Südtiroler Landwirt | 09.09.2015

70 Jahre erfolgreiche Apfelwirtschaft

Der Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften (VOG) zog kürzlich Bilanz über sein 70-jähriges Bestehen. Die Zukunft weiter sichern will man mit Qualitätsdenken, neuen Märkten und Innovation.

Der am 24. August 1945 gegründete Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften – er ist auch Mitglied im Raiffeisenverband – zählt heute zu den größten europäischen Apfelvermarktungsorganisationen und zu den zehn größten Unternehmen Südtirols. Rückblende: Durch den Zweiten Weltkrieg waren zahlreiche Absatzmärkte verloren gegangen – für den Südtiroler Obstbau eine fast ausweglose Lage. So kam es unter Josef Ungericht, damaliger Obmann der Obstgenossenschaft CAFA, zum Zusammenschluss der Obstgenossenschaften und zur Gründung des VOG. Damit wurde ein gemeinschaftliches Wirtschafts- und Vermarktungsprojekt auf die Beine gestellt, das den Südtiroler Apfel bald in die halbe Welt bringen sollte: der Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften.

Über 5000 Produzenten
„Den Gründern des VOG war klar, dass eine einzelne Genossenschaft zu schwach ist, um sich dauerhaft am Markt zu behaupten“, fasste Direktor Gerhard Dichgans auf einer Pressekonferenz im Hotel Laurin die ursprüngliche Idee des VOG zusammen. Er unterstrich auch, dass der Weg bis heute kein leichter und kein linearer war. Zu den anfänglich nur neun Genossenschaften gesellten sich bald viele dazu. 1999 kam es zum Zusammenschluss mit der Erzeugerorganisation ESO. Von 33 Genossenschaften verblieben nach Fusionen bis heute 16 im Verband, wovon eine auf die Aufbereitung von Bioprodukten spezialisiert ist. „Wir sind eine große Familie, die gemeinsam erfolgreich den Markt bearbeitet“, so VOG-Obmann Georg Kössler. Er hob die Bedeutung der gemeinsamen Plattform für die Obstbauern hervor: „Der VOG vereinigt 5000 Produzenten und Familienbetriebe, die durch die Apfelproduktion ihr Einkommen sichern. Daraus erwächst ihm eine große Verantwortung.“  Die Bauern bringen auf einer Fläche von ca. 10.700 Hektar jährlich ca. 650.000 Tonnen Äpfel ein. Der VOG vermarktet heute etwa ein Drittel der Apfelernte Italiens.

Fit in die Zukunft
Um fit für die Zukunft zu bleiben, seien drei Erfolgsfaktoren entscheidend. „Zum einen die hohe Qualität, die uns von den Mitbewerbern unterscheidet. Zum Zweiten die klare Strategie im Verkauf und im Markt, wobei der Fokus auf die Risikostreuung durch eine starke Internationalisierung der Marktbearbeitung gelegt wird. Und drittens die permanente Innovation, die bereits beim Apfelproduzenten beginnt“, sagte Obmann Kössler. Dabei sei es besonders wichtig, dem Geschmack und den Ansprüchen der neuen Märkte zu entsprechen, was nur möglich sei, wenn die Sortenvielfalt gepflegt werde.
„Immer wieder mussten sich der VOG und seine Mitglieder den Veränderungen des Marktes anpassen: neue Anbaumethoden, ein auf den Verbrauchergeschmack abgestimmtes Sortenangebot und neue Investitionen in die Lager-, Verarbeitungs- und Abpackstrukturen“, erklärte Direktor Gerhard Dichgans.
2010 wurde dem VOG die zentrale Vermarktung übertragen und damit ein grundlegender Schritt in der Unternehmensstrategie gesetzt. „In den sieben Jahrzehnten ist es dem VOG gelungen, den Südtiroler Apfel weltweit zu einem Synonym für Qualität zu machen“, meinte Georg Kössler.
Heute liefert der VOG, der gemeinsam mit den angeschlossenen Obstgenossenschaften etwa 1500 Mitarbeiter beschäftigt und seinen Sitz in Terlan hat, Äpfel in über 50 Länder der Welt.