Südtiroler Landwirt, Südtiroler Bauernjugend, Bauernbund | 03.12.2015

Hinhören

www.blauer-schurz.it: Wer diese Adresse in seinem Browser aufruft, hat seit Anfang November auf dem Blog „Blauer Schurz“ die Möglichkeit, über die Südtiroler Landwirtschaft zu diskutieren. Doch wie macht man das eigentlich? Und worauf kommt es beim Bloggen an? von Bernhard Christanell

(Foto: Adobestock)

(Foto: Adobestock)

Wenn man so manchen Medienberichten, Online-Beiträgen und anderen Diskussionsplattformen Glauben schenkt, so ist Südtirols Landwirtschaft geprägt von Lobbyismus, Gehorsam gegenüber der Pflanzenschutzmittelindustrie, Umweltverschmutzung und erhält zudem noch ungerechterweise finanzielle Beiträge von allen Seiten. Viele zeichnen sich ein Bild von der Landwirtschaft, das mit der Realität in Südtirol nichts zu tun hat. Doch sollten Bauern und Konsumenten nicht gemeinsam in die Zukunft blicken, anstatt sich verbal zu bekriegen? Sollten sie nicht besser miteinander reden, sich zuhören und sich Fragen stellen, sich informieren und miteinander diskutieren? Die Antwort der Südtiroler Bauernjugend auf diese Fragen ist ganz klar: Ja! Wir – also die Bauern genauso wie der Rest der Gesellschaft – müssen miteinander reden und wollen Landwirtschaft miteinander leben und gestalten. Das kann im Alltag im Gespräch mit Nachbarn, Freunden und Bekannten geschehen – und jetzt eben auch online unter www.blauer-schurz.it.
Was zu tun ist, damit ein Blog wirklich funktioniert, hat sich das Redaktionsteam des Blogs „Blauer Schurz“ gefragt – und sich dafür Rat von einem echten Profi geholt: Der deutsche Blogger „Bauer Willi“ – bekannt geworden durch seine „Verbraucher-Beschimpfung“ (Link siehe unten) – war Anfang November in Bozen und hat gemeinsam mit dem Redaktionsteam den Blog auf der Bauernbund-Aktionsbühne im Rahmen der Agrialp vorgestellt. Dabei kamen mehrere Themen zur Sprache, die sich in folgenden Fragen und Antworten zusammenfassen lassen.

Warum sollen wir über die Landwirtschaft bloggen?
Weil es erschreckend viele Menschen gibt, die erschreckend wenig über die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern wissen. In Südtirol mag das nicht ganz so ausgeprägt sein wie in Deutschland, der Heimat von „Bauer Willi“, aber das Unverständnis bzw. das Unwissen wächst auch hierzulande. Bauern haben genug Argumente, wie sie ihre Arbeit erklären können. Sagen wir den Menschen, was wir tun, wie wir es tun und warum wir es tun.

Für wen sollen wir bloggen?
Auch beim Bloggen müssen wir uns die Frage stellen: Für wen machen wir das eigentlich? Im Fall „Blauer Schurz“ ist die Antwort klar: Wir wollen der Gesellschaft die Landwirtschaft wieder näherbringen, genau so wie sie ist, ohne etwas zu beschönigen. Was uns schon zur nächsten Frage bringt ...

Sollen wir auch mal die Bauern kritisieren?
Gegenfrage: Warum sollten wir das nicht tun – wenn es einen guten Grund dafür gibt? Auch „Bauer Willi“ hat nicht nur die Verbraucher beschimpft, sondern auch die Bauern (Link siehe Infokasten). So wie der Blog von „Bauer Willi“ kann auch der „Blaue Schurz“ nur erfolgreich sein, wenn wir ehrlich sind. Zu unseren Kritikern, zu Menschen, die Fragen stellen – vor allem aber auch zu uns selbst. Und wenn es mal am Verhalten der Bauern was zu kritisieren gibt, warum sollten wir das nicht tun?

Wie reagieren wir auf Angriffe?
Indem wir erst mal kurz überlegen, von wem der Angriff kommt. Ist es jemand, der grundsätzlich anderer Meinung ist und diese auch nicht ändern wird, egal, wie lange wir mit ihm diskutieren? Dann sagen wir ihm doch einfach: Schau, ich höre mir deine Meinung an, aber ich teile sie nicht. Es hat keinen Sinn, dass wir weiter diskutieren.
Ist es ein Angriff von einem besorgten Bürger oder von jemandem, der uns ein konkretes „Vergehen“ vorwirft – so wie „Auf diesen Äpfeln werden soundso viele Rückstände von Pestiziden gefunden!“, dann sagen wir doch einfach: „Ja, klar. Aber wie viele Äpfel müsstest du denn essen, damit diese Rückstände für dich gefährlich sind?“ So erreichen wir, dass viele besorgte Bürger sagen: „Ja, stimmt. Wenn das so ist ...“
Oft machen wir Bauern den Fehler, dass wir immer gleich zurückschießen, wenn uns jemand angreift. Dass wir einfach mal sagen: „Ja, du hast recht, aber ...“ wird viele überraschen. Genauso wie die Tatsache, dass Bauern sich aktiv zu Wort melden. Das war auch beim „Bauer Willi“ so.

Wie oft sollen wir einen Beitrag schreiben?
So oft wie möglich. „Bauer Willi“ macht es mehrmals in der Woche. Auf jeden Fall öfter als nur einmal monatlich. Wir brauchen anfangs neben dem Mut zur Ehrlichkeit vor allem auch eines: Geduld. Und wir dürfen nicht erwarten, dass alle Kritiker sofort verstummen und alle Verbraucher uns verstehen.

Gibt es Beispiele, wie man es richtig macht?
Ja klar, den „Bauer Willi“ natürlich! Aber nicht nur den. Es gibt mehrere Blogs, aber auch Facebook-Seiten, die sehr gut aufzeigen, wie Landwirte arbeiten. Einige Tipps von „Bauer Willi“ sind unten angeführt.
Bleibt abschließend nur zu sagen: Der Blog „Blauer Schurz“ ist ein neues Angebot des Gesprächs und Denkwerkstatt zugleich. Er lebt davon, dass Menschen sich einbringen und an der Diskussion beteiligen. Also: Nichts wie ran an die Tastaturen – wir sehen uns auf www.blauer-schurz.it.


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www.blauer-schurz.it
Kommentare und Gastbeiträge

Wer nicht Mitglied des Redaktionsteams ist, hat zwei Möglichkeiten, seine Meinung auf dem Blog „Blauer Schurz“ kundzutun: in Kommentaren oder in Gastbeiträgen. Kommentare sind bei jedem veröffentlichten Beitrag möglich. Für Gastbeiträge muss man auf der Startseite rechts oben auf das Menüfeld und dann auf den entsprechenden Link klicken. Kommentare werden nicht automatisch freigeschaltet. Das Redaktionsteam schaut sich jeden einzelnen Kommentar vor der Veröffentlichung an und behält sich die Entscheidung vor, in bestimmten Fällen Kommentare zu moderieren oder auch zu löschen. Welche Fälle das sind, steht im Bereich „Miteinander – unsere Netiquette“ nachzulesen.

Hier noch einige Links zu interessanten Blogs und Blogbeiträgen:
- Blog „Bauer Willi“: http://www.bauerwilli.com
- Verbraucher-Beschimpfung: http://www.bauerwilli.com/lieber-verbraucher
- Bauern-Beschimpfung: http://www.bauerwilli.com/liebe-bauern
- LaiBi - Landwirtschaft im Bild: https://www.facebook.com/landwirtschaft.im.bild
- Frag den Landwirt: http://www.fragdenlandwirt.de
- YouTube-Kanal agriKULTUR: https://www.youtube.com/agrikultur

Mit dem Slogan „Mir miasn reden ...“ lädt die Bauernjugend auf dem Blog „Blauer Schurz“ zum Dialog über die heimische Landwirtschaft ein.

Mit dem Slogan „Mir miasn reden ...“ lädt die Bauernjugend auf dem Blog „Blauer Schurz“ zum Dialog über die heimische Landwirtschaft ein.