Wirtschaft | 18.12.2015

Mögliche Lösung gegen Hunger und Flucht

Eine funktionierende kleinbäuerliche Landwirtschaft ist das wirksamste Mittel gegen Hunger. Sie könnte aber auch bei der derzeitigen Flüchtlingskrise eine zentrale Rolle spielen. Ein Bild von der heimischen Landwirtschaft haben sich kürzlich Flüchtlinge in Algund gemacht.

Die Flüchtlinge mit dem Algunder Jungbauer Lukas Unterhofer.

Die Flüchtlinge mit dem Algunder Jungbauer Lukas Unterhofer.

Viele der derzeit in Südtirol lebenden Flüchtlinge stammen aus bäuerlichen Familien oder haben schon in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft gearbeitet. 15 von ihnen haben kürzlich den Valentinhof in Algund besucht. Organisiert wurde der Besuch vom Südtiroler Bauernbund und der Referentin der Flüchtlingseinrichtung „Ex Casa Lavoratore“ Annemarie Volgger.

Landwirtschaft in Herkunftsländern mit großem Stellenwert
Neben einem Rundgang durch den Hof und die Wiesen hat die Familie Unterhofer den Flüchtlingen Produktion, Ernte, Lagerung sowie die Vermarktung des Obstes, der Beeren und des Gemüses auf dem Biobetrieb vorgestellt. Lukas Unterhofer, Jungbauer am Valentinhof, berichtet: „Uns ist aufgefallen, dass viele Flüchtlinge sehr gut über die angebauten Kulturpflanzen Bescheid wussten. Auch waren sie sehr motiviert, mehr über die Landwirtschaft zu erfahren. Die Landwirtschaft  hat in den Herkunftsländern, vor allem afrikanische und asiatische Staaten, einen sehr großen Stellenwert.“
Erstaunt waren die Flüchtlinge über die maschinelle Ausstattung des Betriebs. „In ihren Ländern ist noch viel Handarbeit nötig, Maschinen sind eher die Ausnahme“, erzählt Unterhofer.
Viele der Flüchtlinge würden gerne als Saisonarbeiter in der Landwirtschaft in Südtirol arbeiten. „Einige Flüchtlinge haben uns erzählt, dass sie schon in Europa gearbeitet haben, etwa auf griechischen Feldern“,  erklärt Unterhofer, der selbst Interesse hätte, im nächsten Jahr, falls rechtlich möglich, einige Migranten als Saisonarbeiter am Hof zu beschäftigen. Dadurch hätten sie eine Arbeit und könnten gleichzeitig viel über die Landwirtschaft lernen.

Mangelndes Wissen ist Hauptproblem
Im Gespräch mit den Flüchtlingen wurde deutlich, wo die größten Probleme in der Landwirtschaft in den jeweiligen Ländern liegen: oft unzureichendes Wissen über Anbau, Lagerung und Vermarkung, fehlendes Wasser, kaum Maschinen, keine Lagermöglichkeiten und keine organisierte Vermarktung. Dabei wäre eine funktionierende kleinbäuerliche Landwirtschaft in diesen Ländern enorm wichtig, wie auch Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler betont: „Sie ist das wirksamste Mittel gegen den Hunger und damit indirekt gegen die Migration. Viele Menschen fliehen aus ihren Herkunftsländern, weil es dort zu wenig zu essen gibt. Daher muss die bäuerliche Landwirtschaft in diesen Ländern noch stärker unterstützt werden.“ Der Bauernbund z. B. unterstützt seit einigen Jahren zusammen mit der Caritas, dem Raiffeisenverband Südtirol, Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder und dem Amt für Kabinettsangelegenheiten den Bau eines Schulungs- und Beratungszentrum in Meki/Äthiopien. Dadurch soll Bauernfamilien geholfen werden, besser Landwirtschaft zu betreiben und so die Selbstversorgung der Bevölkerung zu sichern.