftstag eingeführt. Dieser wurde nun auf zwei Vaterschaftstage erhöht. Beide Tage werden zu 100 Prozent vom NISF/INPS vergütet und müssen innerhalb von fünf Monaten ab der Geburt des Kindes genossen werden. Die beiden Tage können hintereinander oder einzeln genossen werden. Zudem stehen noch zwei fakultative Vaterschaftstage zu, die statt der Mutter genossen werden können.      

Teilzeitverträge kurz vor Pensionierung
Arbeitnehmer, die in Vollzeit und auf unbestimmte Zeit beschäftigt sind und mit 31. Dezember 2018 die Voraussetzungen für die Altersrente erreichen, können die Arbeitszeit auf Teilzeit reduzieren. Die wöchentliche Arbeitszeit muss zwischen 40 Prozent und 60 Prozent der Vollzeit liegen. Der Arbeitnehmer muss mit dem Betrieb für die Reduzierung ein Abkommen abschließen. Die genaue Anwendung muss noch mittels eines Dekretes geregelt werden.

Sozialabgaben Separatverwaltung NISF/INPS
Für Inhaber von Mehrwertsteuerpositionen bleibt der Prozentsatz der Sozialabgaben, die an die Separatverwaltung NISF/INPS einbezahlt werden müssen, unverändert bei 27,72 Prozent.
Personen, die in die Separatverwaltung einzahlen müssen und keine Mehrwertsteuerposition haben, bezahlen 31,72 Prozent. Jene Personen, die eine andere Pflichtversicherung haben (z.B. Bauernversicherung) bezahlen ab 2016 24 Prozent.

Beitragsbefreiung wird Beitragsreduzierung
Eine Korrektur gab es bei Arbeitsverhältnissen auf unbestimmte Zeit. Mit dem Stabilitätsgesetz 2015 war dafür eine gänzliche Beitragsbefreiung der Sozialabgaben zu Lasten der Arbeitgeber beschlossen worden.
Das hat der Gesetzgeber mit dem Stabilitätsgesetz 2016 nun abgeschwächt: Für Neuanstellungen auf unbestimmte Zeit gilt im Jahr 2016 nur noch eine Beitragsreduzierung von 40 Prozent. Für landwirtschaftliche Arbeitgeber in Südtirol ist diese Reduzierung nicht anwendbar, da sie bereits in den Genuss der Reduzierung Berggebiet von 75 Prozent kommen.
Das Nationale Institut für Sozialfürsorge NISF/INPS hat festgelegt, dass die beiden Beitragsreduzierungen nicht vereinbar sind. Somit können nur jene Landwirtschaftsbetriebe die Beitragsreduzierung des Stabilitätsgesetzes in Anspruch nehmen, die Arbeitnehmer in anderen Provinzen Italiens beschäftigen – nämlich solchen, die nicht als Berggebiet, sondern als Normalgebiet eingestuft sind.