Südtiroler Landwirt | 03.12.2015

Regional und artgemäß produzieren

Die Bäuerinnen und die Bauern sind selbst die Hauptakteure für ein positives Image der Landwirtschaft. Die Themen Tierhaltung und Tiergesundheit – also die Themen der folgenden Seiten – spielen dabei auch in unseren Breiten eine zentrale Rolle. von Christian Plitzner, BRING

Wie werden die Tiere gehalten, deren Fleisch wir essen? Diese Frage stellen sich Verbraucher immer öfter. (Foto: www.agrarfoto.at)

Wie werden die Tiere gehalten, deren Fleisch wir essen? Diese Frage stellen sich Verbraucher immer öfter. (Foto: www.agrarfoto.at)

Aktuell steht die Tiergesundheit bei den Konsumentinnen und Konsumenten neben der Herkunft (Regionalität) und dem Anbauverfahren der Produkte ganz weit oben. Die Bevölkerung verliert mehr und mehr den Bezug zur Landwirtschaft. Früher wurden Tiere für das Fleisch an den Betrieben aufgezogen, geschlachtet und verarbeitet und man wusste, wie sie gefüttert und gehalten werden.
Heute sind die Konsumentin und der Konsument von diesem Wissen oft weit entfernt. Das Fleisch im Supermarkt hat meist einen langen Weg und viele Produktionsstätten hinter sich. Wie das Tier sein Leben verbracht hat, wissen die Verbraucher meist nicht. Daher kann man bei den Konsumentinnen und Konsumenten einen Trend in Richtung Re­gionalität beobachten.

Herkunft wichtiger als Produk­tionsart
Für einen großen Teil der Menschen lag die Art der Produktion bis dato im Vordergrund, vor allem bei der jungen, gesundheitsbewussten Generation liegen Lebensmittel aus biologischer Erzeugung ganz weit vorn. Mittlerweile ändert sich dieser Trend jedoch etwas, die Herkunft der Nahrungsgüter spielt eine zunehmend größere Rolle. Lebensmittel, die zwar biologisch produziert, dafür aber um die halbe Welt transportiert werden, tragen eine schwere Last mit sich, ihr ökologischer Fußabdruck ist bedenklich. Daher geht der Trend verstärkt von der biologischen zur regionalen Herkunft der Produkte, im Idealfall wird beides verknüpft.
In den meisten Fällen handelt es sich bei regionalen Betrieben um klein- bis mittelständische Bauernhöfe und Unternehmen am Land, die vom Konsumenten mit tiergerechter Haltung und umweltnaher Produktion in Verbindung gebracht werden.
Die Endverbraucherin und der Endverbraucher gehen davon aus, dass das Tier, das der Bauer noch beim Namen kennt, ein angenehmeres Leben führen konnte als eines aus der Massentierhaltung. Meistens ist es auch so, dass an kleinen und mittleren Betrieben das Produktionsverfahren ein anderes ist als jenes in Industriebetrieben.

Gesunde Tiere nutzen allen
Der Trend der Tiergesundheit hat nicht nur für die Konsumentinnen und Konsumenten positive Nebeneffekte, auch die Südtiroler Landwirtschaft profitiert langfristig deutlich davon.
Im Bereich des Stallbaus beispielsweise ist der Laufstall mit Weidegang eine sehr artgemäße Haltungsform, die Tiere können sich frei bewegen und ihr soziales Verhalten ausleben.
Der Landwirt sieht sich anfänglich mit höheren Investitionen konfrontiert, bei richtiger Bewirtschaftung können jedoch deutliche Einsparungen über die Jahre gemacht werden. Denn Tiere, die sich wohlfühlen, sind leistungsbereiter, gesünder und langlebiger. Zudem sind langlebige Tiere der Schlüssel für eine erfolgreiche Milchwirtschaft. Die Aufzuchtkosten sind von der zweiten bis dritten Laktation gedeckt, erst danach lässt sich mit den Tieren Geld verdienen.

Standortgerechte Bewirtschaftung
Auch von einer standortangepassten Bewirtschaftung hat ein Landwirt viel. Die Böden sind nicht verarmt, er kann erfolgreich Nahrungs- und Futtermittel anbauen, kann die Böden durch den Betriebsdünger gut mit fast allen benötigten Nährstoffen versorgen, und somit kann die nächste Generation auch noch auf diesen Böden produzieren.
Ein wohl sehr positiver Effekt von Tiergesundheit und standortangepasster Bewirtschaftung ist das positive Image für die Landwirtschaft in der Gesellschaft. Es ist auch Aufgabe der Bäuerinnen und Bauern, diese Leistungen der nicht bäuerlichen Bevölkerung zu vermitteln. Gehen Sie offen auf die Konsumentinnen und Konsumenten zu, und erklären Sie im persönlichen Gespräch, wie Sie Ihre Milch, Ihr Fleisch und Ihre Eier produzieren. Dies schafft Nähe und Verbundenheit und somit auch Wertschätzung.