Südtiroler Landwirt, Produktion | 23.10.2015

Heimische Kellereien einsame Spitze

Die Fachzeitschrift „Weinwirtschaft“ veröffentlicht alljährlich Leistungstests von Kellereigenossenschaften, für die sie deren Weine verkostet und vergleicht. Beim Vergleich der italienischen Kellereien schnitten die Südtiroler Genossenschaften wieder beeindruckend ab. von Bernhard Christanell

Zum dritten Mal in Folge kürte die „Weinwirtschaft“ die Kellerei Terlan (im Bild ein Weinberg in Gries) zur besten Kellerei Italiens. (Foto: Kellerei Terlan)

Zum dritten Mal in Folge kürte die „Weinwirtschaft“ die Kellerei Terlan (im Bild ein Weinberg in Gries) zur besten Kellerei Italiens. (Foto: Kellerei Terlan)

Die Ergebnisse des Leistungstests der italienischen Kellereigenossenschaften wurden im September in der Fachzeitschrift „Weinwirtschaft“ und auch online veröffentlicht. Basis der Leistungstests ist die Bewertung der eingereichten Weine. Um Vergleichbarkeit herzustellen, müssen die Kellereien jeweils sechs Weine vergleichbarer Kategorien einreichen. Die jeweiligen Basis-Linien sind dort ebenso mit dabei wie die Bestseller, Weine aus dem Premiumbereich und regionale Spezialitäten. Die jeweils fünf besten Weine jeder Genossenschaft fließen dann in die Endwertung ein. Knapp 40 der qualitativ führenden italienischen Genossenschaften haben sich 2015 am Leistungstest beteiligt – und die Südtiroler Genossenschaften haben ihre Vormachtstellung eindrücklich untermauert.

Sieben Südtiroler Kellereien unter den besten zehn
So belegen die Südtiroler Kellereien nicht nur die ersten fünf Plätze im Ranking, sondern auch sieben Plätze unter den „Top Ten“ sowie elf Plätze unter den besten 20. Zum dritten Mal in Folge konnte sich die Kellerei Terlan an die Spitze setzen und mit Weinen wie dem Sauvignon Quarz 2013 (91 Punkte) oder dem Vorberg Weißburgunder Riserva 2012 (89 Punkte) überzeugen. Knapp dahinter auf Platz zwei platzierte sich die Kellerei Tramin, die unter anderem den Nussbaumer Gewürztraminer 2013 und dem Sauvignon Blanc 2014 eingereicht hatte. Auf den dritten Podestplatz kam diesmal die „Erste und Neue“ in Kaltern, die im Vergleich zum Vorjahr einen großen Sprung von Platz 15 auf Rang drei schaffte. Mit dem Cabernet Sauvignon stellte Kaltern den besten Rotwein der Verkostung, bestbewerteter Weißwein war übrigens der Sauvignon Quarz 2013 der Kellerei Terlan. Auf Platz vier und fünf kamen die Kellereien von Andrian und St. Pauls, ebenfalls den Sprung unter die besten zehn schafften noch die Kellereien Girlan und Kaltern.
Die beste Nicht-Südtiroler Kellereigenossenschaft im Ranking der „Weinwirtschaft“ ist übrigens die „Cantina Tollo“ aus den Abruzzen auf Platz sechs, direkt hinter ihr platzierten sich mit der „Cantina Clavesana“ und der Genossenschaft „Vinchio Vaglio Serra“ zwei Kellereien aus dem Piemont.

„Führende Weinbaubetriebe Europas“
„Weinwirtschaft“-Chefredakteur Hermann Pilz streut im Bericht den Südtirolern Rosen: „Sie dürfen sich auch im internationalen Vergleich und über Betriebsformen hinweg als die führenden Weinbaubetriebe Europas auf dem Feld der Genossenschaften betrachten.“ Mehr als viele andere Regionen habe sich Südtirol in die Moderne katapultiert und schöpfe trotz oder gerade wegen der schwierigen Topografie die natürlichen und menschlichen Ressourcen besser aus als viele andere Regionen Italiens.
Pilz meint damit wohl auch den Umstand, dass es in Südtirol – im Gegensatz zu manch anderen Regionen in Italien – üblich ist, dass die Bauern ihre beste Ware in die jeweilige Kellerei bringen und nicht nur jene Trauben, die sie nicht selbst verarbeiten wollen oder können.
Der Obmann der siegreichen Kellerei Terlan, Georg Höller, ist vom dritten Sieg in Folge begeistert: „Die erneute Wahl zur besten Genossenschaft Italiens ist eine große Ehre für uns und zeigt, dass in unserem Fall Qualität nicht von der Betriebsform abhängt.“
Die Kellerei St. Michael Eppan auf Platz 12, die als Neueinsteiger wieder in den Wettbewerb eingestiegen ist, sowie die Kellereigenossenschaft Bozen auf Platz 14, die Kellerei Meran Burggräfler auf Platz 17 und die Kellerei Kurtatsch auf Platz 18 komplettieren die machtvolle Demonstration des Südtiroler Weinbaus.