Südtiroler Landwirt, Rechtsberatung | 23.10.2015

Warnung vor der Abzocke!

Bäuerliche Familien sind offensichtlich dankbare Opfer. Noch immer fallen viele von ihnen auf die Tricks mit Telefonverträgen und Haustürgeschäften herein. Der „Südtiroler Landwirt“ erklärt, wie sie funktionieren und wie man sich davor schützt. von Tanja Rainer, Verena Platter

Das kann teuer werden: Ein schnelles „Ja“ am Telefon hat oft sinnlose, ja sogar betrügerische Verträge zur Folge. (Foto: Robert Müller, www.pixelio.de)

Das kann teuer werden: Ein schnelles „Ja“ am Telefon hat oft sinnlose, ja sogar betrügerische Verträge zur Folge. (Foto: Robert Müller, www.pixelio.de)

Zum wiederholten Male appelliert der Südtiroler Bauernbund dringend an seine Mitglieder: Seid vorsichtig bei Telefonverträgen und Haustürgeschäften! Wieder einmal häufen sich die Beschwerden der Mitglieder: Sie schließen aufgrund unlauterer Geschäftspraktiken der Anbieter neue Telefon- oder Stromverträge ab oder leisten aufgrund irreführender Mitteilungen Zahlungen, die sie eigentlich nicht schulden. Bereits nach kurzer Zeit entpuppen sich die vermeintlich guten Angebote als Abzocke und Betrügereien! Der „Südtiroler Landwirt“ erklärt die häufigsten Tricks und wie man sich am besten gegen sie wehrt.

Telefon
Besonders beliebt bei ausländischen – z.B. britischen oder kanadischen – Telefonanbietern sind Betriebe mit „Urlaub auf dem Bauernhof“. Die Anbieter kontaktieren die Landwirte telefonisch. Dabei gibt es zwei verschiedene Herangehensweisen.
Methode 1: Die Anbieter melden sich immer nur als „Telecom“ und führen den Kunden damit in die Irre. Sie behaupten, es wäre notwendig, neue Verträge abzuschließen, weil die bisherigen Verträge auslaufen würden. Um nicht Anschluss und Linie zu verlieren und gleichzeitig aus den Telefonbüchern gelöscht zu werden, müsse dies unverzüglich erfolgen. Mit verschiedenen Androhungen wird der Kunde praktisch gezwungen, dem Abschluss eines neuen Vertrages sofort und direkt am Telefon zuzustimmen. Die Erfahrung des Bauernbundes zeigt: Den Mitgliedern wird meistens erst nachträglich bewusst, dass es sich nicht um Telecom Italia sondern um einen anderen Anbieter handelt.
Methode 2: Diese Methode wendet insbesondere ein britischer Anbieter an: Er teilt den Kunden mit, dass Telecom Italia keine Geschäftskunden mehr betreuen kann. Das sind all jene Kunden, deren Rechnung auf die Mehrwertsteuernummer des Betriebes ausgestellt wird.
Aus diesem Grund – so die Behauptung – muss der Umstieg zum britischen Anbeiter erfolgen. Auch in diesem Fall wird gedroht: Bei nicht erfolgter Zustimmung werde die Linie sofort stillgelegt und der Kunde aus allen öffentlichen Telefonverzeichnissen gelöscht.
Verhaltensregel: Der Bauernbund empfiehlt: Jeder Inhaber einer Fix-Telefonlinie sollte sich kostenlos im sogenannten Registro delle opposizioni eintragen.
Damit lehnt er solche Werbeanrufe ausdrücklich ab. Dazu muss er im Internet ein einfaches Formular ausfüllen (für Privatkunden: http://bit.ly/privatkunde, für Geschäftskunden: http://bit.ly/geschaeftskunde). Mit dieser Eintragung werden die Werbeanrufe normalerweise deutlich weniger.
Bei den verbleibenden, zukünftigen Anrufen rät der Südtiroler Bauernbund seinen Mitgliedern, auf die Eintragung zu verweisen und aufzulegen.

Strom
Mehrfach erhält der Bauernbund auch Beschwerden von Mitgliedern, die von angeblichen Enel-Mitarbeitern kontaktiert werden.
Methode: Auch die Enel selbst hat mit mehreren Presseaussendungen darauf hingewiesen, dass es sich oft um Betrüger handelt: Sie wollen entweder Bargelder einstreichen, manchmal spionieren sie auch ganze Wohnsiedlungen für andere kriminelle Zwecke aus.
Verhaltensregel: Grundsätzlich gilt: Unter keinen Umständen Verträge an der Haustür abschließen!
Allerdings: Einige Vertreter sind tatsächlich Mitarbeiter des Enel, die den Kunden an der Haustür zumeist einen Wechsel des Stromvertrages vom geschützten auf den freien Markt anbieten. Es entspricht der Wahrheit, dass es den geschützten Markt (mercato tutelato) im Stromsektor nur mehr begrenzte Zeit geben wird (heutiger Stand: bis 2018). Allerdings gibt es keinen Zwang, bereits jetzt auf einen neuen Vertrag im freien Markt (mercato libero) umzusteigen. Wenn es soweit ist, werden die Mitglieder vom „Südtiroler Landwirt“ informiert.

Kosten viel, bringen wenig: Werbeanzeigen im Internet
Viele Mitglieder melden sich auch wegen der Schaltung von Online-Werbung auf diversen Internetportalen.
Methode: Dies betrifft deutsche wie auch italienische Internetseiten. Es handelt sich dabei um Werbeanzeigen: Sie kosten viel und bringen wenig.
Verhaltensregel: Wer Interesse hat, seinen Internetauftritt zu verbessern bzw. die Werbung im Internet zu steigern, kann sich an die Bauernbund-Abteilung Marketing wenden und dort beraten lassen.

Gefälschte Handelskammer­eintragungen
Auch darüber hat der „Südtiroler Landwirt“ bereits mehrfach berichtet: Vor allem bei frisch gebackenen Hofübernehmern kursieren wieder vermehrt Formulare, die beim Empfänger den Anschein erwecken, es handle sich um die Zahlungsaufforderung für die Eintragung in die Handelskammer.
Methode: Es geht dabei um beträchtliche Beträge, meist sogar über 300 Euro. Vielfach sind die Zahlungsaufforderungen auch mit dem Hinweis versehen, dass die Eintragung verpflichtend sei. Die Wahrheit: Meistens sind es kostenpflichtige Eintragungen in verschiedene Firmensuchportale. Die Handelskammern warnen italienweit vor solchen Geschäftspraktiken.
Verhaltensregel: Die „richtige“ Gebühr für die Einschreibung in die Handelskammer Bozen beträgt pro Jahr zirka Euro 50 und ist nur einmal jährlich geschuldet. Eine entsprechende Aufforderung erhalten unsere Mitglieder ungefähr Mitte Mai auf die PEC-Adresse (oder per Post, wenn keine PEC-Adresse gemeldet wurde) direkt von der Handelskammer Bozen.

Unternehmer sind weniger geschützt als Private
Nicht nur der Bauernbund, auch Handelskammern und Verbraucherzentralen warnen italienweit vor solchen Geschäftspraktiken. Der Verbraucherschutz wurde zu Gunsten der Endverbraucher stark abgeändert. Darüber haben kürzlich viele Medien berichtet. Viele Bauern glauben, das gelte auch für sie.
Auch hier ist Vorsicht geboten: Denn bei Unternehmern greifen die neuen Bestimmungen nur in sehr eingeschränktem Maße. Dies trifft auf alle landwirtschaftlichen Unternehmer zu und somit auch für Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Betriebe. Eine Tatsache, die den Strom- und Telefonanbietern leider nur allzu gut bekannt ist. Verträge für Geschäftskunden (also mit Mehrwertsteuernummer) können auch weiterhin rechtsgültig telefonisch abgeschlossen werden.