Südtiroler Landwirt, Politik | 08.10.2015

Die Grundlage

Der Lebensmittelsektor gehört zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen im Land. Bäuerliche Produkte schaffen dafür die Basis. Wie Synergien künftig besser genutzt werden könnten, war vergangene Woche Thema auf einem Lebensmittelsymposium in Bozen. von Michael Deltedesco

Auf dem Lebensmittelsektor soll das Zusammenspiel der Wirtschaftssektoren weiter ausgebaut werden.

Auf dem Lebensmittelsektor soll das Zusammenspiel der Wirtschaftssektoren weiter ausgebaut werden.

Kaum ein heimischer Wirtschaftssektor ist derart erfolgreich wie die Lebensmittel- und Getränkeherstellung sowie die Verarbeitung der Produkte.
Bei einem vom Südtiroler Bauernbund und dem Unternehmerverband Südtirol organisierten Lebensmittelsymposium nannte Georg Lun, Direktor des WIFO der Handelskammer Bozen, konkrete Zahlen: „27.000 Menschen sind in den Unternehmen beschäftigt, die 1,5 Milliarden Euro an Wertschöpfung jährlich erwirtschaften.

Starke Landwirtschaft ist die Basis
Der Exportanteil des Lebensmittel- und Getränkesektors liegt bei sagenhaften 32 Prozent oder 1,3 Milliarden Euro.“ Was die Lebensmittelbranche in Südtirol stark macht, ist einfach erklärt. Unternehmerverbandspräsident Stefan Pan streute den bäuerlichen Familien Rosen: „Es sind viele innovative Unternehmen und eine starke Landwirtschaft mit qualitativ hochwertigen Produkten.“
Diese Stärke hat lokal vor allem eine Auswirkung, wie Landeshauptmann Arno Kompatscher unterstrich: „Die Lebensmittelwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten, zusammen mit den Maßnahmen der Politik für den ländlichen Raum, maßgeblich dazu beigetragen, Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu schaffen bzw. zu erhalten und damit die Peripherie attraktiv zu halten.“

Neue Märkte erobern
Um erfolgreich zu bleiben, bedarf es aber einiger Anstrengungen: Darin waren sich alle einig. „Die Eroberung neuer Märkte ist der Weg für weiteres Wachstum. Um dies zu schaffen, setzen unsere Unternehmen auf die Qualität der Produkte, Nachhaltigkeit und stetige Innovation. Diese Strategie gilt es sehr konsequent weiterzuverfolgen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein“, forderte Pan. Hier kann Südtirol zu einem Modell auch für andere Regionen werden.

Bestehende Synergien verstärkt nutzen
Eine der Stärken der heimischen Wirtschaft liege in der Vernetzung und der Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen und Wirtschaftssparten.
Synergien gelte es weiter auszubauen. „Klein und Mittelgroß gehören zusammen“, stellte Präsident Pan klar. Besonders in der Zusammenarbeit mit einer weiteren Säule der heimischen Wirtschaft – dem Tourismus – gebe es noch viel Potential.
Gut funktioniert die Zusammenarbeit zwischen der Landwirtschaft als Primärsektor und den verarbeitenden Unternehmen. 350 Millionen Euro an Vorleistungen erbringt die Landwirtschaft für die Nahrungs- und Getränkemittelindustrie.
Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler betonte: „Dank der hohen Qualität der landwirtschaftlichen Roherzeugnisse könnte dieser Anteil in den nächsten Jahren noch weiter steigen. Die verarbeitenden Betriebe haben jedenfalls großes Interesse an unseren Äpfeln, unserer Milch und anderen Produkten.“

Botschafter Südtirols im Ausland
Die Unternehmen im Lebensmittelsektor samt ihren Marken sind wichtige Botschafter für Südtirol im Ausland. Auch daher genießt die „Marke Südtirol“ einen hervorragenden Ruf, was in Südtirol leider oft zu wenig Beachtung findet, haben gleich mehrere Referenten bedauert.
Zur großen Bekanntheit Südtirols beigetragen hat mit Sicherheit auch der Einsatz der Export Organisation Südtirol, die seit Jahren für Lebensmittel „Made in Südtirol“ wirbt. Für Direktor Hansjörg Prast sind zukünftig zwei Faktoren für den Erfolg im ­Lebensmittelsektor entscheidend: die verstärkte Suche nach Nischen auf den internationalen Märkten und die regionale Herkunft der Produkte.
Herkunft alleine sei aber zu wenig, um am Markt bestehen zu können. Der für seine gleichnamige Supermarktkette bekannte Marcello Poli ist überzeugt: „Es muss auch die Qualität stimmen. Sonst vertraut der Konsument lieber einer bekannten Marke als lokalen Produkten. In Südtirol stimmt die Qualität.“ Potential haben lokale Produkte von kleinen Produzenten vor allem direkt vor Ort. Die Zusammenarbeit mit lokalen Verteilern ist daher ein Muss. „In den Poli-Supermärkten in Südtirol stammen etwa 20 Prozent der Produkte aus der Region“, unterstrich Poli.

Forschung und Entwicklung stärken
Ein weiterer Erfolgsfaktor, dem zukünftig noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss, sind die Themen Forschung und Entwicklung. Michael Oberhuber, Direktor des Versuchszentrums Laimburg, unterstrich: „Innovation ist ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor in einer globalisierten Wirtschaft, auch in der Landwirtschaft. In den letzten 40 Jahren haben gerade die Innovationsleistungen der Laimburg im Obst- und Weinbau zum Erfolg dieser beiden Sektoren beigetragen.“ Nach und nach sei die Forschungskapazität auf alle Kulturen ausgebaut worden. Letzthin sei besonders die Berglandwirtschaft in den Fokus gerückt. „Der Aufbau von Forschungskapazität in der Lebensmittelverarbeitung ermöglicht es den Betrieben, auf Forschungsleistungen zurückzugreifen, die die eigenen Kapazitäten sprengen würden. Damit können auch sie im Wettbewerb mit internationalen Konzernen bestehen“, sagte Oberhuber.
Ein neuer Forschungsmittelpunkt wird der Technologiepark werden, ist Landeshauptmann Kompatscher überzeugt. „Die Lebensmitteltechnologie wird einer der Schwerpunkte werden“, versicherte der Landeshauptmann.

Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit
Ein letzter Erfolgsfaktor zum Schluss: die Nachhaltigkeit. „Konsumenten wollen heutzutage wissen, wo und wie Lebensmittel produziert werden. Der Bereich nachhaltige Produkte wächst im zweistelligen Bereich“, bestätigt Poli. Hier habe Südtirol bereits eine Vorreiterrolle, die es weiter auszubauen gilt. Dadurch können heimische Unternehmen im internationalen Vergleich noch wettbewerbsfähiger werden. 

Vertreter von Wirtschaftsverbänden, Politik und Forschungseinrichtungen diskutierten vergangene Woche über die Zukunft des Lebensmittelsektors in Südtirol.

Vertreter von Wirtschaftsverbänden, Politik und Forschungseinrichtungen diskutierten vergangene Woche über die Zukunft des Lebensmittelsektors in Südtirol.