Südtiroler Landwirt, Politik | 05.11.2015

EU-Gelder in zwei Schritten

Bis Jahresende werden die ausstehenden EU-Prämien des Jahres 2014 ausbezahlt, jene für das Jahr 2015 folgen nächstes Jahr. Die Gründe für die Verzögerung erklärt Landesrat Arnold Schuler im „Südtiroler Landwirt“.

Späte Prämien: Banken kommen Bauern entgegen. (Foto: Thorben Wengert, www.pixelio.de)

Späte Prämien: Banken kommen Bauern entgegen. (Foto: Thorben Wengert, www.pixelio.de)

Schon länger warten die Südtiroler Landwirtschaftsbetriebe auf die Auszahlung diverser Prämien für die Jahre 2014 und 2015. Bei den Prämien für 2014 geht nun etwas weiter: Wie Landesrat Arnold Schuler dem „Südtiroler Landwirt“ mitteilt, werden bis Jahresende rund 40 Millionen an die Bauernbetriebe überwiesen.
Unter anderem betrifft dies die Umweltprämien für das Jahr 2014. Es handelt sich dabei um ­folgende Maßnahmen: Grünland, Zucht der vom Aussterben bedrohten Tierrassen, Beibehaltung des traditionellen Getreidebaus in den Berggebieten, umweltschonender Weinbau, biologischer Anbau, Alpungsprämie und Landschaftspflegeprämie. Für diesen Bereich werden 9800 Antragsteller rund 18 Mio. Euro erhalten.
Weiters wird auch ein Großteil der Erstniederlassungsprämien für Jungbauern und Jungbäuerinnen ausbezahlt.

Mühsamer Weg zu neuen Prämien
Erst im Lauf des kommenden Jahres können die Vorauszahlungen für die Agrarumweltprämien, die Ausgleichszulagen und die Betriebsprämien des Jahres 2015 getätigt werden. Wann genau, das steht derzeit noch nicht fest.
Wie Landesrat Schuler mitteilt, war der Weg
zur Genehmigung des Entwicklungsplanes für den länd­lichen Raum durch Brüssel dieses Mal besonders schwierig und mühsam: „Aufgrund dieser verspäteten Genehmigung und des notwendigen Umstiegs auf eine neue Verwaltungs-Software kam es zu erheblichen Verzögerungen auch in der informationstechnischen Bearbeitung der Gesuche der Flächenprämien für das Jahr 2015.“ Die Folge: Die Ansuchen sind erst vor Kurzem in das informationstechnische System eingegeben worden und müssen jetzt noch bearbeitet werden.
Ähnlich ist die Situation bei der Betriebsprämie 2015. Die verpflichtenden Kontrollen dazu müssen erst noch vorgenommen werden.
Die Tiergesundheitsprämie 2015 wird hingegen nicht als EU-Förderung, sondern aus dem Landeshaushalt finanziert. Daher werden hier bis Jahresende rund drei Millionen Euro an rund 5000 Antragsteller ausbezahlt.

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Banken zeigen Verständnis

Die späte Auszahlung der EU-Prämien (s. nebenstehender Artikel) könnte einige Bauern bei ihrem Kreditinstitut in Schwierigkeiten bringen – vor allem wenn sie dadurch nicht imstande sind, Termine für Rückzahlungen einzuhalten.
Um dies zu vermeiden, hat Landesrat Arnold Schuler Vertreter der Raiffeisenkasse, Sparkasse und Volksbank sowie des Südtiroler Bauernbundes zu einer Aussprache geladen. Dies berichteten Schuler und Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler beim halbjährlichen Treffen der Südtiroler Tierzuchtverbände (s. auch S. 15).
Schuler erklärte den Banken, warum die Zahlungen erst später erfolgen als üblich. Gemeinsam mit Tiefenthaler ersuchte Schuler die Banken dringend, bei prekären Verschuldungen der Bauern nachsichtig zu sein. Die Banken haben sich kompromissbereit gezeigt. Tiefenthaler betonte: „Sicher haben einige Bauern ihre Fristen bei der Bank auf die normalerweise üblichen Auszahlungstermine der Prämien abgestimmt.“ Jetzt sollen sie nicht dafür bestraft werden, dass sie unverschuldet in Verzug geraten, hofft Tiefenthaler.


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Auszahlung auch bei Hagelschutz

Auch bei den Hagelschutzprämien tut sich etwas: Rund 800 Weinbauern haben – direkt von der Zahlstelle AGEA in Rom – bereits Zahlungen für 2015 erhalten. Im Obstbau dagegen wird die Landeszahlstelle Bozen bis Jahresende ausständige Zahlungen für das Jahr 2014 überweisen.
Beim Hagelschutz gilt zu bedenken, dass die Bauern diese Zahlungen nicht behalten können, sondern direkt an das Hagelschutzkonsortium weiter überweisen müssen. Dies ist bereits seit einigen Jahren so üblich: Zu Beginn der Prämienkampagne streckt das Hagelschutzkonsortium die rund 65 Prozent betragende Förderung vor. Sobald die Bauern die Prämie erhalten, erstatten sie sie dem Konsortium zurück. Aufgrund höherer Versicherungskosten im Jahr 2013 musste die öffentliche Hand mehr Geldmittel sichern. Dies ist inzwischen gelungen. Daher werden nun in Absprache mit dem Hagelschutzkonsortium – nach bereits früher ausbezahlten zehn Millionen – weitere 14 Millionen an 5000 Bauern ausbezahlt.