Steuerberatung | 24.08.2015

Sanierung ausländischen Vermögens

Mit einer Selbstanzeige können Verfehlungen in Zusammenhang mit ausländischen Vermögen nachträglich richtiggestellt werden. Frist dafür ist der 30. September.

Auch Bankkonten in der Schweiz müssen erklärt werden. (Foto: Kurt Michel, www.pixelio.de)

Auch Bankkonten in der Schweiz müssen erklärt werden. (Foto: Kurt Michel, www.pixelio.de)

Eine Selbstanzeige erlaubt die Sanierung der unterlassenen Meldung ausländischer Finanzvermögen und ausländischer Immobilien sowie anderer Vermögenswerte in der Übersicht RW der Steuererklärung sowie der damit zusammenhängenden und nicht erklärten Einkommen.

Immobilien und Finanzaktiväten betroffen
Das Vermögen im Ausland muss – unabhängig vom tatsächlichen Erzielen eines Einkommens aus diesem Vermögen – in Italien erklärt werden. Die Verpflichtung zur Offenlegung besteht auch, wenn nur potentiell ein Einkommen erzielt werden kann.
Zu erklären sind beispielsweise ausländische Gebäude oder Grundstücke, Schmuckstücke und Kunstgegenstände, Yachten sowie andere bewegliche Güter, welche in ausländische öffentliche Register einzutragen sind (z.B. Oldtimer).
Auch Finanzaktivitäten sind von der Regelung betroffen. Zu den erklärungspflichtigen Finanzaktivitäten zählen jene Investitionen, aus welchen Kapitaleinkommen bzw. sonstige Einkommen finanzieller Art mit ausländischem Ursprung erzielt werden. Zu den ausländischen Finanzaktivitäten zählen etwa Bankkonten, Wertpapiere (Aktien und Obligationen), Zusatzrentenversicherungen, Lebensversicherungen, Darlehensverträge (für Darlehensgeber) usw. Ausländische Finanzaktivitäten, für welche die Verwaltung und Liquidierung der erzielten Einkommen inländischen Finanzvermittlern übertragen worden ist, müssen dagegen nicht erklärt werden.

Verfehlungen nachholen

Nachgeholt werden können folgende Verfehlungen:
• unterlassene Angabe ausländischen Vermögens (z.B. Bankkonten, Gebäude) in der Übersicht RW der Steuererklärung;
• unterlassene Erklärung der Einkommen (z.B. Zinsen, Mieten) aus dem ausländischen Vermögen und der Einkommen zum Erwerb oder der Veräußerung des Vermögens.
Bei der Selbstanzeige müssen alle unterlassenen Steuern zuzüglich Verzugszinsen voll nachgezahlt werden. Nur die Verwaltungsstrafen sind reduziert. Der größte Vorteil besteht aber darin, dass die strafrechtliche Verfolgung ausgesetzt wird.

Bedingungen einhalten
Bei der Selbstanzeige gilt es einige Bedingungen einzuhalten: So dürfen keine Kontrollen oder Erhebungen seitens der Finanzämter begonnen haben. Auch müssen alle ausländischen Vermögen und Einkommen freiwillig lückenlos und vollständig offengelegt werden. Andernfalls ist die Selbstanzeige ungültig. Deshalb ist eine genaue und umfangreiche Erhebung der eigenen Situation notwendig.
Es müssen zudem notwendigerweise alle noch offenen Steuerjahre abgefunden werden:
Das heißt, dass für die Offenlegung des Auslandsvermögens die Steuerjahre 2009 bis 2013 und für die Nachbesteuerung der Einkommen die Jahre 2010 bis 2013 betroffen sind. Im Falle von Vermögen in Steuerparadiesen oder dem Vorliegen von Steuerstrafbeständen verdoppeln sich allerdings die Verjährungsfristen.

Bei Strafvergehen und Verfehlungen
Die Selbstanzeige kann bei Vorliegen von Steuerstrafvergehen (z.B. Steuerhinterziehung über 77.460 Euro) interessant sein. Dabei sind auch die neuen Bestimmungen zur so genannten Selbstgeldwäsche zu berücksichtigen, wonach auch die Verwendung von Geld aus Steuerstrafvergehen strafrechtlich verfolgt wird.
Die Selbstanzeige ermöglicht zudem, Verfehlungen in Zusammenhang mit ausländischen Vermögen nachträglich richtigzustellen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ab dem Jahr 2017 ein automatischer Datenaustausch der Bankkonten stattfinden wird und die Steuerhinterziehung durch Verstärkung der Amtshilfeverfahren zwischen den EU-Staaten eingeschränkt wird. Auch kann mit Selbstanzeige die Verdoppelung der Verjährungsfristen im Falle der Schweiz, Liechtenstein und Monaco vermieden werden. Es ist aber auch zu überprüfen, ob andere Formen der Sanierung (z.B. tätige Reue, Steuervergleich) nicht günstiger sind. Auf jeden Fall muss die Angabe der Vermögenswerte und der entsprechenden Einkommen in der Steuererklärung für 2014 und für die Folgejahre kontrolliert werden.

Erstberatung in SBB-Büros

Ein entsprechendes Ansuchen muss bis 30. September an die Agentur der Einnahmen gerichtet werden. Es ist ein ausführlicher Begleitbericht zu verfassen. Außerdem muss die vollständige Dokumentation der Vermögen und Einkommen (z.B. Bankauszüge, Bilanzen bei Beteiligungen, Kaufverträge, Nachweise betreffend die Bewegungen) eingereicht werden, was sehr zeitaufwändig und mühsam sein kann.
In den Bezirksbüros des Südtiroler Bauernbundes erhalten die Mitglieder eine Erstberatung.