Südtiroler Landwirt, Betriebsberatung | 19.11.2015

Endlich Bauen!

Wer bauen will, muss jede Menge Vorarbeit leisten: Planen, Finanzierung abklären, auf die Bauerlaubnis warten … Dann kann es endlich losgehen! Hier steht, was nun zu tun ist. von Hermann Stuppner, SBB-Betriebsberatung

Während der eigentlichen Bauphase sind die Arbeiten verschiedener Handwerker zu koordinieren: Da hilft ein guter Bauzeitenplan.

Während der eigentlichen Bauphase sind die Arbeiten verschiedener Handwerker zu koordinieren: Da hilft ein guter Bauzeitenplan.

Sobald die Gemeinde die Bauerlaubnis ausgestellt hat, kann der Bauherr mit der konkreten Umsetzung des Bauvorhabens beginnen. Nun sind alle Bauvorbereitungsarbeiten zu erledigen und Firmen für die Bauausführung zu finden. Eine koordinierte und vorschriftsgemäße Bauausführung garantiert eine termingerechte und zufriedenstellende Fertigstellung. Am Ende sind mehrere Unterlagen nötig, um den Bau einwandfrei abzuschließen.

Die Bauvorbereitung
In der Bauvorbereitungsphase werden alle notwendigen Vorbereitungsarbeiten unternommen, die den effektiven Baubeginn ermöglichen. Aufbauend auf das Einreichprojekt, werden notwendige Detailzeichnungen der einzelnen Räumlichkeiten ausgearbeitet. Dabei werden die Qualitätsstandards und die zu verwendenden Materialien festgesetzt.
Für landwirtschaftliche Wirtschaftsgebäude reicht im Normalfall das Einreichprojekt für die Bauausführung aus. Außerdem werden Unterlagen für Statik, Sicherheitsplanung, technische Installationen und energetische Berechnung erstellt.
Anhand der ausgearbeiteten Unterlagen erfolgt meist eine Ausschreibung der Arbeiten nach Gewerken. In der Folge werden Firmen mit der Arbeitsabwicklung beauftragt und die Ausführungstermine anhand eines Bauzeitplanes festgelegt. Je nach Art des Bauvorhabens werden mit Unternehmen und Lieferanten einfache Werkverträge oder Unternehmerwerkverträge aufgesetzt.
Ein einfacher Werkvertrag wird mit Freiberuflern, Handwerkern oder Kleinstunternehmern für Werke oder Dienstleistungen abgeschlossen, die vorwiegend durch eigene Arbeit und die der Familienangehörigen erbracht werden. Ein Unternehmerwerkvertrag wird hingegen mit mittleren oder großen Unternehmen für Werke oder Dienstleistungen, die durch organisierten Einsatz der unternehmerischen Mittel erbracht werden, unterzeichnet. Nachdem die Arbeiten vergeben sind, kann der Bauherr die Gesamtkosten des Projekts detailliert erheben. Damit kann er auch endgültig den Fremdkapitalbedarf bestimmen – muss dabei aber die möglichen Fördermaßnahmen und die Eigenleistung mit berücksichtigen.
Wichtig ist: Etwaige Beitragsansuchen muss er vor Beginn der Bauphase einreichen! Bei Neubauten muss er einen summarischen, bei Umbauarbeiten hingegen einen detaillierten Kostenvoranschlag vorlegen. Zu berücksichtigen ist hier eine gewisse Wartezeit bis zur endgültigen Beitragszusage. In der Zwischenzeit kann jedoch mit den Bauarbeiten begonnen werden.
Jetzt braucht es einen Bauzeitplan: Er dient der Koordination und Kontrolle sämtlicher Baumaßnahmen und hilft, den vorgesehenen Fertigstellungstermin geordnet und weitgehend reibungslos zu erreichen. Den Bauzeitplan erstellt der Bauleiter in Abstimmung mit Auftraggeber und Sicherheitskoordinator. Der Plan wird laufend den sich ergebenden Notwendigkeiten der Ablaufpraxis angepasst. Denn Wetter, Ausfälle von Auftragnehmern usw. können ihn oft entscheidend beeinflussen.

Der Baustart
Den effektiven Baustart meldet der beauftragte Bauleiter der Gemeinde mittels Baubeginnmeldung. Vor Beginn der Arbeiten müssen – je nach Art des Bauvorhabens – zusätzliche Unterlagen in der Gemeinde hinterlegt werden. Dazu gehören u.a.:
Anmeldung des Bauwerks an die Landesdienststelle für die Meldung von Tragwerken;
Ansuchen um energetische Zertifizierung an die KlimaHaus-Agentur;
Auflagen, die mit der Baukonzession erlassen wurden.
Für die während der Bauphase betroffenen Infrastrukturen, die verlegt bzw. benötigt werden (Baustrom, Wasseranschluss, Besetzung öffentlichen Grundes usw.), sind Ansuchen an die zuständigen Dienstleister und Behörden zu stellen und die dementsprechenden Genehmigungen einzuholen – u.a. Strom­anbieter, Wasserbehörde, Forstbehörde, Straßenverwaltung, Gemeinde.

Die eigentliche Bauphase
Die eigentliche Bauphase beginnt mit dem Abstecken des Bauvorhabens vor Ort. Die Ausdehnung des Bauwerks wird den betroffenen Firmen im Zuge eines Lokalaugenscheins aufgezeigt.
Der Ablauf der Bauarbeiten, wie sie durch den Bauzeitenplan vorhergesehen sind, kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Darunter fallen insbesondere unvorhersehbare Wetter- und Baugrundbedingungen, Verspätungen in den Ausführungsarbeiten, aber auch vorgenommene Planänderungen. Sie alle können den angestrebten Bauzeitenplan verzögern.
Umso wichtiger ist es, die vereinbarten Ausführungszeiten einzuhalten. Zugleich sollten die im Sicherheits- und Koordinierungsplan angegebenen Vorgaben befolgt werden, um Unfälle auf der Baustelle zu vermeiden. Für die ordnungsgemäße Ausführung der Bauarbeiten hat der Bauleiter Sorge zu tragen.
Dies erfolgt mittels periodischer Baustellensitzungen und -begehungen, bei denen der jeweilige Baufortschritt festgestellt und die Arbeiten mit den einzelnen Baufirmen besprochen und koordiniert werden.

Eventuell Varianteprojekt nötig
Werden während der Bauphase Baumaßnahmen in Abweichung zum genehmigten Projekt erforderlich, so müssen diese mittels eines Varianteprojektes vor dessen Realisierung mit dem jeweiligen Genehmigungsverfahren ermächtigt werden. Sollten Arbeiten ohne Baugenehmigung vorgenommen werden, kann innerhalb bestimmter Fristen ein Projekt im Sanierungswege erstellt werden.
Voraussetzung dafür ist, dass das errichtete Bauwerk nicht im Widerspruch zu den gesetzlichen Vorschriften steht und eine Geldbuße bezahlt wird.
Wurden die Arbeiten nicht gesetzeskonform umgesetzt, kann das Projekt nicht genehmigt und die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes angeordnet werden. Im Laufe der Bauphase kann – je nach Investitionsförderung – um eine Teilauszahlung des gewährten Beitrags angesucht werden.

Der Bauabschluss
Nachdem alle Bauarbeiten abgeschlossen sind, meldet der beauftragte Bauleiter der Gemeinde die Beendigung sowie die korrekte und ordnungsgemäße Durchführung der Arbeiten. Je nach Art des Bauvorhabens bedarf es für dessen Benutzung eine Genehmigung der Gemeinde.
Dazu sind meist folgende Bescheinigungen zu hinterlegen:
- Bestätigung über die statische Abnahmeprüfung für tragende Strukturen,
- Energieausweis für Wohngebäude,
- Gebäudekatastermeldung (innerhalb von 30 Tagen nach Bauendemeldung),
- Kollaudierungen sowie Konformitätserklärungen seitens verschiedener Installateure: Installateur, Elektriker, Kaminkehrer usw.
- Grundbücherliche Einverleibungen.
Sind alle notwendigen Unterlagen bei der Gemeinde hinterlegt, stellt diese die Benutzungsgenehmigung für das Bauwerk aus und erlaubt dadurch dessen Nutzung.
Für Bagatelleingriffe und Arbeiten mit der Genehmigung mittels Baubeginnmeldungen wird die ordnungsgemäße und fachgerechte Umsetzung der Arbeiten nach Bauabschluss dem Bürgermeister mittels Eigenerklärung des Bauherrn gemeldet.
 Nach Beendigung aller Arbeiten kann der Bauherr um die Auszahlung der noch offenen Investitionsförderungen ansuchen. Dazu muss er eine Endabrechnung seitens eines befähigten Technikers vorlegen.

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Neue SBB-Broschüre: "Bauen im landwirtschaftlichen Grün"