Südtiroler Landwirt, Produktion | 09.09.2015

Wie wertvoller Boden verschwindet

Jährlich werden in der EU rund 970 Millionen Tonnen Boden durch Regenfälle abgeschwemmt, schätzt das EU-Forschungszentrum JRC in einer aktuellen Studie. Besonders stark betroffen sind die Mittelmeerländer und weite Teile des Alpenraums. von AIZ und AgraEurope

(Foto: Thomas Max Müller, www.pixelio.de)

(Foto: Thomas Max Müller, www.pixelio.de)

Die Menge an Boden, die in der EU jedes Jahr durch Wassererosion verloren geht, entspricht einem Verlust von einer ein Meter dicken Bodenschicht auf einer Fläche von Berlin oder von einem Zentimeter Boden auf der doppelten Landesfläche von Belgien.  Dagegen dauert es 100 Jahre, damit ein Zentimeter Boden aufgebaut wird.

Über zwei Drittel sind landwirtschaftliche Nutzfläche
Während durchschnittlich 2,46 Tonnen Boden je Hektar in der EU jedes Jahr durch Erosion verloren gehen, liegt die mittlere Bodenbildungsrate in Europa mit 1,4 Tonnen je Hektar jährlich deutlich darunter, geben die Wissenschafter Anlass zur Sorge. Mehr als zwei Drittel des Bodens – genau sind es 68,3 Prozent – werden von landwirtschaftlich nutzbaren Flächen abgetragen, in Wäldern ist es weniger als ein Prozent. Die höchsten durchschnittlichen jährlichen Bodenverluste durch Wassererosion wurden laut Studie in Italien mit 8,46 Tonnen je Hektar, in Slowenien mit 7,43 Tonnen je Hektar und Österreich mit 7,19 Tonnen je Hektar nachgewiesen, die geringsten Abträge hingegen in Finnland mit 0,06 Tonnen je Hektar, in Estland mit 0,21 Tonnen je Hektar und in den Niederlanden mit 0,27 Tonnen je Hektar. Für Deutschland wird der Bodenabtrag durch Wasser nur auf 1,25 Tonnen je Hektar und Jahr geschätzt.

Ausblick unterschiedlich

Hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung gehen die Forscher davon aus, dass der Bodenabtrag durch Wasser bis zum Jahr 2050 leicht zurückgehen wird – in erster Linie wegen zunehmender Waldflächen. Dieser Rückgang könnte aber durch eine größere Nachfrage nach Lebensmitteln und Treibstoff wieder aufgehoben werden, auch wenn künftig nachhaltigere Bewirtschaftungsweisen zum Zug kommen, führen die Experten aus. Im Gegensatz dazu zeigen Klimawandel-Szenarien, dass sich die Bodenverlustrate um zehn bis 15 Prozent bis zum Jahr 2050 durch eine verstärkte Wassererosion in Europa erhöhen wird.

Viel Regen und steile Hänge sind Hauptursachen
Als Gründe für die Erosion nennt die JRC hohe Niederschlagsmengen sowie relativ häufige Hanglagen. Das JRC hält fest, dass die Cross-Compliance-Anforderungen in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) die Verlustrate im Durchschnitt um 9,5 Prozent und auf Ackerflächen sogar um 20 Prozent verringert hätten. Dennoch wiesen nach wie vor vier Millionen Hektar Ackerland nicht nachhaltige Erosionsraten von mehr als fünf Tonnen je Hektar und Jahr auf. Die JRC-Forscher rufen deshalb zu größeren Anstrengungen im Bodenschutz auf.

Gehölze bringen Stabilität in den Boden
Der Bund deutscher Baumschulen (BdB) nahm die Studie zum Anlass, die stärkere Verwendung von Gehölzen als Erosionsschutz einzufordern: „Wo Wind und Regen ungehindert auf die Böden einwirken können, ist Erosion die zwangsläufige Folge. Die systematische Anpflanzung von Feldgehölzen kann diesem Prozess stark entgegenwirken“, erklärte BdB-Hauptgeschäftsführer Markus Guhl in Berlin. Wichtig sei insbesondere ein wirksamer Windschutz durch Gehölzreihen am Rande, aber auch innerhalb von bewirtschafteten Flächen. Leider habe sich dieser grundlegende Gedanke einer nachhaltigen Bewirtschaftung bisher zu wenig durchgesetzt. Durch immer größere Maschinen habe das kurzfristige Interesse der Bodenbewirtschaftung oft Vorrang vor einer nachhaltigen Erosionsvermeidung durch Gehölz.