Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 27.08.2015

Vorreiter in der Vernetzung

Die Schulstandorte beibehalten und deren Positionierung als landwirtschaftliche Kompetenzzentren: Das sind die beiden zentralen Wünsche der Vertreter der Landwirtschaft an die Fachschulen, die kürzlich bei einem Netzwerktreffen geäußert wurden. von Matthias Bertagnolli

Jede Fachschule soll eigene Schwerpunkte erhalten – die Fachschule Salern in Vahrn etwa unter anderem die Verarbeitung von Milch. (Foto: Matteo Groppo)

Jede Fachschule soll eigene Schwerpunkte erhalten – die Fachschule Salern in Vahrn etwa unter anderem die Verarbeitung von Milch. (Foto: Matteo Groppo)

Beide Anliegen wurden beim Treffen von den Verantwortlichen der Landesverwaltung sehr ernst genommen. Abteilungsdirektor Paul Mair sagte beim halbjährlichen Netzwerktreffen: „Wir garantieren für alle Standorte die Grundausbildung.“

Konzentration auf Schwerpunkte ist notwendig
Leicht steigende Schülerzahlen, stabile Versetzungsquoten und der erstmals an drei Standorten erfolgreich abgehaltene, zur Matura führende Lehrgang seien laut Mair  klare Signale dafür, dass dieser Grundsatzentscheid richtig und wichtig ist.
Landesrat Philipp Achammer ergänzte hierzu: „Die Konzentration der Fachschulen auf jeweilige Landwirtschafts-Schwerpunkte ist ebenfalls notwendig.“
Fleisch und Milch sollen in Salern, Obst und Wein in der Laimburg, Wald- und Forstwirtschaft in der Fürstenburg, Hauswirtschaft soll in Kortsch, Agrotourismus in Frankenberg, Versorgungsdienstleistungen in Neumarkt und ländliche Hauswirtschaft in Dietenheim ihren schwerpunktmäßigen Niederschlag finden.

Berufsbegleitende Matura vorantreiben
Dass eine solche Positionierung aber nicht von heute auf morgen über die Bühne gehen kann, ist klar. Achammer erklärte: „Aber es gilt, diese Vision voranzutreiben.“
Auch die Überlegungen hin in Richtung einer berufsbegleitenden Maturaführung sollen „als alternative Möglichkeit neben der Vollzeitmatura“ vorangetrieben werden, erläuterte der zuständige Landesrat Philipp Achammer beim Treffen.

Zweiberuflichkeit integrieren
Noch offen ist aber, wie der Aspekt der Zweiberuflichkeit stärker in die Fachschulen-Ausbildung integriert werden kann. Darunter sind Bildungsguthaben zu verstehen, die einem Fachschulabsolventen zuerkannt werden können, wenn er nach dem Schulabschluss eine Lehre beginnt. Im Rahmen einer eigenen Arbeitsgruppe soll an der Weiterentwicklung dieser Möglichkeit gearbeitet werden.

Fachhochschulen noch zu ­diskutieren
Macht eine landwirtschaftliche Fachhochschule auch für Südtirol Sinn? Auch diese Frage wurde im Rahmen des Netzwerktreffens gestellt. In einem Kurzimpuls legte der Vizedirektor des Südtiroler Bauernbunds, Ulrich Höllrigl, dar, dass es im deutschen Sprachraum genügend Beispiele für die Koexistenz von landwirtschaftlichen Fach- und Fachhochschulen gibt, mit allen Vor- und Nachteilen. Ob auch für Südtirol tatsächlich eine landwirtschaftliche Fachhochschule ins Auge gefasst werden könnte, soll im Rahmen des nächsten Netzwerktreffens diskutiert werden.
Um den Arbeitsmarkterfordernissen Rechnung zu tragen, gehen die Fachschulen neue Wege und sind derzeit dabei, die Spezialisierung zum Lebensmitteltechniker in den Bereichen Obst, Frucht und Wein sowie Milch und Fleisch auszuarbeiten. Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner sagte: „Solche Initiativen können wir nur begrüßen.“ In gut einem Jahr soll die Spezialisierung zumindest für die Obst- und Fruchtverarbeitung Schülern zugänglich sein.

Frauen gleichwertige Ausbildung bieten
Gleichzeitig ist nun eine andere Ausbildungsschiene fertig ausgearbeitet: In Kürze wird die Bäuerinnen-Schule ihre Tore öffnen und Frauen eine gleichwertige Ausbildung zum von Männern dominierten Junglandwirtekurs bieten – mit entsprechender Verlagerung der Schwerpunkte.

Andere beneiden enge ­Zusammenarbeit
Abschließend dankte Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler Landesrat Ach­ammer und den Verantwortlichen der Fachschulen für die Möglichkeit einer solchen Aussprache und wies auf die Bedeutung einer engen Vernetzung von Schule und Landwirtschaft hin.
Bauernbund-Obmann Tiefenthaler erklärte: „Wir sind Vorreiter, was diese Vernetzung betrifft. Nicht umsonst beneiden uns andere Sektoren für diese enge Zusammenarbeit und wollen es uns nachtun.“