Produktion | 08.10.2015

Die Dosis macht den Dünger

Eine optimale Nährstoffzufuhr über wirtschaftseigene Dünger (Gülle, Festmist, Jauche) spielt in der Grünlandwirtschaft eine bedeutende Rolle. Richtig eingesetzt, sind sie die wertvollsten Dünger und können mit keinem mineralischen Düngemittel ersetzt werden. von Thomas Prünster, BRING

Je bodennaher und großtropfiger die Gülle ausgebracht wird, desto geringer sind die Verluste.

Je bodennaher und großtropfiger die Gülle ausgebracht wird, desto geringer sind die Verluste.

Sofern die Ausbringung kontinuierlich, gleichmäßig und mit einer angepassten Menge erfolgt, können die Wirtschaftsdünger allein den gesamten Nährstoffbedarf der Grasnarbe decken. Im Gegensatz zu mineralischen Düngemitteln wird vor allem mit den Wirtschaftsdüngern Gülle und Festmist zum einen organische Substanz als Nahrung für die Bodenlebewesen und zur Humusbildung zugeführt, und andererseits die notwendigen Nährstoffe für die Futterpflanzen bereitgestellt.
Die Gülle ist ein nährstoffreicher Wirtschaftsdünger, der bei richtiger Anwendung eine ausreichende Versorgung der Pflanzen mit Grundnährstoffen Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) ermöglicht und somit eine Grundvoraussetzung für eine gute Futterqualität und Futtererträgen ist. Der Stickstoff der Gülle setzt sich durchschnittlich aus 50 Prozent organischem Stickstoff und zu 50 Prozent Ammoniumstickstoff (NH4-N) zusammen.
Im Vergleich beträgt der Ammoniumstickstoffanteil im Festmist zehn Prozent und in der Jauche 90 Prozent. Der Ammoniumstickstoff ist jener Stickstoff, der größtenteils in Nitrat umgewandelt wird und direkt von der Pflanze aufgenommen werden kann. Der organische Anteil wirkt je nach der Mineralisationsrate in den Folgejahren und trägt daher vor allem zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit bei.

Viele Faktoren werden im Stall entschieden
Die optimale Bewirtschaftung der Grünlandflächen durch Düngung ist von vielen Faktoren abhängig. Grundvoraussetzung ist allerdings eine optimale Anpassung der Milchleistung im Stall, der Rationsgestaltung und Nutzung der Grünlandflächen. Je höher die Milchleistung der Tiere, umso höher der Anfall an Düngermenge. Dies hat zur Folge, dass eine hohe Milchleistung und eine niedrige Nutzungsfrequenz der Wiesen zu einer Überdüngung der Flächen führen kann. Die Stickstoffausscheidungen der Milchkühe sind dabei allerdings ausschlaggebend. Je höher diese Stickstoffausscheidungen – zum Beispiel durch eine Überversorgung mit Rohprotein (XP) in der Gesamtration – sind, desto größer ist auch die Gefahr einer Überversorgung der Grünlandflächen mit Stickstoff (N).
Als Parameter zur Schätzung der Stickstoffausscheidungen werden meistens die Milchleistung oder der Proteingehalt herangezogen. Allerdings lassen sich auch über den Milchharnstoffgehalt Rückschlüsse auf die Versorgung des Pansens mit Ammoniumstickstoff ziehen (Bannink u. Hindle 2003).

Mit richtiger Futterration Stickstoff-Ausscheidungen steuern
Eine durchschnittliche Erhöhung des Milchharnstoffgehaltes um zehn Milligramm pro 100 Milliliter Milch erhöht die Stickstoff-Ausscheidung pro Jahr um ca. 20 Kilogramm. Folglich lassen sich mit einer gezielten Rationsgestaltung unter Einbeziehung des Milchharnstoffgehaltes die N-Ausscheidungen deutlich vermindern. Dies bedeutet auch, dass Kühe mit 6000 Kilogramm Milchleistung pro Jahr und einem Milchharnstoffgehalt von 27 Milligramm pro 100 Milliliter genauso viel Stickstoff ausscheiden, wie Kühe mit 10.000 kg Milchleistung pro Jahr und einem Milchharnstoffgehalt von 20 Milligramm pro 100 Milliliter.
Die Ausbringungsmenge der Wirtschaftsdünger ist abhängig von der Bewirtschaftungsweise der Grünlandflächen. Je höher die Schnittfrequenz, desto höher ist auch der Nährstoffentzug der bewirtschafteten Fläche und umso höher ist auch der Stickstoffbedarf. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die maximale Stickstoffmenge von Seiten des Gewässerschutzes geregelt ist und bei Grünlandflächen, welche zum Beispiel auf einer Meereshöhe zwischen 1250 und 1500 Metern Meereshöhe liegen, höchstens 187 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr betragen darf. Die Empfehlungen zur Ausbringungsmenge von Gülle sind durchschnittlich bei zehn bis 15 Kubikmeter unverdünnte Gülle pro Schnitt (siehe Tabelle).
Wichtig bei der Gülledüngung ist eine Verteilung der Menge auf das ganze Jahr. In der Praxis ist manchmal die Ausbringung der Gülle nur auf das Frühjahr und den Herbst beschränkt. Dabei werden die 15 Kubikmeter pro Gabe oft bei Weitem überschritten – und das kann unter Umständen eine Verschlechterung des Pflanzenbestandes bewirken. Eine zu hohe Menge von Flüssigdüngern (Jauche, Gülle, Biogasgülle) pro Gabe kann nämlich das Wurzelwachstum und die Blätter der Futtergräser negativ beeinflussen und das Wachstum schwächen. Pfahlwurzler wie der Stumpfblättrige Ampfer werden dagegen im Wachstum nicht gehindert und können sich aufgrund der konkurrenzschwachen Gräser massiv ausbreiten.

Düngung im Frühjahr oder im Spätherbst
Immer wieder wird die Frage gestellt, ob die Gülle besser im Frühjahr oder im Herbst ausgebracht werden sollte. In einem elfjährigen Düngungsversuch (Diepolder und Jakob 2002) wurde festgestellt, dass eine Ausbringung der Gülle im Spätherbst im Vergleich zur Frühjahrsdüngung keine negativen Auswirkungen hinsichtlich Futterertrag, Futterqualität und einer möglichen Stickstoffauswaschung hat. Es wurden dabei verschiedene Güllemengen im Spätherbst ausgebracht und mit einer ungedüngten Kontrollvariante verglichen.
Dabei wurde festgestellt, dass eine Verlagerung des Stickstoffs zwischen dem Hauptwurzelraum (null bis zehn Zentimeter) und der darunter liegenden Bodenschichten (zehn bis 30 Zentimeter) bei den einzelnen Varianten nicht erkennbar war. Das heißt, dass noch eine Umwandlung des mineralisierten, löslichen Stickstoffs in den Bodenhumus oder ein Einbau in die Wurzelmasse oder in die oberirdische Blattmasse der im Herbst ausgebrachten Gülle erfolgte.
Eine potenzielle Auswaschungsgefährdung von Stickstoff aufgrund der Gülledüngung im Spätherbst konnte bei diesem langjährigen Versuch nicht festgestellt werden. Diese Ergebnisse wurden auf nicht gefrorenen Böden erzielt. Auf gefrorenen Böden dürfen auf keinen Fall Flüssigdünger ausgebracht werden, da ansonsten eine erhöhte Gefahr der Abschwemmung besteht.
Zusätzlich wurde bei diesem Versuch auch der Pflanzenbestand aufgenommen und mit der ungedüngten Kontrollvariante verglichen. Während bei den gedüngten Parzellen die Pflanzenbestände stabil blieben, zeigte sich bei der ungedüngten Fläche eine massive Umschichtung des Pflanzenbestandes. Die fehlende Nährstoffzufuhr bewirkte zudem einen starken Rückgang des Futterertrages um etwa 50 Dezitonnen pro Hektar.

Ammoniakverluste reduzieren
Um die Flüssigdünger optimal im Grünland einzusetzen, müssen unter anderem die Stickstoffverluste in Form von Ammoniak vermindert werden. Da sich der schnell pflanzenverfügbare Ammoniumstickstoff in Verbindung mit Sauerstoff und einem pH-Wert ab 8 in das gasförmige Ammoniak umwandelt, kann dieses bei der Ausbringung sehr schnell entweichen. Durch das Aufrühren der Gülle wird diese homogenisiert und der pH-Wert der Gülle steigt. Bei der Ausbringung von unverdünnter Gülle bei zusätzlich hohen Temperaturen kann dadurch ein Stickstoffverlust von 95 Prozent des Ammoniumstickstoffes entstehen. Wird die Gülle beim Aufrühren mit Wasser im Verhältnis von einem Teil Gülle und zwei Teilen Wasser verdünnt, reduziert sich der Ammoniakverlust auf 40 Prozent. Zudem vermindert der Wasserzusatz nicht nur Stickstoffverluste, sondern verbessert die Fließgeschwindigkeit von den Blättern, kann besser in den Boden eindringen, ist besser pflanzen- und wurzelverträglich und fördert sogar die Regenwürmer (bioaktuell 2011). Mit einer Ausbringung der Gülle oder Jauche über die Bewässerungsanlage kann eine Verdünnung im Verhältnis eins zu zehn mit Wasser erreicht werden. Folglich kann damit auch in die volle Vegetationszeit gedüngt werden.
Ein weiterer wesentlicher Faktor zur Reduzierung der Stickstoffverluste ist die Ausbringung der Flüssigdünger bei bedecktem Himmel, direkt vor Regen, bei hoher Luftfeuchtigkeit, kühlen Temperaturen, bei Windstille und die Ausbringung innerhalb der ersten zehn Tage nach dem Schnitt. Bei einem angekündigten Starkregen sollten Flüssigdünger nicht auf drainierten Wiesen ausgebracht werden, da dadurch ein großes Auswaschungsrisiko über die Drainage besteht.

Tropfengröße ist mitentscheidend
Eine Reduzierung der Stickstoffverluste kann auch mit der Ausbringungstechnik beeinflusst werden. Je feintropfiger die Ausbringung der Flüssigdünger ist, desto größer sind nämlich die Stickstoffverluste. Je bodennaher und großtropfiger, desto geringer sind die Verluste. Bezüglich der Ausbringungstechnik gibt es folgenden Verteilertechniken, beginnend mit der niedrigsten Verlustrate: Injektor – Schleppschuh – Schleppschlauch – Schwenkverteiler – Prallkopf – Prallteller.
Diese Verteilertechniken sind allerdings nur im ebenen bzw. mäßig steilem Gelände einsatzfähig. Allerdings ist gerade in Steillagen der Einsatz von Flüssigdüngern hinsichtlich Verteilung sehr interessant. In solchem Gelände werden die so genannten Gülleregner verwendet, welche die Flüssigdünger feintropfig ausbringen. Gerade bei dieser Technik ist der Wasserzusatz ein Muss. Zudem wird mit dem Wasserzusatz auch die Geruchsbelästigung minimiert.

Fazit: Weniger Menge in mehreren Gaben
Ein hochwertiges Grundfutter ist Voraussetzung für eine gute Tiergesundheit mit entsprechender Leistung. Die Grünlandflächen müssen dementsprechend auch gepflegt und gedüngt werden. Dafür ist eine kontinuierliche und regelmäßige Nährstoffversorgung der Futterpflanzen notwendig. Neben der Reduzierung von Stickstoffverlusten, entsprechender Verteilertechnik ist auch die Düngermenge ausschlaggebend. Denn bei der Düngung gilt nicht die Regel, viel hilft viel, sondern weniger – dafür öfters.


Tabelle: Stickstoffbedarf und benötigte Güllemenge in Abhängigkeit der Schnittanzahl

 

Anzahl Schnitte

Stickstoffbedarf

(kg/ha und Jahr)

benötigte unverdünnte Gülle pro Jahr (m³)

1

40 bis 50

10 bis 15

2

70 bis 100

20 bis 30

3

160 bis 180

30 bis 50

4

215 bis 245

50 bis 60