Produktion | 23.10.2015

Was Äpfel so gesund macht

Eine Datenbank mit 540 verschiedenen abgesicherten molekulargenetischen Profilen von Apfelsorten. und der Gehalt an gesundheitsrelevanten Inhaltsstoffen von alten und neuen Apfelsorten: Diese und andere Inhalte des Projekts „Apfel-Fit“ wurden gestern in Terlan vorgestellt. von LPA — Landespresseamt

Welche Apfelsorten enthalten besonders viel Vitamine? Auch dieser Frage gingen die Forscher beim Projekt „ApfelFit“ nach.

Welche Apfelsorten enthalten besonders viel Vitamine? Auch dieser Frage gingen die Forscher beim Projekt „ApfelFit“ nach.

Der Apfel weist eine so große Sortenvielfalt auf, dass selbst erfahrene Pomologen manchmal Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Sorten haben. Für Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler ist „die Vielfalt der Apfelsorten Teil unserer Kulturgeschichte, deshalb ist es wichtig die Eigenschaften der verschiedenen Sorten zu kennen“. Die Bestimmung der Merkmale aus Geschmack, Zusammensetzung und Resistenzen der verschiedenen Apfelsorten biete die Möglichkeit, neue Sorten zu züchten und bestehende zu verbessern.

Grundlage war bestehende Gendatenbank
Wie es zu diesem Projekt gekommen ist, darüber berichtete Josef Dalla Via, Initiator des Projekts und ehemaliger Direktor des Versuchszentrums. Den Aufbau der Datenbank erklärte anschließend Alberto Storti, Mitarbeiter im Projektteil Molekularbiologie: Grundlage für die Identifizierung der molekulargenetischen Profile war zum einen die am Versuchszentrum Laimburg bestehende Genbank mit über 100 alten und neuen Apfelsorten. Darüber hinaus wurden Hunderte weitere alte und neue für Mitteleuropa relevante Apfelsorten in verschiedenen europäischen Sortensammlungen beprobt.

Überraschender Fund
Neben der exakten Bestimmung von Apfelsorten brachte die Datenbank auch überraschende Fakten über die alten aber auch neuen Apfelsorten zutage, wie Sanja Baric berichtete, die den Projektteil Molekularbiologie geleitet hat. So konnte mithilfe der Datenbank eine für Südtirol verschollen geglaubte Apfelsorte, der Maschanzker, aufgespürt werden oder die Elternschaft einer anderen Südtiroler Apfelsorte, der Sorte Meran, geklärt werden.

Die gesündesten unter den Gesunden
Doch welche dieser alten und neuen Apfelsorten enthalten nun die meisten gesundheitsrelevanten Inhaltsstoffe? Auch mit dieser Frage hat sich das Projekt Apfel-Fit beschäftigt. Die Forscher haben 100 alte und neue Sorten der Laimburger Genbank ausgewählt und deren gesundheitsrelevante Inhaltsstoffe wie Polyphenole, Zucker, Säure, Vitamine und Mineralstoffe eingehend analysiert. Peter Robatscher, Leiter des Projektteils „Chemische Analysen“, empfahl: „Bei allen Apfelsorten hat sich gezeigt, dass der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen wie Polyphenolen und Vitaminen in der Schale etwa dreimal so hoch ist wie im Fruchtfleisch. Äpfel sollte man darum also immer mit der Schale essen.“ Den höchsten Vitamin-C-Gehalt aller untersuchten Apfelsorten haben die beiden alten Sorten „Freiherr von Berlepsch“ und „Schweizer Orangenapfel“, bei den kommerziellen Apfelsorten schneiden die Clubsorten Kanzi, Jazz und Pink Lady am besten ab“, führte Flavia Bianchi, Mitarbeiterin im Projektteil „Chemische Analysen“ aus.

Wertvolle Infos auch für die Obstbauern
Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse können nun Züchter gezielt jene alten und modernen Apfelsorten zur weiteren Selektion auswählen, die sich durch besonders gesundheitsförderliche Inhaltsstoffe auszeichnen. Relevant sind diese Erkenntnisse auch für die Entwicklung von Nischenprodukten mit potenziellem Gesundheitswert (Säfte, Apfelchips etc.) Michael Oberhuber, Direktor des Versuchszentrums Laimburg, fasst zusammen: „Auf der Grundlage der Ergebnisse dieses Projekts können wir den Südtiroler Obstproduzenten nun wertvolle Informationen über die Eigenschaften und Inhaltsstoffe alter und neuer Apfelsorten geben. Gleichzeitig setzen wir dadurch neue Impulse für die heimische Obstwirtschaft.“ Der Kunde könne zukünftig seine Entscheidung zum Kauf eines Apfels nicht nur aufgrund der Farbe treffen, sondern aufgrund des Geschmackes und der Verträglichkeit.

Nachfolgeprojekt ist bereits im Gang
Am Forschungsprojekt „Apfel-Fit“ des Versuchszentrums Laimburg haben im Zeitraum von Oktober 2008 bis Oktober 2015 neun Mitarbeitende des Labors für Aromen und Metaboliten und des Bereichs Molekularbiologie mitgewirkt. Finanziert wurde es aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) mit einer Million Euro.
An das Projekt „Apfel-Fit“ schließt nun das Projekt „Pomosano“ an. Hier wird untersucht, wie sich die Inhaltsstoffe der Äpfel im Verarbeitungsprozess verändern. Analysiert werden verarbeitete Apfelprodukte wie frische Säfte oder Fresh-Cut-Produkte.