Südtiroler Landwirt, Produktion | 05.11.2015

Gute Qualität auch im Lager sichern

Welche Auswirkungen der Erntezeitpunkt und innovative Lagertechnologien auf die Obstqualität haben – darüber haben sich rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der diesjährigen Lagerungstagung am Versuchszentrum Laimburg informiert. von Angelo Zanell, Stefan Stürz und Franziska Maria Hack, Versuchszentrum Laimburg

Mit unterschiedlichen Technologien versuchen die Genossenschaften die Äpfel möglichst lange haltbar zu machen.

Mit unterschiedlichen Technologien versuchen die Genossenschaften die Äpfel möglichst lange haltbar zu machen.

Äpfel sind nur dann gut lagerfähig, wenn sie im idealen Reifezustand geerntet werden; außerdem muss die Lagermethode optimal an Sorte, Reifegrad und Lagerdauer angepasst werden: So lauten die wichtigsten Ergebnisse mehrjähriger Studien am Versuchszentrum Laimburg mit verschiedenen Apfelsorten und unterschiedlichen Lagermethoden. Ines Ebner vom Versuchszentrum Laimburg erklärt: „Eine zu frühe Ernte kann Schalenbräune während der Lagerung fördern, eine zu späte Ernte kann zu aufgesprungenen Früchten, Fruchtfäule, Fruchtfleisch-Verbräunungen, Glasigkeit und Mehligkeit führen.“
Um Lagerschäden so gut wie möglich vorzubeugen, sollten die Bauern das empfohlene Erntefenster unbedingt einhalten sowie schonend und sorgfältig in mehreren Pflückgängen ernten. Vorerntemaßnahmen wie eine ausgewogene Düngung, optimaler Schnitt sowie Behangsregulierung können die Lagerfähigkeit der Äpfel erhöhen.
Entscheidend ist außerdem ein an die Sorte, den Reifegrad der Früchte und die Lagerdauer angepasstes Lagermanagement. Die Erntefenster werden auf der Grundlage der jährlich aktualisierten Reifewerte aller Apfelsorten bestimmt. Änderungen gibt es dieses Jahr bei den Sorten Kanzi, Golden Delicious und Fuji. Sowohl für Kanzi als auch für Golden Delicious rät Angelo Zanella vom Versuchszentrum Laimburg bei der Lagerung mit DCA-CF (s. Infokasten) zum Durchführungsprotokoll für Braeburn, bei Fuji empfiehlt der Experte bei Gefahr von inneren Verbräunungen eine spezifische SmartFreshTM-Anwendung.

Innovative Technologien mit viel Potenzial
Die in Südtirol am häufigsten angebaute Apfelsorte Golden Delicious profitiert am meisten von der Anwendung innovativer Lagerungstechnologien wie DCA-CF oder SmartFreshTM (1-MCP). Im Rahmen einer sechsjährigen Studie unter der Leitung von Angelo Zanella wurde am Versuchszentrum Laimburg die Genussqualität sechs verschiedener Apfel-Standardsorten unterschiedlicher Reife – Braeburn, Cripps Pink/Pink Lady, Fuji, Gala, Golden Delicious und Red Delicious – untersucht, nachdem diese mit den beiden innovativen Lagertechniken und im Vergleich dazu mit ULO (siehe Kasten) gelagert worden waren. Für die Qualitätserhebung wurden die Festigkeit des Fruchtfleisches, Süße und Säure gemessen, wobei die Festigkeit für Konsumenten oft der entscheidende Faktor bei der Bewertung der Apfelqualität ist. Der Effekt der innovativen Technologien erwies sich dabei als sortenspezifisch: Die Sorte Golden Delicious profitierte am meisten, die Sorte Fuji am wenigsten von den Lagerinnovationen, da Letztere ohnehin nur sehr geringe Festigkeitsverluste während der Lagerung erleidet. Eine Kombination der beiden innovativen Lagermethoden erwies sich als vielversprechend.

Lagerverhalten von Scilate-Envy
Die neue Clubsorte Scilate-Envy wird aktuell von 150 Produzenten auf einer Fläche von 66 Hektar angebaut. Sie punktet vor allem mit ihrer hohen Genussqualität mit süßem Geschmack und Birnen-Aroma, obwohl sie relativ anfällig für Fäulnis, Lentizellen-Zusammenbruch, Aufspringen und Schrumpfen ist. Ihre Lagerfähigkeit wird vom Auftreten innerer Schäden wie Kernhausbräune, Fleischbräune und Kavernen beeinträchtigt. Die Ursachen und Methoden zur Vorbeugung dieser Schäden sind international noch ungeklärt. Wie erste Untersuchungsergebnisse des Versuchszentrums Laimburg zum Lagerverhalten dieser Sorte zeigen, lassen sich die inneren Schäden zumindest teilweise auf einen zu späten Erntetermin zurückführen. Oswald Rossi vom Versuchszentrum berichtete: „Die Symptome nehmen mit fortschreitender Lagerdauer zu. Zur Vorbeugung der Schäden waren weder eine Stufenkühlung sofort nach der Ernte, eine verzögerte kontrollierte Atmosphäre (CA), noch eine erhöhte Lagerungstemperatur wirksam.“
Unter CA-Bedingungen haben Behandlungen mit SmartFreshTM zu einer Zunahme der inneren Schäden geführt. Die Kombination von kontrollierter Atmosphäre (CA) oder einfacher Kühllagerung mit SmartFreshTM wird noch weiter untersucht.

CO2-Fußabdruck der Obstlagerung
Die Verwendung von Verpackungsmaterial aus Plastik hinterlässt einen weit größeren CO2-Fußabdruck als die Lagerung der Äpfel. Das hat eine mehrjährige Studie der Freien Universität Bozen gezeigt, die den Energieverbrauch während der Obstlagerung und die damit in Verbindung stehenden Kohlendioxid-Emissionen untersucht hat. Der elektrische Strom ist die wichtigste Energie-Quelle der Produktionskette des Apfels nach der Ernte. Damiano Zanotelli von der Freien Universität Bozen klärte auf: „Im Vergleich zum mittleren italienischen Erzeugungsstandard kann der auf der Basis des Energieverbrauchs ermittelte CO2-Fußabdruck jedoch um 75 Prozent reduziert werden, wenn die elektrische Energie aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen wird, so wie es in der Region Trentino-Südtirol möglich ist.“ Berechnungsgrundlage des Energieverbrauchs waren alle den Apfel betreffenden Operationen, die von der Entleerung des Traktors in der Genossenschaft nach der Ernte bis zu dem Zeitpunkt ablaufen, an dem Früchte die Genossenschaft verlassen.

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Lagerung - Technologien im Überblick

CA
(Controlled Atmosphere = kontrollierte Atmosphäre)
Lagerungstechnik mit kontrollierter Atmosphäre, die die Reifung der Früchte verzögert. In CA-Lagern herrschen eine niedrige Temperatur, eine hohe Luftfeuchtigkeit, ein niedriger Sauerstoffgehalt und ein erhöhter Kohlenstoffdioxidgehalt. Mittels Mess- und Regeltechnik werden die Bedingungen überwacht und auf den gewünschten Niveaus gehalten.

ULO
(Utra Low Oxygen = niedriger Sauerstoffgehalt)
Variante der CA-Lagerung, bei der die Atmosphäre in den Zellen extrem wenig Sauerstoff enthält.

DCA
(Dynamic Controlled Atmosphere = Dynamisch kontrollierte Atmosphäre)
Die Zusammensetzung der Lageratmosphäre wird dynamisch an den physiologischen Zustand und die „Atmung“ der Äpfel angepasst (anstatt sie vorab fest einzustellen). Bei der Lagerung mit DCA-CF (Dynamic Controlled Atmosphere-Chlorophyll Fluorescence = Dynamisch kontrollierte Atmosphäre mittels Chlorophyll-Fluoreszenz) wird während der Lagerung in DCA die Fluoreszenz des in der Fruchtschale enthaltenen Chlorophylls zerstörungsfrei und online mithilfe eines Sensors gemessen. Unterschreitet der Sauerstoffgehalt in der Zelle einen für die gelagerten Früchte spezifischen Wert, erhöht sich das Fluoreszenz-Signal deutlich.
Mit dieser Information ist es dann möglich, die Zusammensetzung der Atmosphäre dynamisch an die entsprechenden Bedürfnisse anzupassen.

SmartFreshTM (1-MCP)
Handelsname des Wirkstoffs 1-Methylcyclopropen, der zur Ergänzung bzw. Verbesserung konventioneller Kühl- und Lagerungsmethoden eingesetzt wird. Durch eine Nacherntebehandlung mit 1-MCP werden die Ethylen-Rezeptoren in den Zellmembranen der Frucht belegt. Auf diese Weise kann verhindert werden, dass das den biochemischen Reifeprozess auslösende Gas Ethylen in die Zelle der Frucht aufgenommen wird. Nach Einsatz von 1-MCP wird der weitere Reifeprozess der Früchte deutlich verlangsamt.