Südtiroler Landwirt | 24.09.2015

Neue EU-Waldstrategie stärkt Forstwirtschaft

Den Forstsektor in seiner gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Rolle stärken und den Rohstoff Holz in den Vordergrund stellen: Das ist Ziel der neuen EU-Forststrategie. Nachhaltigkeit lautet das Gebot der Stunde. von Bernhard Budil, Verband der Land&Forst Betriebe Österreich

Die neue EU-Forststrategie ist ein klares Bekenntnis zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung. (Foto: Rainer Sturm, www.pixelio.de)

Die neue EU-Forststrategie ist ein klares Bekenntnis zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung. (Foto: Rainer Sturm, www.pixelio.de)

Die neue Europäische Waldstrategie muss als Antwort auf die steigenden Anforderungen und Auswirkungen auf die europäischen Wälder verstanden werden. Auch um grenzübergreifende Herausforderungen wie Waldbrände, Klimawandel, Naturkatastrophen oder gebietsfremde invasive Arten, bewältigen zu können, braucht die EU eine gemeinsame Strategie. Der forstbasierte Sektor soll unterstützt und die nachhaltige Produktion und Nutzung von Holz und anderen forstwirtschaftlichen Produkten wie Kork oder Textilfasern angekurbelt werden. Denn die Wettbewerbsfähigkeit der Branche muss gestärkt werden, damit auch die vielfältigen Umwelt- und Gesellschaftsleistungen künftig und nachhaltig erbracht werden können.
Die Europäische Kommission hat daher bereits im April 2011 den Startschuss für eine Überarbeitung der bisherigen „Forest Stra­tegy“ gegeben, die seit 1998 in Kraft war. Nach  Jahren mit Diskussionen und Analysen hat das Europäische Parlament nun Ende April 2015 positiv über die neue „EU-Waldstrategie“ abgestimmt. Der Bericht „Eine neue EU-Waldstrategie: für Wälder und den forstbasierten Sektor“ der Chefverhandlerin Elisabeth Köstinger wurde mit großer Mehrheit beschlossen. Die Strategie gilt als klares Bekenntnis für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung.
Ziel ist es, die Wälder und den forstbasierten Sektor in ihrer gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Rolle zu stärken und den Rohstoff Holz als wichtige Ressource in den Vordergrund zu stellen. Die EU-weite Strategie hebt sowohl den Stellenwert des Forstsektors für Natur und Umwelt als auch sein ökonomisches Potenzial und seine Leistungen für die Gesellschaft hervor.

Ganzheitlicher Leistungsansatz
Das Konzept der neuen Strategie greift weit über den Wald hinaus und geht auch auf die Aspekte der Wertschöpfungskette sowie die Herausforderungen und Lösungsansätze für den Klimawandel ein. Diese haben einen starken Einfluss auf die Waldbewirtschaftung. Sie betont ausdrücklich den multifunktionalen und ganzheitlichen Leistungsansatz der europäischen Wälder und gilt als Absage für diesbezügliche segregative Ideen. In der neuen EU-Waldstrategie wird klar darauf hingewiesen, dass Auswirkungen anderer Politikbereiche auf die Wälder sowie Entwicklungen außerhalb der Waldgrenzen Berücksichtigung in der Bewertung finden müssen. Die neue Strategie zielt auch darauf ab, Bereiche einzelstaatlicher Forstpolitik in die EU-Politik einzubeziehen. Gefordert wird unter anderem die Schaffung eines Waldinformationssystems oder die Erhebung EU-weit harmonisierender Informationen über die europäischen Wälder.
Entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip soll die EU ihre Politiken betreffend die Forstwirtschaft besser untereinander abstimmen, gleichzeitig soll jedoch bei der Entwicklung und Umsetzung auf die regionalen Besonderheiten geachtet werden.

Sinnvolle Bewirtschaftungskriterien statt Überregulierung
Es ist also keine Ausarbeitung einer gemeinsamen Forstpolitik geplant, sondern diese soll subsidiär bleiben. Jedenfalls sollen die Bedürfnisse der Forstwirtschaft in allen anderen Politikbereichen mitgedacht werden.
Elisabeth Köstinger, Mitglied des Euro­päischen Parlamentes und Chefverhandlerin bei der Forststrategie, erklärt:  „Die Forstwirtschaft ist ein absolut nachhaltiger Wirtschaftsmotor, der Arbeitsplätze sichert. Die euro­päische Forststrategie erkennt daher die wichtige Rolle der Wälder an und stärkt die Branche. Allen Vorstößen, die darauf abzielen, den Waldbesitzern neue bürokratische Hürden aufzuerlegen, werden wir einen Riegel vorschieben!“
Für Köstinger,  die sich besonders für nachhaltige und aktive Waldbewirtschaftung eingesetzt hat, steht vor allem eine verbesserte Koordinierung des Forstsektors auf europäischer Ebene im Vordergrund. Geht es etwa um Fragen der Energie-, Umwelt- und Klimapolitik, müssen die Forstwirtschaft und deren Experten Gehör finden. Kernpunkte von Köstingers Bericht sind daher eine nachhaltige Waldbewirtschaftung als Wirtschaftsfaktor und Arbeitsplatzgarant, Forschung und Entwicklung sowie Ressourceneffizienz. Zudem sollen eine subsidiäre Umsetzung der EU-Waldstrategie und eine Konzentration auf Wachstum und Investitionen zur Stärkung des Forstsektors sichergestellt werden. „Gemeinsame Grundsätze dürfen nicht zu einer Zentralisierung auf EU-Ebene führen. Nicht eine Überregulierung, sondern subsidiär verankerte, sinnvolle Bewirtschaftungskriterien sind mein vorrangiges Ziel“, betont Köstinger.

Kriterien für nachhaltige Waldbewirtschaftung
Die neue Waldstrategie sieht vor, dass bis 2020 alle Wälder in der EU nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit bewirtschaftet werden sollen. Die Kommission soll dafür in Abstimmung mit den Mitgliedstaaten und Stake­holdern objektive, ehrgeizige und ­nachweisbare Kriterien für nachhaltige Wald­bewirtschaftung identifizieren, die in verschiedenen Bereichen wie Klimawandel oder Bioökonomie angewandt werden können. Eine Ad-hoc-Arbeitsgruppe beschäftigt sich auf EU-Ebene mit der Frage, wie sich nachhaltige Waldbewirtschaftung nachweisen lässt. Dabei werden Konzepte, Ansätze und Instrumente zur Sicherung der Nachhaltigkeit in Wäldern und in der gesamten Wertschöpfungskette überprüft. Ziel ist, dass schlüssige Anforderungen und eine gemeinsame Datengrundlage die Sicherung der Nachhaltigkeit gewährleisten. Die Waldbesitzer sind in diesem Prozess durch ihre Dachorganisation der europäischen Waldbesitzer, der „Confédération Européenne des Propriétaires Forestiers“ (CEPF), vertreten.
Wald ist Garant für Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Wertschöpfung
Mit über 3,5 Millionen Arbeitsplätzen steht der Forstsektor europaweit an dritter Stelle bei der Beschäftigung, direkt hinter der Metall- und der Lebensmittelindustrie. Holz ist eine wichtige europäische Ressource mit großer wirtschaftlicher und sozialer Bedeutung. Die sorgfältige Pflege und nachhaltige Bewirtschaftung durch über 16 Millionen Waldbesitzer stellt sicher, dass die Wälder ihre ökologischen, ökonomischen und sozialen Funktionen dauerhaft erfüllen können.