Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 05.11.2015

Gewinn für Forschung und Region

Klimawandel, Energiebedarf, ländlicher Raum: Alles Herausforderungen für Südtirols Landwirtschaft und ­Gesellschaft. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt wollen der Südtiroler Bauernbund und die EURAC nach Lösungen suchen. von Michael Deltedesco

Herzstück einer Biogasanlage: Energieeffizienz ist einer von mehreren Forschungsschwerpunkten für EURAC und Bauernbund. (Foto: www.agrarfoto.at)

Herzstück einer Biogasanlage: Energieeffizienz ist einer von mehreren Forschungsschwerpunkten für EURAC und Bauernbund. (Foto: www.agrarfoto.at)

Das ist erstmalig: Ein Südtiroler Wirtschaftsverband – der Südtiroler Bauernbund – und die Forschungseinrichtung EURAC vereinbaren zusammen ein gemeinsames Forschungspaket. Am Montag vergangener Woche haben EURAC-Präsident Roland Psenner und Bauernbund-Landesobmann Leo Teifenthaler die entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, nachdem die Führungsgremien der beiden Organisationen bereits im Vorfeld ihre Zustimmung erteilt hatten.
Der Landesbauernrat hatte zu diesem Anlass sogar an der EURAC getagt und sich dabei auch gleich den Forschungsbetrieb in der Bozner Drususstraße angeschaut.

Synergien in der Forschung nutzen
Bereits seit Jahren hatten der Bauernbund und die EURAC in verschiedenen Projekten zusammengearbeitet. Die Vereinbarung stellt diese Zusammenarbeit nun aber auf eine höhere Ebene: Sechs Jahre lang werden die beiden Organisationen fest zusammenarbeiten und gemeinsame Themenbereiche intensiv erforschen.
Zu den gemeinsamen Forschungsvorhaben gehören unter anderem die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel, Energieeffizienz in bäuerlichen Betrieben und Entwicklungsstrategien für den ländlichen Raum. All dies sind wichtige Bereiche, mit denen sich beide Organisationen intensiv auseinandersetzen.
Die möglichen Synergien wollen sie dank der Kooperationsvereinbarung nun besser nutzen und in der Forschung mehr zusammenarbeiten. Konkret wollen sie die Forschung in folgenden Bereichen ausbauen: Energie, Regionalentwicklung und Standortmanagement sowie Alpine Umwelt.

Vorteil für Region und Forschung
EURAC-Präsident Roland Psenner hob im Rahmen der Unterzeichnung die Bedeutung des Abkommens hervor: „Schon die bisherige Zusammenarbeit mit dem Bauernbund war sehr fruchtbar.“ Als zwei von mehreren Beispielen aus dem vergangenen Jahr nannte er ein gemeinsam organisiertes Seminar zur Zuverlässigkeit von Photovoltaikanlagen und eine Fachexkursion zur energetischen Sanierung von Gebäuden. „Das unterschriebene Kooperationsabkommen kommt nicht nur der Region, sondern auch der Forschung zugute“, sagte Psenner.
Erfreut über die Vereinbarung ist auch Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler: „Mit dem Abkommen können wir gemeinsame Themen intensiver erforschen.“ Dazu zählt Tiefenthaler etwa die Erd- und Umweltwärme, die Energieeffizienz, die Rolle der Landwirtschaft und des Tourismus im ländlichen Raum, die Ökosystemleistungen oder die neuen Herausforderungen der Landwirtschaft durch den Klimawandel.

Bald Landmaschinen mit Elektroantrieb?
Im Bereich Energie sieht der Bauernbund-Obmann vor allem bei der Solarenergie Potential. Weitere Schwerpunkte sind: die Speicherung von Strom sowie elektrobetriebene, landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge.
Ebenso interessant ist der Bereich der Regionalentwicklung. So wollen Bauernbund und EURAC Handlungsoptionen für den ländlichen Raum erarbeiten, städtisch-ländliche Partnerschaften entwickeln und Kooperationen zwischen Landwirtschaft und Tourismus andenken.
Nicht zuletzt gibt es im Bereich Alpine Umwelt viele Verbindungen zwischen der EURAC und dem Bauernbund: Ein besonderes Augenmerk wollen sie auf die Nachhaltigkeit und die generelle Ausrichtung der Land- und Almwirtschaft richten. Aber auch die Entwicklung alternativer Fördermodelle ist in der Kooperationsvereinbarung festgeschrieben.

Wissen austauschen
Und so wollen die beiden Organisationen die Ziele erreichen: Intensiv wollen sie Wissen und Erfahrung austauschen und Ressourcen gemeinsam nutzen. Zu verschiedenen Themen wollen sie künftig gemeinsame Projekte verwirklichen. Neben speziellen Weiterbildungsangeboten werden sie zudem auch gemeinsam wissenschaftliche Veranstaltungen organisieren und Forschungsvorhaben angehen.

Noch Luft nach oben …
Bewusst lassen sie Luft nach oben: Die Vereinbarung kann auf weitere Themen ausgeweitet werden. Sie ist auf sechs Jahre ausgelegt. Noch ist diese Vereinbarung zwischen einem Wirtschaftsverband und der EURAC einmalig. Nach ihrem Vorbild dürften in nächster Zeit Vereinbarungen mit weiteren Wirtschaftsverbänden folgen.