Südtiroler Landwirt, Südtiroler Bäuerinnenorganisation | 24.09.2015

Frauen. Land. Politik.

„30 Prozent Frauenanteil ist unser Ziel!“: So lautete die Forderung der Landfrauenverbände und Bäuerinnen­organisationen beim 6-Länder-Treffen in Wien.

Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann  (4. v.l.) mit den Präsidentinnen der Bäuerinnenorganisationen und Landfrauenverbände und VP-Europaabgeordnete Elisabeth Köstinger (3. v.l.)

Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann (4. v.l.) mit den Präsidentinnen der Bäuerinnenorganisationen und Landfrauenverbände und VP-Europaabgeordnete Elisabeth Köstinger (3. v.l.)

Wie man mehr Frauen am Land motiviert und unterstützt, öffentliche Funktionen in Politik, Wirtschaft und Interessenvertretung anzunehmen, war Themenschwerpunkt beim alljährlich stattfinden 6-Länder-Treffen der Landfrauen und Bäuerinnen aus Österreich, Deutschland, Schweiz, Südtirol, Liechtenstein und Luxemburg – heuer im Haus der Landwirtschaft in Wien. Andrea Schwarzmann, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen in der LK Österreich, erklärte: „Eine moderne Agrarpolitik und eine erfolgreiche Regionalentwicklung erfordern das Engagement der Bäuerinnen und Frauen am Land.“ Um innovative und kreative Prozesse und Lösungen in Gang zu bringen seien, häufig unterschiedliche Sichtweisen von Frauen und Männern nützlich. Frauen seien im Unternehmen Bauernhof ebenso unverzichtbar wie außerhalb des bäuerlichen Betriebes. „Auch aus wirtschaftlichen Gründen können wir es uns künftig nicht mehr leisten, auf das weibliche Potenzial gut ausgebildeter Frauen am Land zu verzichten“,  betonte Andrea Schwarzmann.

Frauen in der Politik
Die Bäuerinnen reden und entscheiden heute verstärkt mit und bäuerliche Betriebe werden auch vermehrt von Frauen geführt. Doch außerhalb von Bauernhof und Familie ist die Einbindung von Frauen in Entscheidungsgremien noch keine Selbstverständlichkeit. So müsse in Zukunft das Engagement von Frauen in der Politik und Interessenvertretung durch Mentoring-Programme, Workshops und Lehrgänge gefördert werden, um den Frauen Mut, Inspiration, Motivation und Kraft zu vermitteln. Theresia Oedl Wieser, Autorin der Studie „Frauen und Politik am Land“ von der Bundesanstalt für Bergbauernfragen in Wien, sagte: „Wissenszuwachs stärkt das Selbstbewusstsein der Frauen und sie können besser mit Vorurteilen gegenüber Frauen in der Politik umgehen. Politiklehrgänge bilden in gewissem Maße die weibliche Politik-Elite von morgen und tragen in noch größerem Ausmaß zur Bildung einer kritischen weiblichen Öffentlichkeit bei.“
Dies bestätigte auch Brigitte Scherb, Vorsitzende des Deutschen Landfrauenverbandes, der seit Jahren bereits Bildungsprogramme für Frauen anbietet: „Die Frauen müssen fit für ihre politische Arbeit sein. Sie brauchen das nötige Rüstzeug und das nötige Handwerk dazu. Doch sie sollten ihre weibliche Sichtweise beibehalten, denn wenn Frauen, die an der Spitze sind, nur mehr so agieren wie die Männer, dann fehlt uns auch was. Gerade beide Sichtweisen in Entscheidungsprozessen sind uns wichtig. Für uns Frauen sollte es selbstverständlich sein, diese Entscheidungen für uns einzufordern.“

Weibliche Sichtweisen
Die Frauen sind in allen Bereichen – von der Wirtschaft, Sozialem bis hin zur Landwirtschaft – präsent und das müssen sie zuerst eimal selbst erkennen und sich dann damit auseinandersetzen. Frauen können selbstbewusster auftreten – sie haben alles was Männer auch haben und können auch alles was Männer können – und dies gilt es sichtbarer zu machen.
Dies fordert Elisabeth Köstinger, VP-Europaabgeordnete, die beim 6-Ländertreffen mit dabei war: „Gerade in der Landwirtschaft sehen wir das überall. Ohne Bäuerinnen würden die Betriebe nicht funktionieren, wir könnten nicht die Welt ernähren. Sie sind der Schlüsselfaktor, doch in den Funktionen sind sie unterpositioniert. Da braucht es Synergien untereinander und ein Netzwerk, um sich gegenseitig zu unterstützen. Es brauche natürlich die Kompetenz, das Wissen um das Was, Wie und Warum.“

Ändere das System
„Change the system“ müsse künftig das Motto lauten. Frauen und Männer müssen auf allen Wahllisten paritätisch vorzufinden sein, lautet eine zentrale Forderung der Bäuerinnen-Präsidentinnen. Moderne Agrarpolitik und eine erfolgreiche Regionalentwicklung erfordern das Engagement der Bäuerinnen und Frauen am Land. Frauen wollen, können und müssen an Entscheidungsprozessen teilhaben und ihre Sichtweisen in allen Themen einbringen. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit, aber auch eine Frage der Ressourcen. Die Talente der Frauen gehören genutzt, zum Wohle der Gesellschaft. Oft scheitern motivierte und engagierte Frauen aber am System. Daher muss auch das System geändert werden. Dies hielten die Präsidentinnen in ihrer Resolution fest. „Den Frauen müssen alle Türen in wichtigen Funktionen geöffnet werden, damit künftig mehr Frauen in wichtigen Gremien und Organisationen des ländlichen Raumes mitreden und mitentscheiden können“, sagte Schwarzmann vor ihren versammelten Kolleginnen aus Österreich, Deutschland, Schweiz, Südtirol, Liechtenstein, Luxemburg.
Auch die Südtiroler Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer schloss sich dieser Meinung an und ergänzte: „Wir müssen Frauen nicht nur Mut machen, sondern sie fachlich topp für Agrarthemen schulen. Denn Frauen im ländlichen Raum gestalten unser Land und werden dies auch zukünftig prägen.“