Südtiroler Landwirt, Südtiroler Bäuerinnenorganisation | 06.08.2015

Menschen gewinnt man mit Ideen

Für Vereine wird es immer schwieriger, Ehrenamtliche zu finden. Die Vereinskultur ist der Schlüssel, um neue Mitglieder und Funktionäre für einen Verein gewinnen zu können. von Verena Niederkofler, Südtiroler Bäuerinnenorganisation

Vereine leben vom Ehrenamt. Die Südtiroler Bäuerinnenorganisation schafft es nach wie vor, Bäuerinnen zum aktiven Mitmachen zu motivieren.

Vereine leben vom Ehrenamt. Die Südtiroler Bäuerinnenorganisation schafft es nach wie vor, Bäuerinnen zum aktiven Mitmachen zu motivieren.

Vielen Menschen ist das Ehrenamt sehr wichtig. Vereine müssen sich aber zunehmend Gedanken darüber machen, wie sie zukunftsfähig bleiben. Deshalb ging es bei einer Tagung im Frühling dieses Jahres um das Thema Ehrenamt. Vertreterinnen der Südtiroler Bäuerinnenorganisation nahmen daran teil.
Der Unternehmensberater und Dozent für Marketing, Hartmund Lutschewitz unterstrich bei der Tagung, dass die Zukunft eines Vereins davon abhängt, wie es ihm gelingt engagierte und zielstrebige Menschen zu gewinnen. Menschen also, die neue Ziele und Ideen anpacken, ohne dabei das Vergangene außer Acht zu lassen.
Mit einer eigenen Ehrenamtsstrategie hat das Baden Württembergische Ministerium für Familie und Soziales nach den Trends in Sachen Ehrenamt gesucht. Dabei kam man zum Ergebnis, dass Menschen sich heute nicht mehr ein Leben lang binden wollen, sondern sich nur für kurze Zeit in ein Projekt involvieren lassen.
Das Ehrenamt darf aber nicht der Ersatz für das Hauptamt sein. Schließlich wollen Menschen mitbestimmen und mitgestalten. Eine ehrenamtliche Führungskraft sollte deshalb immer mit ihrem Team, sprich den hauptamtlich angestellten Personen, zusammenarbeiten. Mitgestalten ist nämlich gewollt und muss von der Führungskraft zugelassen werden.

Die kompetente Führungskraft
Dazu muss eine Führungskraft die Gabe haben, gut zuhören zu können und zu spüren, was die Menschen bewegt. Eine gute Führungskraft braucht aber auch viel Geduld und  Kraft. Nur so können neue Ziele und Projekte angegangen werden. Und die machen den Verein wieder attraktiv für engagierte Leute.
Projekte sollen gut definiert, transparent und in absehbarer Zeit abgeschlossen werden. So kann Projektarbeit eine große Chance im Ehrenamt sein, denn damit gewinnt man jene Menschen, die sonst vielleicht nie einem Verein beigetreten wären. Oder auch jene, die zwar schon seit Langem dabei sind, aber sich selten aktiv eingebracht haben.

Vereinskultur als Erfolgsfaktor
Neben dieser neuen Form der Ehrenamtlichkeit spielt auch die Vereinskultur eine große Rolle. Menschen suchen sich heute nämlich viel gezielter aus, wo und mit wem sie ihre Freizeit verbringen wollen. Die Vereinskultur ist dabei der Erfolgsfaktor schlechthin. Wie das Wort „Vereinskultur“ schon sagt, muss diese Kultur aufgebaut, gepflegt und ständig kritisch hinterfragt werden.
Zu einer guten Vereinskultur gehört auch die Anerkennung für Geleistetes. Deshalb sollten nicht nur Vorsitzende oder Präsidenten geehrt werden, sondern auch Mitglieder, die etwas geleistet haben. Anerkennung sollte sich immer auf das Geleistete konzentrieren, klar nachvollziehbar und gerechtfertigt sein. Sie muss aber nicht immer materiell sein: Die höchste Form der Anerkennung ist das Übertragen von Verantwortung. Dessen sollte sich eine Führungskraft bewusst sein.

Ideen statt Aufgaben
Was sich eine gute Führungskraft noch vor Augen halten sollte: Menschen gewinnt man mit Ideen, nicht mit Aufgaben. Ein Beispiel verbildlicht diese Erkenntnis: Wenn Kinder den Auftrag erhalten, ihr Zimmer aufzuräumen, werden Eltern sie wahrscheinlich schwer dafür begeistern können. Wenn Kinder ihr Zimmer aber neu gestalten, neu einteilen dürfen, damit sie mit ihren Freunden mehr Platz zum Spielen haben, geht es leichter.
Niemand will Aufgaben, lieber mag man Ideen, die gemeinsam mit anderen umgesetzt und verwirklicht werden können.

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TIPPS

Erfolgsfaktoren für Vereine
1.) Die Mitglieder beteiligen: Für den Erfolg braucht es eine gemeinsame Kraft.
2.) Rechtzeitig beginnen: Vereinsentwicklung braucht Zeit und Geduld.
3.) Mit Widerständen rechnen: Informieren und werben Sie für die Erneuerung – eine mehrheitliche Unterstützung ist die halbe Miete.
4.) Handeln mit/im Konzept: Situationsanalyse (Was haben/können wir?) – Ziele (Wohin wollen wir?) – Maßnahme (Was brauchen wir zum Ziel?)
5.) Ressourcen und Potenziale prüfen: Wo stecken die kostbarsten Potenziale des Vereins?
6.) Geben Sie Ihrem Verein Ziele: Ziele diskutieren, festlegen und im Verein kommunizieren.
7.) Die Mischung macht´s: Der Mix mehrerer Maßnahmen und ihr wiederholter Einsatz bringen Erfolg.
8.) Die Altmitglieder pflegen: die Vereinskultur als wichtige Stellschraube des Vereinserfolgs.

Quelle: Hartmund Lutschewitz, Unternehmensberater