Steuerberatung | 06.11.2015

Das ändert sich mit dem Stabilitätsgesetz 2016

Wenn das italienische Parlament demnächst über das Stabilitätsgesetz der Regierung abstimmt, dann geht es auch um Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Hier eine Übersicht, was das für Südtirols Bauern bedeuten könnte.

Einige steuerliche Neuerungen kommen auf die Bauern zu. Wirklich unangenehm: Ab 2017 fällt die Befreiung von der MwSt.-Registerführung bei einen Vorjahresumsatz unter 7000 Euro Weg. (Foto: Timo Klostermeier, www.pixelio.de)

Einige steuerliche Neuerungen kommen auf die Bauern zu. Wirklich unangenehm: Ab 2017 fällt die Befreiung von der MwSt.-Registerführung bei einen Vorjahresumsatz unter 7000 Euro Weg. (Foto: Timo Klostermeier, www.pixelio.de)

Die italienische Regierung hat kürzlich den Gesetzesentwurf für das Stabilitätsgesetz 2016 erlassen und diesen an das italienische Parlament weitergeleitet.
Beide Kammern – Senat und Parlament – müssen nun diesem Entwurf noch zustimmen. Die enthaltenen Bestimmungen können also noch abgeändert werden. Die Veröffentlichung des Gesetzes ist für Jahresende vorgesehen.

Was sich ändern könnte
Die Steuerberatung des Südtiroler Bauernbundes hat sich jetzt schon angesehen, welche steuerlichen Bestimmungen sich wie auf den landwirtschaftlichen Bereich auswirken würden.

Ergebnisse im Überblick
Die wichtigsten Ergebnisse fasst sie wie folgt zusammen:
- System der Befreiung von der Mehrwertsteuerregisterführung für Landwirtschaftsbetriebe mit einem Vorjahresumsatz von unter 7000 Euro: Abschaffung ab 2017 (s. FLOP aus "Südtiroler Landwirt" vom 06.11.2015 unten).
- Aufwertungsmöglichkeit für Baugrund und Bauerwartungsland: Wiedereinführung zum 1. Jänner 2016 mit einer Ersatzsteuer von acht Prozent innerhalb 30. Juni 2016 (s. Infokasten auf dieser Seite).
- Wertschöpfungssteuer IRAP für die landwirtschaftliche Tätigkeit: Befreiung ab dem Steuerjahr 2016.
Für Urlaub auf dem Bauernhof und für die mit der Landwirtschaft verbundenen Tätigkeiten bleibt die IRAP aufrecht.
- Kompensierungssatz im Milchsektor für das Mehrwertsteuerpauschalverfahren: ab 2016 Erhöhung von 8,8 auf zehn Prozent.
- Registersteuer für Kaufverträge von landwirtschaftlichen Grundstücken an nicht bauernversicherte Landwirte: ab 2016 Erhöhung von 12 auf 15 Prozent.
- Katasterwerte: ab 2016 zusätzliche Erhöhung von 30 Prozent.
Für bauernversicherte Landwirte ist ab 2016 keine zusätzliche Erhöhung der Katasterwerte mehr vorgesehen.
- Stromproduktion aus Photovoltaik bis zu 260.000 Kilowattstunden Jahresleistung, Strom- und Wärmeproduktion aus Biomasse (zum Beispiel Biogasanlage) bis zu 2.400.000 Kwh Jahresleistung sowie Erzeugung von Treibstoffen aus Biomasse (zum Beispiel Raps): Sie unterliegen für die Einkommenssteuer weiterhin den Katasterwerten, falls die Voraussetzungen für zur Landwirtschaft verbundenen Tätigkeit gegeben sind. Ursprünglich war ab 2016 eine Besteuerung in Höhe von 25 Prozent vorgesehen.
- Mehrwertsteuersatz für Pellets: Wird ab dem Jahr 2016 wieder auf zehn Prozent reduziert.
- Absetzbetrag IRPEF 50 Prozent für Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten, Absetzbetrag IRPEF 65 Prozent für Energiesparmaßnahmen sowie Absetzbetrag IRPEF 50 Prozent für den Ankauf von Möbeln und Elektrogeräten für sanierte Wohneinheiten: Wird bis 31. Dezember 2016 verlängert.
- Abschreibung von Anlagegütern: Seit 15. Oktober 2015 bis 31. Dezember 2016 wird der Anschaffungswert für die steuerliche Abschreibung um 40 Prozent erhöht.
- Bargeldgrenze: Ab 2016 Erhöhung von 1000 auf 3000 Euro.

Neu aufgelegt

Aufwertung Baugrund
Der Entwurf zum Stabilitätsgesetz 2016 (s. Artikel oben) enthält erneut einen Artikel mit der Neuauflage der Aufwertung Baugrund. Auch wenn der Gesetzesentwurf noch von beiden Kammern genehmigt werden muss, dürfte der Gesetzespassus mit der Aufwertung Baugrund aller Voraussicht nach in der aktuellen Fassung genehmigt werden. Demnach erfolgt die Aufwertung zum Stichdatum 1. Jänner 2016. Die Zahlung der mittlerweile von vier auf acht Prozent erhöhten Ersatzsteuer sowie die Schätzung müssen innerhalb 30. Juni erfolgen.
Falls in nächster Zeit die Veräußerung von Baugrund oder Bauerwartungsland ansteht, sollte die Möglichkeit der Aufwertung unbedingt in Betracht gezogen werden und mit der Veräußerung gegebenenfalls noch bis zum nächsten Jahr gewartet werden. Die Aufwertung von Baugründen ist eine gute Gelegenheit, um im Einzelfall eine Menge an Steuern zu sparen. 

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FLOP (aus "Südtiroler Landwirt")

MwSt.-Befreiung in Gefahr

Italien will die Befreiung von der MwSt.-Registerführung für kleine Landwirtschaftsbetriebe unter 7000 Euro Vorjahresumsatz streichen. Schon mehrmals konnte der Bauernbund solche Angriffe abwenden, auch gegen Widerstand der Coldiretti. Auch diesmal scheint es trotz aller scheinheiligen Rufe nach Bürokratieabbau das gleiche Spiel.
Die Maßnahme bringt – in einem Stabilitätsgesetz von insgesamt 30 Milliarden Euro – läppische 18 Millionen! Es wäre leicht, Alternativen zu finden; wenn man will. Der Bauernbund wird sich massiv gegen diese Bestimmung stemmen. Dazu baut er auf die uneingeschränkte Unterstützung unserer Parlamentarier.  jh

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Links zur Diskussion/Presseaussendungen zum Thema 7.000€-Grenze im Stabilitätsgesetz 2016:

www.agricolae.eu