Südtiroler Landwirt, Politik | 03.12.2015

40 Jahre Versuchszentrum Laimburg

Bei einem Festsymposium in der Aula Magna in Auer wurde das 40-jährige Bestehen des Land- und Forstwirtschaftlichen Versuchszentrums Laimburg gefeiert. Dabei hielt man Rückschau auf das Erreichte und Ausblick auf die neuen Herausforderungen.

Seit 40 Jahren gestaltet das Versuchszentrum Laimburg die Südtiroler Landwirtschaft mit. (Foto: Werbefoto Seppi)

Seit 40 Jahren gestaltet das Versuchszentrum Laimburg die Südtiroler Landwirtschaft mit. (Foto: Werbefoto Seppi)

Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler gab in seiner Ansprache einen Überblick über die Geschichte des Versuchszentrums Laimburg: Eine Erfolgsgeschichte, weil sie auf den gesamten Südtiroler Obst- und Weinbau ausgestrahlt hat. Dank kontinuierlicher, praxisnaher und theoriegesättigter Aus- und Weiterbildung sowie Beratung. „Das Versuchszentrum Laimburg“, unterstrich Landesrat Schuler, „hat sich dank des leidenschaftlichen Engagements hochqualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einer weit über die Grenzen des Landes hinaus respektierten Vorzeige-Einrichtung entwickelt. Dafür gebührt den Gründern Dank, genauso wie jenen, die über die letzten vier Jahrzehnte hindurch für das nachhaltige Wachstum und damit für diese anhaltende Erfolgsgeschichte gesorgt haben.“ Der Landesrat verwies in seiner Rede zur 40-Jahr-Feier des Versuchszentrums Laimburg in der Aula Magna in Auer zudem auf die große Bedeutung der Kooperation zwischen Versuchswesen und Beratung.

Gründervater Hermann Mantinger
Hermann Mantinger, ein Pionier auf dem Gebiet der Sorten, des Anbaus und der Physiologie, plante schon 1967 mit dem Techniker Hans Gasser erste Obstbauversuche. Unter schwierigen Bedingungen baute er das Versuchszentrum Laimburg auf und schuf über die Jahre hinweg ein Kompetenzzentrum für alle Sparten der Südtiroler Landwirtschaft. Auf seine Zeit geht auch die heutige Struktur der Forschungseinrichtung mit drei Ämtern und knapp 30 verschiedenen Sachbereichen zurück. Die Mitarbeiterzahl ist seit der Gründung von zwei auf rund 200 gestiegen. Über 800 Publikationen des Versuchszentrums wurden den Mitgliedern des Südtiroler Beratungsrings inzwischen zur Verfügung gestellt.

Josef Dalla Via baut Mikrobiologie auf
Jährlich wird an der Laimburg an 300 bis 400 Projekten gearbeitet, von denen rund 40 zum Abschluss kommen. Auf Hermann Mantinger folgte am 1. November 1999 Josef Dalla Via, er blieb bis Ende 2008 Direktor, baute die Molekularbiologie am Versuchszentrum  Laimburg auf, ohne die man die Erkenntnisse zum Besenwuchs im Apfelanbau und zur Goldgelben Vergilbung im Weinbau nicht hätte vertiefen können.

Innovativer Gutsverwalter Klaus Platter
Entscheidend geprägt hat die Laimburg auch der langjährige Direktor der Gutsverwaltung Laimburg, Klaus Platter. 1970 war Platter zum Betriebsleiter und Verwalter der Betriebe Laimburg in Pfatten berufen worden und prägte seitdem die Entwicklung der Laimburg mit unermüdlichem Einsatz. Der Önologe, der auch Ideenvater des Felsenkellers war, baute darüber hinaus die Gärten von Schloss Trauttmansdorff auf. Seinem Innovationsgeist ist es zu verdanken, dass sich die Gärten in den beinahe 15 Jahren ihres Bestehens zu einer Besucherattraktion von internationalem Rang entwickelt haben.

Michael Oberhuber erweitert Tätigkeitsbereich
Seit sechs Jahren leitet Michael Oberhuber das Versuchszentrum Laimburg. Unter seiner Führung weitet das Versuchszentrum seine Tätigkeitsbereiche auf die Lebensmittelwissenschaften aus. Die Laimburg deckt damit die gesamte Kette der Lebensmittelherstellung vom Anbau bis zum fertigen Produkt ab.
Als Präsident der Laimburg dankte Landesrat Schuler vor allem seinem Vorgänger Altlandeshauptmann Luis Durnwalder, der von 1979 bis zum Ende seiner politischen Karriere 2014 die Laimburg mitgeprägt hat.

Neue Herausforderungen
„Wir sind dabei, die Laimburg in eine gute Zukunft zu bringen und Änderungen vorzunehmen“, führte Landesrat Schuler aus. So werden die Verwaltung der Flächen der Laimburg und der Forstdomäne künftig unter einen Hut gebracht. So könne sich das Versuchszentrum besser auf seine Kernaufgabe, die Forschung, konzentrieren. In einer engen Zusammenarbeit mit der Freien Universität Bozen wird ein zukunftsweisender Aktionsplan Berglandwirtschaft in die Tat umgesetzt: „Wir stehen auch weiterhin vor großen Herausforderungen“, schloss Landesrat Schuler.
Auf dem Programm des Festsymposions standen Vorträge von Mitarbeitern der Partnerinstitute der Laimburg: der Stiftung Edmund Mach in San Michele all‘Adige, der Forschungsanstalt Agroscope in Wädenswil, des Julius Kühn-Instituts – Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen, der Hochschule Geisenheim, der Höheren Bundeslehranstalt und des Bundesamtes für Wein- und Obstbau in Kloster Neuburg.
Nach den Ausführungen von Europaparlamentarier Herbert Dorfmann (siehe unten) beschloss Laimburg-Direktor Oberhuber den Festtag mit einem Ausblick unter dem Motto „Quo vadis, Laimburg?“


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Impulsreferat von Herbert Dorfmann
Europa forscht für die Landwirtschaft

Die Nachfrage nach sicheren, hochwertigen Lebensmitteln stellt die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen. Forschung und Entwicklung werden so zu zentralen Themen der europäischen Landwirtschaftspolitik.

Mit einem Impulsreferat stellte der EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann bei der 40-Jahr-Feier des Versuchszentrums Laimburg die europäische Forschungspolitik in der Landwirtschaft vor:
Die Europäische Union sieht verschiedene Instrumente für die Förderung der Forschung im Agrarsektor vor. Das wichtigste ist „Horizon 2020“, das europäische Rahmenprogramm für Forschung und Innovation. Es beinhaltet unter anderem die Förderung der Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit und der nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft in Europa. 80 Milliarden Euro werden in „Horizon 2020“ bis zum Jahr 2020 insgesamt ausgegeben, vier Milliarden Euro sind es für Forschung in der Landwirtschaft.
Seit der letzten Reform der gemeinsamen Agrarpolitik stehen daneben auch Mittel aus den ländlichen Entwicklungsplänen zur Verfügung. Damit soll vor allem die Beratung verbessert werden, damit die wissenschaftlichen Erkenntnisse auch bei den landwirtschaftlichen Betrieben ankommen.
Ein neues Instrument für die Förderung von Forschung ist die Europäische Innovationspartnerschaft (EIP). Durch die enge Zusammenarbeit von Bauern, Beratern, Wissenschaftlern und Unternehmen will man die Lücken zwischen Forschung und Praxis schließen.
Ziel der europäischen Forschungspolitik ist es, ein europäisches Forschungsnetzwerk zu schaffen und damit auch im Bereich Landwirtschaft ein innovatives Umfeld zu fördern. Nur dadurch kann die Landwirtschaft den Herausforderungen unserer Zeit gerecht werden.